1959 beaufsichtigte Ewald Mataré persönlich die Hängung seiner Arbeit am Krefelder Rathaus. 62 Jahre später wurde die Replik an gleicher Stelle befestigt – mit Jürgen Berbalk und Roland Sandmann von der Firma Butzon & Bercken, Künstler Sven Rünger und der städtischen Kulturbeauftragten Dr. Gabriele König (Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof / Stadtarchiv)

Krefeld. Fast 60 Jahre lang erinnerte am Südflügel des Krefelder Rathauses eine Gedenktafel an die verheerenden Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg. Doch das Werk, das der berühmte Künstler und Beuys-Lehrer Ewald Mataré (1887-1965) im Juni 1959 persönlich dort hatte anbringen lassen, wurde im Februar 2019 von Unbekannten gestohlen. Am Freitag hat nun der Bildhauer Sven Rünger eine Replik des Gusshohlkörpers aus Bronze wieder am Rathaus installiert. Die äußere Gestalt und der Ort sind ebenso gleich geblieben wie die Inschrift auf der Tafel: „In der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1943 wurde unsere Stadt durch Bomben zerstört.”

Die Kulturbeauftragte der Stadt Krefeld, Dr. Gabriele König, die sich für die Erneuerung der Tafel eingesetzt hat, betont: „Es ist immer ein großes Ärgernis, wenn Kunstwerke im öffentlichen Raum beschädigt oder gestohlen werden. Aber wir lassen uns dadurch nicht entmutigen: Mir war es wichtig, dass eine solche Arbeit – zumal mit einer so wichtigen Erinnerungsbotschaft – nicht einfach verloren gegeben wird.” Deshalb hatte Gabriele König zunächst Kontakt mit Sonia Mataré aufgenommen, der Tochter von Ewald Mataré. So kam die Verbindung zum Düsseldorfer Bildhauer Sven Rünger zustande. Er war Assistent von Hede Bühl, die wiederum Assistentin von Ewald Mataré war. Rünger hat zunächst eine Ausbildung als Steinbildhauer bei W. Kuhn in Neuss durchlaufen, bevor er die Bildhauerklasse bei Professorin Beate Schiff an der Kunstakademie Düsseldorf besuchte. Die Kosten für die Erstellung der Replik belaufen sich auf 10.000 Euro. In den Werkstätten der Bronzegießerei Butzon & Bercker in Kevelaer wurde das Relief im Sandgussverfahren hergestellt.

Wie die ursprüngliche Hängung erfolgte auch die Neuanbringung der Gedenktafel „in aller Stille”, wie eine Lokalzeitung im Juni 1959 schrieb. Weiter heißt es in dem Artikel: „Es ist eine schlichte, schöne Bronzetafel, die als reliefartig hervortretende Inschrift den inhaltsschweren Satz trägt (…).” Der Haupt- und Finanzausschuss hatte die Beauftragung des Kunstwerks seinerzeit beschlossen und 15.000 D-Mark aus den Mitteln für den Rathausumbau bereitgestellte. Stadtdirektor Dr. Walther Höller und der Stadtverordnete Dr. Max Gieskes begründeten den Vorschlag damit, dass die Tafel an die Stadtzerstörung erinnern solle. Sie beauftragten Ewald Mataré unter anderem aufgrund seiner Bedeutung für Krefeld. 1952 hatte Mataré den Thorn-Prikker-Preis der Stadt Krefeld erhalten. 1957 war er beauftragt worden, für die Eingangshalle der IHK Krefeld eine St. Georgs-Plakette zu schaffen.


Ewald Mataré gilt als einer der wichtigsten Künstler der Klassischen Moderne in Deutschland. Er übernahm 1946 eine Bildhauerklasse an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1957 tätig war. Zu seinen Schülern gehörten neben Joseph Beuys auch Paul Grimm, Erwin Heerich und Günter Haese. Ewald Mataré wurde 1953 mit dem Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1957 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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