Symbolbild
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Essen. Die gerade beschlossene Verlängerung des Lockdowns ist insbesondere für das Friseurhandwerk eine neuerliche Hiobsbotschaft. Nun wenden sich auch die Essener Friseure mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit. „Die Situation war schon im Frühjahr prekär, doch jetzt sind die Rücklagen bei den meisten Betrieben aufgebraucht und viele Familienbetriebe geraten an den Rand des wirtschaftlichen Ruins“, sagt der Obermeister der Essener Friseur-Innung, Markus Bredenbröcker.

Auf staatliche Hilfen warteten die rund 400 Essener Friseurbetriebe bislang vergeblich. Weil sie noch den halben Dezember arbeiten durften, kam die Regelung, nach der betroffene Betriebe 75 Prozent des monatlichen Umsatzes aus dem Vorjahr erhalten, nicht in Betracht. „Und für Januar gibt es noch gar keine Formulare“, so Bredenbröcker, der auch Vorstandsmitglied im Friseur- und Kosmetikverband NRW ist. Wenn nicht schnell etwas geschehe, könnte rund ein Viertel der Essener Friseurbetriebe die Segel streichen, so die persönliche Schätzung des Werdener Friseurmeisters.

Alarmiert ist auch Wolfgang Dapprich, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Essen, unter deren Dach die Essener Innungen organisiert sind: „Wir erhalten verzweifelte Anrufe von Betriebsinhabern, die sagen, sie können die Miete nicht mehr zahlen. Gerade jetzt zu Jahresbeginn fallen ja auch viele Beiträge für Versicherungen, Berufsgenossenschaft etc. an.“

Auch auf Kundenseite schwinde das Verständnis für die Schließungen, so Dapprich. „Einige drängten ihre Friseure sogar geradezu, ihren Beruf quasi im Hinterzimmer oder vor Ort beim Kunden illegal auszuüben. Da blutet vielen das Herz, wenn diese Anfragen verneint werden müssen.“

Die Beobachtung, „dass zunehmend Friseure von Haus zu Haus gehen und Schwarzarbeit durchführen“, hatte auch die Essener Friseurmeisterin Patrizia Heckenbücker jüngst in einem offenen Brief an Politik und Medien formuliert. „Epidemiologisch betrachtet eine Katastrophe, menschlich gesehen teilweise nachvollziehbar“, schreibt sie und fordert eine Wiederöffnung der Betriebe unten den bewährten strengen Hygienekonzepten, die von den Behörden durchaus kontrolliert werden sollten.

Obermeister Markus Bredenbröcker weist auf noch eine fatale Fehlentwicklung hin. So treffe der Lockdown besonders die Betriebe, die ihre Verantwortung zur Nachwuchsausbildung wahrnehmen. Denn für Auszubildende könne – wie auch für die Betriebsinhaber – nicht nur kein Kurzarbeitergeld beantragt werden, auch der praktische Teil der Ausbildung findet nicht mehr statt „Wer ausbildet, wird so auch noch bestraft“, ärgert sich Bredenbröcker, der die Corona-Schutzmaßnahmen an sich richtig findet.

Gemeinsam mit der Essener Kreishandwerkerschaft sowie dem Zentral- und NRW-Landesverband des Friseurhandwerks fordert er jedoch von der Politik, schnelle und vor allem unbürokratische Hilfe für sein Gewerk. Hauptgeschäftsführer Wolfgang Dapprich appellierte auch an die lokale Politik, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, in den Parteien, Gremien und Ausschüssen auf Landes- und Bundesebene nicht nur für das Friseurhand-werk sondern auch für andere Branchen einzusetzen, indem selbstverständlich unter Beachtung der Hygieneauflagen Lockerungen vorgenommen werden. Schließlich sind es in erster Hinsicht Handwerk und Wirtschaft, die die Republik wieder in Fahrt bringen müssen.

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