Patient Hans Winkens (links), der mit einer Kombination neuartiger minimal-invasiver Verfahren am Herzen operiert wurde, und Prof. Dr. Alexander Assmann, Leiter des Bereichs „Koronare Bypasschirurgie“ in der Klinik für Herzchirurgie am UKD (Foto: privat)
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Düsseldorf. Die Herzchirurgie der Uniklinik Düsseldorf ist bei der Anwendung und Weiterentwicklung minimal-invasiver Operationstechniken ganz vorne dabei – das zeigt ein Eingriff, von dem der 61-Jährige Herzpatient Hans Winkens sehr profitierte

Die Herzchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) gilt international als Kompetenzzentrum für schonende minimal-invasive Eingriffe am Herzen. Die Spezialisten haben hier schon viele innovative Operationsverfahren eingeführt oder sogar selbst entwickelt. Doch manchmal geschieht selbst an einem solchen Ort etwas völlig Neues…

Kein Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Der Zugang in den Brustkorb über einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen. Die Entnahme beider Brustwandarterien als Ersatz für verstopfte Herzkranzgefäße. Und das Legen gleich mehrerer Bypässe, damit das Herz wieder hinreichend mit Blut versorgt werden kann. Eine Operation, die all diese Punkte zusammenführt, hat es bisher in Düsseldorf nicht gegeben. „Hier sind alle Aspekte einer schonenden Operation erfüllt, ohne dabei einen Kompromiss einzugehen“, sagt Prof. Dr. Alexander Assmann, Leiter des Bereichs „Koronare Bypasschirurgie“ in der Klinik für Herzchirurgie am UKD.

Die beschriebenen innovativen Techniken kamen Patient Hans Winkens zugute. Der heute 61-Jährige hatte zuvor etwa eineinhalb Jahre mit massiven Einschränkungen gelebt, die sein erkranktes Herz verursachte – darunter massive Luftnot und eine fehlende körperliche Belastbarkeit. Das Team der Herzchirurgie am UKD operierte ihn am 15. Dezember vergangenen Jahres. „Für mich war es sehr überraschend, schon an Weihnachten wieder zu Hause zu sein. Und die Schmerzen waren auch schnell vorbei“, sagt Hans Winkens. „Ich habe ein gutes Heilfleisch“, fügt er schmunzelnd hinzu, weiß aber auch, dass für seine schnelle Genesung verschiedene Faktoren ausschlaggebend waren. „Dass ich nur zwei bis drei Tage nach der OP schon von Physiotherapeuten betreut wurde, das hat mir sehr geholfen. Außerdem war von den Pflegern und Krankenschwestern bis hin zu den Ärzten alles top.“

Kombination neuer Verfahren

Bei Eingriffen wie diesen gehört eigentlich zum Standard, dass die linke Brustwandarterie entnommen und als Bypass für ein stark verengtes oder verschlossenes Herzkranzgefäß verwendet wird. Bei Hans Winkens entnahm des OP-Team zusätzlich auch die rechte Brustwandarterie. Dass durch einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen gleich mehrere Herzkranzgefäße (Koronararterien) mit Bypässen durch die beiden Brustwandarterien versehen werden konnten, ist ein neues Verfahren. Hinzu kam die Besonderheit, dass die Beatmung des Patienten aufgrund einer bestehenden Lungenerkrankung eine Herausforderung darstellte. Anders als bei solchen Operationen üblich, entschieden die Operateure in Abstimmung mit den Anästhesisten, eine Technik anzuwenden, mit der beide Lungenflügel beatmet werden können. In anderen Fällen wäre nur ein Lungenflügel beatmet worden, damit der Operateur mehr Platz für den Zugang zum Herzen hat. „Wir haben uns hier im Zentrum schrittweise zu dieser Kombination aus verschiedenen innovativen herzchirurgischen Techniken hinentwickelt“, sagt Prof. Assmann. Das Ziel sei gewesen, mit geeigneten Verfahren auf die individuelle Situation jedes Patienten einzugehen.

“Sehr gute Operation für ganz bestimmte Patientinnen und Patienten”

„Ich bin froh, dass ich den Eingriff hier in Düsseldorf habe machen lassen“, sagt Hans Winkens. Aus seinem Umfeld kennt er Herzpatienten, die mit dem Standardverfahren und der damit verbundenen Öffnung des Brustbeins operiert wurden. „Die haben länger mit Schmerzen zu kämpfen gehabt und waren nicht so schnell wieder mobil“, so der 61-Jährige.

„Auf das herkömmliche Verfahren werden wir allerdings auch in Zukunft nicht verzichten können“, sagt Herzspezialist Prof. Assmann. Denn nicht in jedem Fall sei das Operieren über den kleinen Zugang die bessere Option. „Zum Beispiel gibt es anatomische Ausschlusskriterien. Aber wir verfügen mit den neuen Techniken über eine sehr gute Operation, die für ganz bestimmte Patientinnen und Patienten große Vorteile bietet.“

Hans Winkens ist jedenfalls glücklich mit seiner Behandlung. Und ein wenig hat sich für ihn auch ein Kreis geschlossen. Er ist für seine Operation an einen Ort seiner früheren Schaffenskraft zurückgekehrt. Winkens gehörte nämlich vor einigen Jahren zu den Handwerkern, die im Neubau des Zentrums für Operative Medizin II des UKD die Fliesen verlegt haben. Hier ist er auch operiert worden…

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