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Kreis Wesel. Zur Ablehnung eines zweiten Impfzentrums im Kreis Wesel durch die CDU/FDP-Landesregierung gibt es viel Kritik von politisch Aktiven. Schon gestern erklärte der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Kreistag Wesel, Sascha H. Wagner, dazu: “Ich habe Landrat Ingo Brohl soeben gebeten, bis zum interfraktionellen Gespräch am 18. Februar ein Konzept zum zeitnahen Aufbau mobiler Impfteams für den Kreis Wesel vorzulegen. Hier muss der Kreis jetzt handeln. Dass die CDU/FDP-Landesregierung sich für die Situation vor Ort nicht interessiert und ein zweites Impfzentrum ablehnt, war ja absehbar. Das darf kein Grund sein, nun nichts zu tun.”

Weiter bemängelt Wagner, dass gerade für über 80-Jährige das Impfzentrum abgelegen wäre. Die aktuellen Wetterbedingungen machen es für viele Menschen aktuell unerreichbar, die anstehende Verlängerung des Lockdowns ist für uns alle eine notwendige, aber noch einmal schwere Belastung. “Von daher müssen jetzt die Impfungen schnell und reibungslos über die Bühne gehen. Der Impfstoffmangel ist hoffentlich bald beendet. Aber dann darf es nicht sein, dass diejenigen, die geimpft werden wollen, nicht an ihre Impfung kommen, weil das Impfzentrum von ihnen nicht erreicht werden kann”, so Wagner. Von daher hat seine Fraktion gestern auch gefordert, dass Taxikosten von und zum Impfzentrum übernommen werden.

Ablehnung von zweitem Impfzentrum enttäuscht die Hoffnung vieler älterer Menschen

Die beiden linksrheinischen SPD-Landtagsabgeordneten Ibrahim Yetim und René Schneider kritisieren die Entscheidung –kein zweites Impfzentrum im Kreis Wesel zu errichten– scharf. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht von älteren Menschen angerufen werden, die ein wohnortnahes Impfangebot dringend benötigen“, berichten die beiden Sozialdemokraten und stellen fest: „Genau das wird es nun nicht geben.“

„Zuletzt hatte der Landrat suggeriert, durch seine guten Kontakte zur CDU-geführten Landesregierung ein Zentrum nach Moers oder Kamp-Lintfort holen zu können. Doch leider hat man in Düsseldorf nicht auf ihn gehört“, bedauern die beiden Landtagsabgeordneten. Die SPD-Landtagsfraktion hatte zuvor bereits weitere Impfzentrum für große Flächenkreise und Städte gefordert – und eine Abfuhr von CDU und FDP erhalten.

Im Kreis Wesel, wo mehr als ein Drittel der Bewohner in der Wir4-Region leben, hätte ein Impfzentrum vielen älteren und weniger mobilen Menschen eine große Last genommen. „Denn der Weg von Vluyn, Kapellen, Rayen oder Orsoy bis zum Impfzentrum nach Wesel ist für Seniorinnen und Senioren ohne Auto und mit Bus und Bahn kaum zu schaffen. Da hätten wir uns alle sehr viel mehr Verständnis von Ministerpräsident Armin Laschet und seiner Landesregierung gewünscht“, sagen René Schneider und Ibrahim Yetim. Das Argument, es gebe hierfür zu wenig Impfstoff, zöge schon in wenigen Wochen nicht mehr: „Wenn die Landesregierung hier ihren eigenen positiven Lieferprognosen glaubt, steht bald ausreichend Impfstoff für mehr als nur ein Zentrum zur Verfügung.“

Unverständnis bei der FDP-Kreistagsfraktion

Die FDP hatte sich bereits Ende November als erste Fraktion für ein weiteres Impfzentrum eingesetzt. Daher stößt die Entscheidung des Landes auf Unverständnis. „Wir verlieren mit jedem Tag kostbare Zeit“, sagt Fraktionschef Rudolf Kretz-Manteuffel. „Wichtig ist jetzt, dass trotzdem jede und jeder Wesel erreichen kann. Wir sprechen uns daher für die unbürokratische Einrichtung eines Fahrdienstes aus, der angemessen vom Land NRW bezuschusst wird“, erklärt Kretz-Manteuffel.

„Im Falle einer hohen Kapazitätsauslastung in Wesel ist es dennoch klug, einen weiteren Standort parat zu haben. Während Herr Brohl sich rätselhaft verhält, hat zum Beispiel der Märkische Kreis längst einen Zweitstandort in Iserlohn in petto“, heißt es seitens der FDP-Kreistagsfraktion.

Impfzentrum: SPD-Fraktion fordert Transparenz

Die SPD Fraktion Kreis Wesel hat mit Bestürzung vernehmen müssen, dass die NRW Landesregierung ein zweites Impfzentrum auf der linken Rheinseite des Kreises Wesel abgelehnt hat: “Wir halten diese Entscheidung für kurzsichtig und verantwortungslos gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern des Kreises Wesel.”

Für das zweite Quartal ist mit einer deutlichen Steigerung der Lieferungen von Impfdosen zu rechnen. Die SPD Fraktion ist der Überzeugung, dass eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung nur dann gelingen kann, wenn eine leistungsfähige und bürgerfreundliche Logistik vorhanden ist, damit der gelieferte Impfstoff auch zügig verimpft werden kann.

