Kaarst. Zwischen Rathaus und Maubiszentrum schlägt das Herz der Stadt. Die Innenstadt ist Einkaufszentrum, Wohnort, Freizeitfläche und Arbeitsstätte gleichermaßen. Seit dem Bau des Rathauses und der Gestaltung des angrenzenden Stadtparks ist die Kaarster Mitte fraglos zum Identifikationspunkt der Stadt geworden. Doch für die Zukunftsfähigkeit der Innenstadt braucht es neue Impulse. Die Stadt drückt nun auf den Startknopf eines zweistufigen Wettbewerbs, an dessen Ende ein Masterplan für die Kaarster Stadtmitte stehen soll. „Wir nehmen unsere Zukunft selbst in die Hand“, sagt Bürgermeisterin Ursula Baum. Dabei haben alle Kaarster die Chance, sich in den Wettbewerb und damit in die konkrete Entwicklung der Stadtmitte einzubringen. „Die Bürgerbeteiligung ist ein zentrales Element dieses Wettbewerbs, und ich freue mich auf viele gute Ideen durch die Kaarsterinnen und Kaarster“, sagt Baum. Am 2. Juni 2020 wird die erste Stufe des Wettbewerbs mit der Juryentscheidung für die beste ganzheitliche Planung zu Ende gehen.

Bereits in den 2000er Jahren gab es erste Ansätze für eine Weiterentwicklung der Innenstadt. Seitdem haben sich der Einzelhandel, die Gastronomie und die Mobilität deutlich verändert. „In den letzten Monaten haben wir zudem gesehen, dass wir flexibel die Nutzung der zur Verfügung stehenden Flächen auch an immer schnellere Entwicklungen im Einzelhandel anpassen müssen“, sagt die Technische Beigeordnete der Stadt Kaarst, Sigrid Burkhart. Ausgangspunkt des Wettbewerbs ist das zentrale Grundstück zwischen Rathaus und Maubiszentrum, auf dem momentan noch das Gebäude einer alten Gaststätte steht. Die gesamte Fläche mit angrenzenden Parkplätzen und der als Grünzug gestalteten Freifläche wurde durch die Stadt erworben. „Wir haben nun in der besten Lage ausreichend Fläche, um für die gesamte Stadtmitte einen entscheidenden Impuls zu setzen“, sagt Burkhart.

Vier Planungsbüros werden sich der Herausforderung stellen, einen städtebaulichen Entwurf zu entwickeln, der die Ergebnisse aus drei Foren und der Online-Bürgerbeteiligung aufgreift und damit die Richtung für die tatsächliche Umsetzung mit neuen Baukörpern liefert. Diese konkrete Architektur ist Aufgabe der zweiten Wettbewerbsstufe, die möglicherweise auch als Investorenwettbewerb konzipiert wird.

Bereits im ersten Schritt werden die Entwürfe der Planungsbüros von einer Jury bewertet, die sich aus Fachpreisrichtern mit entsprechender Expertise und drei Sachpreisrichtern aus dem Stadtrat zusammensetzen. Auf Vorschlag der Verwaltung werden die Architekten Prof. Peter Schmitz aus Köln sowie die Architekten Matthias Pfeifer, Michael Dahmen und Hiltrud Lintel aus Düsseldorf in die Jury bestellt. Der Stadtrat entsendet Christian Gaumitz, Ingo Kotzian und David Engelbrecht.

Sigrid Burkhart betont, dass der Erfolg des Wettbewerbs ganz entscheidend vom breiten politischen Konsens und der intensiven Beteiligung der Bürgerschaft abhängt: „Corona schafft natürlich besondere Rahmenbedingungen. Wir wollen dennoch alle relevanten Akteure und die Bürger einbinden und werden die Präsenz- und Hybridveranstaltungen unter Beachtung aller Hygienebestimmungen durchführen.“

Vier Arbeitsgruppen widmen sich den Themenfeldern Handel, Verkehr, Städtebau und Nachhaltigkeit. Alle Workshops und die Ergebnisse werden dokumentiert und als Videoclip jeweils kurz nach den Workshops veröffentlicht.

Bereits ab dem 9. März wird die Seite www.kaarst.de/zukunftinnenstadt freigeschaltet. Dort haben alle Kaarster Bürger die Möglichkeit, zu den oben genannten Themenfelder ihre Ideen und Anregungen zu liefern. Die jeweiligen Ergebnisse der Workshops werden ebenfalls online präsentiert und dienen als Grundlage für darauf aufbauende Eingaben durch die Bürger. Bereits nach dem ersten Workshop am 23. März schließt sich eine erste intensive Arbeitsphase der Planungsbüros an, deren Ergebnis zum zweiten Workshop am 4. Mai vorgestellt werden. Sollte im Mai eine Präsenz interessierter Bürger möglich sein, wird die Stadt noch einmal darüber informieren.

Die Ergebnisse der Büros werden von den Arbeitsgruppen aufgegriffen und erneut bearbeitet. Auch die Bürger haben dann zum zweiten Mal die Möglichkeit, den Zwischenstand durch die Online-Beteiligung zu beeinflussen. Danach treten die Büros in die letzte Arbeitsphase zur Feinjustierung der Entwürfe.

Diese endet am 1.Juni mit der Abgabe der Entwürfe, die im Forum 3 am Abend vorgestellt werden. Derzeit ist davon auszugehen, dass auch am 1. Juni nur eine limitierte Anzahl von Bürgern, die Vertreter des Planungsausschusses sowie die Mitglieder der Jury im Albert-Einstein-Forum die Vorstellung der Ergebnisse durch die Teams live verfolgen können.

Die Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern tagt am Vormittag des 2. Juni und wird voraussichtlich gegen Mittag gemeinsam mit Bürgermeisterin Ursula Baum das Ergebnis der Jurysitzung und den Gewinner des Wettbewerbs der Öffentlichkeit vorstellen. „Ich setze darauf, dass wir dann eine Blaupause für die künftige Ausrichtung unserer Innenstadt haben. Ganz persönlich verknüpfe ich mit diesem Wettbewerb die Hoffnung, dass wir beim Thema Verkehr und Aufenthaltsqualität in der Innenstadt einen umsetzbaren Plan in unseren Händen halten werden“, sagt Ursula Baum.

Info

Folgende Aufgabenstellungen wurden den Planungsbüros bereits vor dem ersten Workshop genannt. Sie sollen durch den jeweiligen Entwurf aufgegriffen und gelöst werden.

1. Wie kann das Maubiszentrum mit dem Neumarkt besser vernetzt werden?

2. Wie kann der westliche Teilbereich des Wettbewerbsgebietes harmonisch in die grüne Achse überleiten?

3. Welche ergänzenden Baukörper können die Urbanität der Stadtmitte fördern?

4. Wie können bestehende oder ergänzende Vegetation das Stadtklima fördern?

5. Wie ist die vorhandene Bebauung hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit für Einzelhandelsnutzung oder Gastronomie zu nutzen?

6. Wie können Teilaspekte des Lichtkonzeptes der Stadt Kaarst bei der Neuplanung und Überarbeitung von Stadträumen umgesetzt werden?

7. Wie kann die Alte Heerstraße als trennendes Element überwunden werden?

8. Wie kann der ruhende Verkehr besser geordnet werden?

9. Wie könnte das Gesamtkonzept in einzelnen Modulen und unterschiedlichen Zeitfenstern umgesetzt werden?

( © Stadt Kaarst)
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