Der Sprecherrat der Initiative Viersen 55plus trifft sich wegen Corona derzeit per Videokonferenz mit Gemeindesozialarbeiterin Melina Friedrich vom Caritasverband (Foto: Caritas)

Viersen. Es sind keine leichten Zeiten für eine Initiative, die älteren Menschen gemeinsame Aktivitäten und persönliche Begegnungen ermöglichen will. Aber von Corona lässt sich „Viersen 55plus Miteinander-Füreinander“ nicht unterkriegen: Viele Senioren kommunizieren inzwischen digital.

Pandemie macht erfinderisch. Sabine Ramakers vom Sprecherrat der Initiative nennt ein Beispiel: „Alle 14 Tage stellen die Frauen unserer Malgruppe ihre neuen Bilder auf WhatsApp ein. Die anderen Gruppenmitglieder können dann kommentieren“, sagt sie. Auch die iPad-Gruppe trifft sich online.

„Viele ältere Menschen warten sehnsüchtig darauf, dass sie wieder gefahrlos persönlich zusammenkommen können. Aber bis dahin kann digitale Technik ein Ersatz sein“, erklärt Gertrud Reiners. Auch sie gehört dem sechsköpfigen Sprecherrat von Viersen 55plus an, der sich ebenfalls zurzeit per „Zoom“-Videokonferenz austauscht. Nicht nur die Mitglieder des Sprecherrates schätzen diese Möglichkeit: Während einer Online-Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Digitaler Engel“ sprachen im Dezember insgesamt 18 Senioren über Videokonferenzsysteme und ihre Funktionalitäten. „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es deutlich besser ist, sich virtuell zu treffen als nur zu telefonieren“, sagt Gertrud Reiners. Die digitale Vernetzung wird – unabhängig von Corona – weitergehen.

Fast 70 Gruppen haben sich unter dem Dach der Initiative zusammengefunden – die Bandbreite reicht von Boule bis Bildbearbeitung, von Kegeln bis Kochen, von Sprachen bis Sütterlin. „In normalen Zeiten nutzen mehrere hundert aktive Menschen ab 55 Jahren die Angebote, weil sie ihr Leben aktiv, selbstbestimmt und eigenverantwortlich miteinander und füreinander gestalten möchten“, berichtet Gemeindesozialarbeiterin Melina Friedrich vom Caritasverband für die Region Kempen-Viersen.

Sabine Ramakers hat für die Zukunft weitere interessante Gruppenangebote im Blick: Selbstverteidigung, etwa Judo, könnte künftig ebenso ein Thema sein wie Modellbau, Niederländisch, Englisch für Anfänger oder eine Computer-Gruppe für die Tabellenkalkulation Excel. „Wer sich dafür interessiert oder vielleicht sogar selbst eine Gruppe ehrenamtlich mit geringem Zeitaufwand leiten möchte, kann sich gerne bei uns melden. Wir helfen natürlich gerne bei der Raumbeschaffung“, erläutert Ramakers. Alle Angebote sind kostenlos, bis auf die eigenen Kosten, etwa für Material oder Fahrten. Ganz wichtig, so Gertrud Reiners: „Wir suchen engagierte Mitstreiter für die Redaktion unserer Zeitung Viersen 55pus.“ Kontakt zum Sprecherrat erhalten Interessenten unter Tel. 0173-7275540 oder per Mail an sprecherrat@viersen-55plus.de.

Bei den vielfältigen Angeboten hat Viersen 55plus auch ältere Menschen im Blick, die nur über ein geringes Einkommen verfügen. „Senioren mit wenig Geld sind häufig einsam, weil sie sich bestimmte Aktivitäten einfach nicht leisten können“, sagt Melina Friedrich. Im Austausch mit der Senioren- und Pflegeberatung der Stadt Viersen entwickelte der Sprecherrat die Idee, eine „Börse“ einzurichten: Über das Internet können Mitglieder nicht mehr verwendete Gegenstände an andere verschenken und ihnen so ermöglichen, an Gruppenaktivitäten teilzunehmen. Das kann das Kamera-Vorgängermodell, der nicht mehr genutzte Laptop, ein ausrangiertes Fahrrad oder das Englischbuch sein.

Getreu dem Motto „Verschenken statt verschrotten“ sei die Börse auch ein Projekt im Sinne von Nachhaltigkeit. Dabei arbeitet Viersen 55plus mit dem Projekt „Von-Mir-zu-Dir“ in Willich zusammen. Hier haben das Freiwilligen-Zentrum des Caritasverbandes und die katholischen Pfarrgemeinden bereits vor längerer Zeit eine Online-Plattform geschaffen, die nun um Angebote aus Viersen erweitert worden ist. Mehr dazu unter www.von-mir-zu-dir-will-ich.de.

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