Seit wenigen Tagen fährt die Hochschul-Straßenbahn durch Krefeld (Foto: privat)
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Krefeld. Im Jahr 2021 feiert die Hochschule Niederrhein ihren 50. Geburtstag. Sie blickt zurück auf ein halbes Jahrhundert, in dem sie zur zentralen Nachwuchsschmiede am Niederrhein geworden ist. Zum 1. August 1971 wurde die Fachhochschule Niederrhein gegründet, damals mit 3660 Studierenden in acht Fachbereichen. Heute studieren über 14.200 Studierende an zehn Fachbereichen an den Standorten Krefeld und Mönchengladbach. Sie können aus einem vielfältigen Studienangebot mit insgesamt 90 Bachelor- und Masterstudiengängen wählen.

„Seit 50 Jahren und sogar darüber hinaus eröffnen wir für junge Menschen in der Region Perspektiven“, sagt Hochschulpräsident Dr. Thomas Grünewald. „Dabei verbinden wir die Interessen der Unternehmen der Region mit unserem Lehr- und Forschungsangebot. Die Kooperation mit den Unternehmen vor Ort gehört gewissermaßen zur DNA der Hochschule Niederrhein.“

Im Jubiläumsjahr wird aber nicht nur auf das Gründungsjahr 1971 verwiesen. Denn die Tradition von anwendungsorientierter Lehre und Forschung in Krefeld und Mönchengladbach geht bis weit in das 19. Jahrhundert zurück. 1855 wurde mit der Crefelder Höheren Webeschule die erste Vorgänger-Institution der Hochschule Niederrhein gegründet. Die Initiative damals ging von der Crefelder Handelskammer aus, die für die wachsenden Seiden-Unternehmen der Stadt eine Ausbildungsstätte für den Nachwuchs forderte.

1883 folgte die nächste höhere Fachschule, die Färberei- und Appreturschule an der Adlerstraße in Krefeld, Vorgängerin des heutigen Fachbereichs Chemie. Ihre Gründung war eine Folge des rasanten technologischen Fortschritts in den Naturwissenschaften. Chemikern in England war es Jahrzehnte zuvor erstmals gelungen, synthetische Farbstoffe zu entwickeln. Im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts erreichte der Farbstoffboom die deutsche Industrie, die nun darum bemüht war, die neuen Farbstoffe auf Textilien zu applizieren. Die neue Schule an der Adlerstraße war ihr Testlabor. Dorthin schickten die Unternehmen ihre Farben, um die Applikation von jungen Wissenschaftlern testen zu lassen.

Nicht nur in Krefeld, auch in Mönchengladbach entstanden Schulen, die 1971 in der Hochschule Niederrhein aufgehen sollten. 1901 wurde die „Preußische Höhere Fachschule für Textilindustrie in München-Gladbach“ gegründet. Das Gebäude an der Webschulstraße, in dem heute noch der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik untergebracht ist, der mit über 2000 Studierenden zu den größten in Europa gehört, wurde wenige Jahre später fertiggestellt. 1910 folgte die Öffentliche Prüfstelle für Spinnstoffe, 1912 das Warenprüfungsamt für die Bekleidungsindustrie. Heute hat die Öffentliche Prüfstelle für das Textilwesen den Rang einer staatlich benannten Prüfstelle, die Industrieerzeugnisse prüft und zertifiziert

In Krefeld wurde 1904 die Kunstgewerbeschule gegründet, die den Grundstein für den heutigen Fachbereich Design legte. Es folgten 1958 die Staatliche Ingenieurschule, aus der die Fachbereiche Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Elektrotechnik und Informatik hervorgingen. 1962 wurde mit der Gründung der Staatlichen Höheren Wirtschaftsfachschule in Mönchengladbach der Grundstein für den heute größten Fachbereich Wirtschaftswissenschaften gelegt. 1996 ging aus diesem der Krefelder Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen hervor.

Das Fachhochschul-Errichtungsgesetz vom März 1970, das am 8. Juni 1971 in Kraft trat, legte die Basis für die Gründung, die am 1. August 1971 in aller Stille erfolgte.  Einzig die Fachbereiche Sozialwesen und Oecotrophologie waren echte Neugründungen, alle anderen Fachbereiche bauten auf Vorgängerinstitutionen auf. 39 Jahre nach Gründung der Fachhochschule, im Jahr 2010, kam mit dem Fachbereich Gesundheitswesen der zehnte Fachbereich hinzu.

„Wir fühlen uns der Region verpflichtet“, sagt Thomas Grünewald heute. Er führt seit März 2020 die Geschicke der Hochschule Niederrhein und ist der sechste Präsident beziehungsweise Rektor in der 50-jährigen Geschichte der Hochschule Niederrhein. Weil die Hochschule in all den Jahren immer neue Perspektiven eröffnet hat, lautet die Botschaft im Jubiläumsjahr: Wegbereiterin. 50 Jahre Hochschule Niederrhein.

Als Wegbereiterin möchte die Hochschule Niederrhein in diesem Jahr vielerorts sichtbar werden. An Bussen und Bahnen, Werbetafeln, Zeitungen und Zeitschriften und zahlreichen anderen Medien wird sie nicht nur in Krefeld und Mönchengladbach sondern auch im Kreis Neuss und im Kreis Viersen Präsenz zeigen.

Veranstaltungen sind vorerst nur digital geplant. Der offizielle Festakt soll Anfang September erfolgen. Aktuelle Informationen zu Aktionen rund ums Jubiläum finden Sie auf der Webseite www.hs-niederrhein.de/50Jahre

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