Die SPD Fraktion bleibt daher bei ihrer Forderung nach einem zweiten Impfzentrum auf der linken Rheinseite des Kreises Wesel und fordert Landrat Ingo Brohl auf, sich entsprechend bei der Landesregierung dafür einzusetzen und mit der Verwaltung das Konzept für einen zweiten Standort auf der linken Rheinseite in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung umzusetzen. Wenn entsprechend ausreichende Impfstoffmengen für den Kreis Wesel zur Verfügung gestellt werden – dem Vernehmen nach ist das in etwa vier Wochen der Fall – muss das Impfzentrum linksrheinisch unverzüglich starten können. Alternativ dazu ist auch eine Dependance des jetzigen Impfzentrums für den linksrheinischen Kreisteil sinnvoll, wenn die Landesregierung bei ihrer jetzigen Haltung bleiben sollte. Die Fraktionen im Kreistag Wesel haben im Sinne unserer Bürgerinnen und Bürger einmütig schon im Vorfeld erklärt, dass der Kreis Wesel vorerst für die Finanzierung eines zweiten Impfzentrums, kann auch als „Dependance“ firmieren, aufkommen soll.

“Durch die Entscheidung der CDU/FDP geführten NRW Landesregierung ist viel Vertrauen unserer Bürgerinnen und Bürger in die Politik verspielt worden. Das ist für uns nicht akzeptabel”, heißt es in der Pressemitteilung der SPD Fraktion im Kreis Wesel.

Da die Landesregierung nicht handelt, sind der Landrat des Kreises Wesel und die Kreisverwaltung gefordert, den Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten anzubieten, auf zumutbarer und kostengünstiger Weise das Impfzentrum in Wesel aufzusuchen. Auch hier fordert die SPD Fraktion Kreis Wesel den Landrat und die Verwaltung auf, entsprechende Konzepte zu erarbeiten und umzusetzen. Von Landrat Brohl erwartet die SPD Kreistagsfraktion eine transparente Informationspolitik gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie der Politik. “Es ist schon schlimm genug, wenn sich die Landesregierung nur nebulös und unvollkommen in Sachen Impfzentren äußert. Daran sollte sich Landrat Brohl kein Beispiel nehmen, sondern offen die Zusammenhänge erläutern und die Vorgehensweise erklären“, so die Moerserin Gabriele Gerber-Weichelt, stellv. SPD Fraktionsvorsitzende. „Die Betroffenen dürfen nicht länger verunsichert werden.“

Die SPD Fraktion steht für den breiten politischen Konsens, alle Maßnahmen zu unterstützen, die dazu dienen, das Impfprogramm im Kreis Wesel reibungslos und mit möglichst wenig Aufwand für die Betroffenen sowie dezentral umzusetzen: “Die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger muss für uns alle an erster Stelle stehen.”

CDU-Fraktion hofft auf Lösung zum Impfkonzept im Kreis Wesel

Die Absage aus der Düsseldorfer Staatskanzlei zum zweiten Impfzentrum auch im Kreis Wesel hält auch die Moerser CDU-Fraktionschefin Julia Zupancic für keine gute Lösung.

„Dass die Landesregierung sich grundsätzlich gegen ein zweites Impfzentrum in Kreisen oder kreisfreien Städten entscheidet, können wir für den Kreis Wesel nicht nachvollziehen. Durch die geografische Besonderheit unseres Kreises sind wir zwingend auf eine zweite Impfstelle angewiesen. Denn Wesel wird immerhin durch einen der größten Flüsse Deutschlands geteilt und bietet nur wenige Querungsmöglichkeiten. Allein die Anmeldung zum Impfen hat vielen über 80-Jährigen hier in Moers schon viel abverlangt. Deswegen brauchen wir einen zweiten Standort, an dem wir allen Bürgerinnen und Bürger ein Impfangebot machen können, auch wenn dieser dezentral ist“, so Zupancic.

Potenzial sei aber für eine flexible, dezentrale Impfstätte in Moers vorhanden. „Moers ist weiterhin ein Standort, der für eine zweite Impfstelle im Kreis Wesel infrage kommt. Wir hoffen, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung hier genau prüft, ob sich auf Moerser Gebiet ein dezentraler Impfstandort realisieren lässt und wünschen uns, dass diese Lösung wirklich schnell gefunden wird. Das hat die Landesregierung zwar an- gekündigt, aber die Geduld bei den Menschen neigt sich langsam dem Ende. Wir leben jetzt seit fast einem Jahr mit dem Virus. Auch wenn es nach wie vor Lieferschwierigkeiten gibt, es gibt einen Impfstoff, also gibt es einen Ausweg. Und der muss jetzt zwingend für jede Bürgerin und für jeden Bürger ersichtlich sein. Daher setzen wir uns dafür ein, dass zeitnah auch in der Region ein Impfstandort eingerichtet wird. Dabei ist es letztelendes für die Bürgerinnen und Bürgern egal, ob es einen festen Standort oder eine flexible Lösung gibt. Hauptsache, es passiert endlich etwas.“

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