Am Herzkathetermessplatz des Marien-Hospitals: Dr. Jörg Klein (l.) und Dr. Bernhard Artmeyer (Foto: privat)
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Wesel. Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist heute der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Bundesweit leiden nach Angaben der Deutschen Herzstiftung bis zu vier Millionen Menschen an dieser schwerwiegenden chronischen Erkrankung. In der Kardiologie des Marien-Hospitals gehört sie zu den Hauptdiagnosen. Zwei Medizinern der Abteilung wurde nun die neue Zusatzqualifikation „Herzinsuffizienz“ von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zuerkannt: Dr. Bernhard Artmeyer (Leitender Oberarzt) und Dr. Jörg Klein (Oberarzt). Beide Fachärzte haben langjährige Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit Herzschwäche: medikamentös, interventionell und in der Rehabilitation.

Lebensqualität stark beeinträchtigt

Herzschwäche stellt eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar. Sie führt dazu, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut und folglich mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Dadurch werden auch andere Organe geschädigt. Typische Beschwerden sind Herzrhythmusstörungen, Atemnot, Leistungsschwäche und Wasser in den Beinen. Im schlimmsten Fall kommt es zum plötzlichen Herztod. Herzschwäche ist die Folge anderer Erkrankungen, vor allem von Herzinfarkt, Herzklappenfehlern, Herzmuskelentzündungen, Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck. Die akute Herzschwäche führt zu einem plötzlichen Leistungsabfall, die chronische entwickelt sich schleichend und oft unbemerkt. „Patienten mit Herzschwäche haben im Durchschnitt eine schlechtere Prognose als Krebskranke“, sagt Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, Chefärztin der Klinik für Kardiologie am Marien-Hospital. Ohne Therapie sterben 50 Prozent der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren.

Eigene Sprechstunde

„Ziel der Behandlung ist es, die Lebenserwartung der Patienten zu steigern und ihre Lebensqualität zu verbessern“, sagt Dr. Klein. Bei Berufstätigen geht es auch darum, die Erwerbsfähigkeit zu verbessern bzw. zu erhalten. Die Therapien sind in den vergangenen Jahren besser, aber auch komplexer geworden – ein Fall für Spezialisten. So richtete das Marien-Hospital als eine der ersten Kliniken deutschlandweit eine eigene Sprechstunde für Patienten mit besonderen Aspekten der Herzschwäche ein. Sie wird sowohl von ehemaligen stationären Patienten in Anspruch genommen als auch von niedergelassenen Kardiologen, die dort Patienten vorstellen. Ziel ist es, jedem Patienten individuelle Lösungen aufzuzeigen.

Implantation von Schrittmachern

Eine Möglichkeit kann die Implantation von besonderen Schrittmachern sein – das Spezialgebiet von Dr. Artmeyer. „Das können Defibrillatoren sein oder Systeme zur Resynchronisation, bei denen mit Hilfe elektrischer Impulse die Herzfunktion verbessert wird“, erklärt er. Der „Einbau“ (Implantation) solcher Schrittmacher erfolgt in einem der beiden hochmodernen Linksherzkathetermessplätze, über die das Marien-Hospital verfügt.

Kardiologische Reha

Zum Behandlungsspektrum bei Herzschwäche zählt auch die kardiologische Rehabilitation, die das Marien-Hospital seit vielen Jahren in einer eigenen Einrichtung an der Schillstraße (ehemaliges Signalhaus) ermöglicht. Dort lernen Patienten unter der ärztlichen Leitung von Dr. Klein, mit ihrer Herzschwäche zu leben. Dies geschieht durch spezielle Bewegungsprogramme und umfasst auch eine psychokardiologische Betreuung, um die seelischen Belastungen der Erkrankung in den Blick zu nehmen. Die Zusammenarbeit mit Herzsportgruppen zählt ebenfalls

zum Konzept. Weitere Kooperationen bestehen mit niedergelassenen Kardiologen, zuweisenden Kliniken und – in besonders schweren Fällen –mit Herztransplantationszentren.

Die moderne Medizin hat viele Möglichkeiten, um ein Leben mit Herzschwäche zu erleichtern. Wer selbst etwas dazu beitragen möchte, sollte sich um einen herzschonenden Lebensstil bemühen. Dazu zählen gesunde Ernährung, das Anstreben eines normalen Gewichtes (Body-Mass-Index zwischen 20 und 25), maßvolles Ausdauertraining sowie der Verzicht auf Rauchen und Alkohol.

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