Dorothee Hallmann, Leiterin des DRK-Familienbildungswerks, ist von der Einführung des Online-Angebots überzeugt (Foto: DRK Bochum)

Bochum. „Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendwas gut ist“, sagt der Kabarettist Jürgen Becker gerne. Und das trifft sogar auf die Corona-Krise zu. Das Familienbildungswerk des DRK Bochum sah sich bereits im April des vergangenen Jahres gezwungen, sein Angebot teilweise auf Online-Kurse umzustellen. Insbesondere die Angebote für Eltern mit Kindern im ersten Lebensjahr werden seitdem virtuell angeboten. Ein gelungenes Experiment, wie die Erfahrung nach einem  Jahr zeigt.

„Mein erstes Zoom-Meeting hatte ich Ende März 2020. Das war völlig neu für mich. Drei Wochen später starteten wir unsere Online-Kurse“, erinnert sich Dorothee Hallmann, Leiterin des DRK-Familienbildungs-werks, an die schwierigen Anfänge. Waren die Teilnehmenden zu Beginn noch etwas zurückhaltend, nahmen die positiven Reaktionen immer mehr zu und das Angebot sprach sich herum. „Die Kurse bieten ein Stück Normalität in dieser außergewöhnlichen Zeit“, so Hallmann. Kursleiterin Alice Spinner ergänzt: „Hier kommen Menschen in ähnlichen Situationen zusammen. In manchen Fällen treffen sich sogar Freundinnen mit ihren Kindern Corona-konform zuhause und so entsteht dann doch etwas Privates im Kurs.“

Vorteile der Online-Angebote

Der große Vorteil sei, dass für alle Teilnehmenden eine aufwändige Anreise wegfalle. Auch wenn man „nur“ in einem virtuellen Raum zusammensitzt, gibt es noch Gelegenheiten für Smalltalk. In einer WhatsApp-Gruppe tauschen sich die Teilnehmenden abseits des Kurses weiter aus. „Da entstehen auch Freundschaften und längerfristige Kontakte“, berichtet Kursleiterin Regina Lindemann.

Doch alle Euphorie für die neue Art der Kurse täuscht nicht darüber hinweg, dass es für die Dozentinnen doch auch sehr anstrengend ist. „Die Technik hat manchmal ihre Tücken, bei den Teilnehmenden werden schon mal die Buttons für ,Mikro ein‘ und ,Mikro aus‘ verwechselt, Bilder verrutschen und im Hintergrund wuseln Hund, Katze und Kind“, beschreibt Lindemann. „Zwei Stunden sind da wirklich anstrengend – aber auch super schön! Man bekommt sehr viel positives Feedback und Dankbarkeit.“

Mit einem weiteren Vorteil der Online-Kurse hatten die Dozentinnen nicht gerechnet: „Im Gegensatz zu den Präsenzkursen sind wir so gut wie immer vollzählig“, bemerkt Sabrina Berkenberg. „Das hängt einfach auch damit zusammen, dass Faktoren wie Wetter, ÖPNV oder Urlaubsfahrten keine Rolle spielen. Außerdem haben wir schon Anfragen von Müttern mit Kindern ab der 3. Lebenswoche, mit denen man normalerweise keine Präsenzkurse durchführen würde. Und es nehmen auch mehr Väter teil als sonst.“ Das bestätigt auch eine Teilnehmerin: „Gerade jetzt bei dem unbeständigen Wetter ist es total schön, dass ich den Babymassagekurs mit meinem Säugling besuchen kann ohne mich aus dem Haus zu begeben. Wir sparen viel Zeit und haben es ganz bequem und hygienisch. Auch wenn das Baby mal schläft, kann ich prima mitmachen.“

Trotzdem ist der rein virtuelle Austausch der Kinder untereinander schwierig. „Ohne den Kontakt zu anderen Menschen können die Kleinen das „Fremdeln“ nicht lernen, was ja für ihre Entwicklung sehr wichtig ist.“

Ganz wichtig: Sicherheit!

Das Thema Sicherheit beschäftigt die Kursleiterinnen besonders. Da hier, besonders bei der Babymassage, sehr private Momente geteilt werden, die normalerweise nicht ins Internet gelangen sollen, wird sehr darauf geachtet, dass alles mit rechten Dingen zugeht. „Die Anmeldung ist nur per Email möglich. Zusätzlich wird mit den Teilnehmenden im Vorfeld kommuniziert. Dadurch haben wir keine anonymen Personen in unseren Kursen“, sagt Dorothee Hallmann. Sabrina Berkenberg ergänzt: „Während der Babymassage bitte ich die Teilnehmenden auch, ihre Web-Cams abzuschalten. Als Ansprechpartner sind wir ja sowieso über Audio dabei. Die Eltern bekommen so auch einen anderen Blick für ihr Kind.“ Dass so ein privater Raum trotz Internet entsteht, wird von den Teilnehmenden sehr geschätzt.

Unter den fünf Familienbildungsstätten in Bochum war das DRK-Familienbildungswerk unter den ersten, die dieses Online-Angebot realisiert haben. „Anfangs war es noch ein mutiges Ausprobieren – ein ,Fahren auf Sicht‘. Inzwischen haben wir viel mehr Erfahrung und Professionalität. Die Technik verliert immer mehr ihren Schrecken. Die letzten Monate haben gezeigt, dass es durchaus sinnvoll ist, manche Kurse online beizubehalten“, sagt Regina Lindemann. Das Angebot kommt bei den Teilnehmenden sehr gut an: „Wir haben jetzt Elternzeit und können mit den Babys so wenig machen“, sagt eine Teilnehmerin. „ Da ist es ganz toll, dass das DRK diese Onlineangebote anbietet. Wir erhalten alle Informationen, die in dieser Zeit so wichtig sind und lernen andere Eltern kennen, die in der gleichen Situation sind. Danke dafür.“

Und sogar Alice Spinners Kater kennt die fremden Stimmen in der Wohnung schon: Er legt sich einfach dazu und lässt sich nicht mehr aus der Ruhe bringen.

 

Aktuelle Online-Treffs und -Kurse:

Offener Elterntreff: Austausch für Eltern von Kleinkindern untereinander,  Anregungen für die Gestaltung der Zeit zu Hause (z.B. Bastelanleitungen, Fingerspiele, Lieder), Infos über Ernährung und Entwicklung.

Babymassage: Für Eltern mit Babys ab der 4. Woche bis zum Krabbelalter. Liebevolle Berührungen durch die Eltern sind wesentlich für die Entwicklung eines Kindes. Sie tragen zu einer engen Bindung zwischen Eltern und Kind bei, wirken auf das Baby beruhigend. Der Kurs ist im Rahmen von Elternstart NRW kostenlos.

Eltern-Kind-Kurse für das erste Lebensjahr: Anregungen für den Familienalltag mit dem Baby, Austausch mit anderen Eltern und der Kursleitung über die neue Lebenssituation, Spiel- und Bewegungsanregungen, erste soziale Erfahrungen im Umgang mit Gleichaltrigen für das Baby.

Neben dem „PEKiP“-Kurs (Prager-Eltern-Kind-Programm) und „Mit allen Sinnen die Welt entdecken“ gibt es den vom DRK entwickelten Kurs „ElBa“ (Eltern und Babys im ersten Lebensjahr).

Informationen und Anmeldung:

DRK-Familienbildungswerk, Hauptstr. 312, 44892 Bochum
Tel.: 0234/ 92 700 37, E-Mail: fbw@drk-bochum.de
Internet: www.drk-bochum.de/angebote

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