Links: In „Koschebrook“ übergaben Bürgermeister Marc Venten und Heimatvereinsvorsitzende Barbara Romann das neue Schild seiner Bestimmung || Rechts: In „Jleähn“ trafen sich Marc Venten und der Vorsitzende der Heimatfreunde Glehn e.V., Joachim Schröder, um das neue Schild offiziell freizugeben (Fotos: Stadt Korschenbroich)

Korschenbroich. Nächster Baustein der Korschenbroicher „Mundartoffensive“

Von „Hexbrook“ im Nordwesten bis „Löttejleähn“ im Südosten verraten die Ortseingangstafeln, wie die Stadtteile in Mundart ausgesprochen werden. Direkt unter der amtlichen Bezeichnung steht der heimatsprachliche Name. Die Schilder werden innerhalb der kommenden beiden Wochen entsprechend ausgetauscht.

Die ersten neuen Ortstafeln sind bereits in Korschenbroich (Rheydter Straße Richtung Zentrum), Kleinenbroich (Rhedung Richtung Ortskern) und Glehn (Bachstraße Richtung Dorfmitte) zu sehen. Sie wurden am Mittwoch von Bürgermeister Marc Venten und Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Heimatvereine Ihrer Bestimmung übergeben.

Die Aktion geht auf eine Initiative des Vereins zur Förderung der Mundart gemeinsam mit den ortsansässigen Heimatvereinen zurück und stützt sich auf einen NRW-Landtagsbeschluss aus dem Jahr 2017. Dieser erlaubt auch in Nordrhein-Westfalen zweisprachige Ortsschilder – wie sie in Norddeutschland seit langem üblich sind – wenn die plattdeutsche Ortsbezeichnung in kleinerer Schrift unter dem hochdeutschen Namen ergänzt wird.

Der Vorschlag stieß auf ein positives Echo im Korschenbroicher Stadtrat. Während eines Treffens im Rathaus einigten sich die Expertinnen und Experten aus den Vereinen auf die jeweils korrekte Aussprache und Schreibweise der einzelnen Ortsteile. Dann ging es an die konkrete Umsetzung: Finanzierungspläne mussten aufgestellt und Zuschüsse mit der Bezirksregierung abgestimmt und beim Heimatministerium des Landes NRW beantragt werden. Darum kümmerten sich erfolgreich die Vereine aus Korschenbroich, Kleinenbroich und Glehn, so dass die übrigen Ortsteile mitversorgt werden konnten und die Aktion für die Stadt konstenneutral blieb.

„Die Mundart ist in unserer Stadt eine lebendige Sprache. Sobald mehrere – meist ältere – Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammenstehen und sich unterhalten, wechseln sie meist automatisch vom Hochdeutschen in die Muttersprache“, beobachtet Barbara Romann, Vorsitzende des Korschenbroicher Heimatvereins. „Manche Begriffe kann man einfach nicht schöner ausdrücken als op Platt. Das Interesse an mundartlichen Abenden war vor Corona riesig – und wird es bestimmt auch wieder sein, wenn wir endlich wieder Veranstaltungen möglich sind.“

„Die kleine Ergänzung auf den Tafeln hat eine identitätsstiftende Wirkung und lädt Alt und Jung dazu ein, sich mit der Ortsgeschichte auseinanderzusetzen“, freut sich Reiner Tillmanns, Vorsitzender des Kleinenbroicher Heimatvereins. „Wir sind froh, dass unsere Anträge angenommen und die Zuschüsse bewilligt wurden. Die vielfache Zustimmung, die wir auf unsere Vorankündigungen in den sozialen Medien erfahren haben, macht uns zuversichtlich, dass die Mundart-Schilder unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern auf viele Jahre Freude bereiten werden.”

Dass die neuen Ortstafeln gut ankommen, davon ist auch Joachim Schröder als Vorsitzender der Heimatfreunde Glehn überzeugt: „Ich denke, die älteren Menschen werden überrascht sein, dass es so etwas noch gibt. Ferner werden sie sicherlich froh sein, dass der heutigen Genration die Mundart auch auf diesem Weg übermittelt wird. Die jüngeren Menschen werden zunächst einmal überlegen was das – positiv gemeint – überhaupt soll bzw. nachforschen – und vielleicht auch Interesse zeigen.“ Eine erste Reaktion habe er auch schon gehört mit dem Wortlaut: „Wie geil ist das denn?“

Sollten die Ortsnamen auf Platt weitergehendes Interesse an der heimischen Mundart wecken, hat Bürgermeister Marc Venten einen guten Tipp: „Auf der städtischen Internetseite www.korschenbroich.de haben wir der Mundart viel Platz eingeräumt. Dort findet man alle Bausteine der Mundart-Offensive, vom Flyer mit ersten mundartlichen Begriffen und Redewendungen für Einsteiger bis zum Hochdeutsch-Mundart-Online-Wörterbuch, das sogar mit Hörproben ausgestattet ist.“

Das nächste Projekt in Sachen Mundart-Offensive lässt übrigens nicht mehr lange auf sich warten: 2021soll die umfangreich überarbeitete und ansprechend erweiterte Neuauflage des Buches „Unges Platt“ erscheinen. Das lange vergriffene Standardwerk zur Korschenbroicher Mundart kommt dann mit vielen Fotos und Erklärungen in einem zeitgemäßen Layout auf den Markt.

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