(Foto: privat)
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Mönchengladbach. Die Lern- und Bildungsakademie Mönchengladbach hat gemeinsam mit der Maastricht University, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) und dem Schweizer Institut für Gewaltfragen (SIfG) ihre neueste Studie zu den Folgen der Corona-Krise auf Jugendliche und junge Erwachsene im deutsch-niederländischen Grenzgebiet veröffentlicht. Die von der Euregio Rhein-Maas-Nord geförderte Untersuchung befragte Jugendliche und junge Grenzbewohner diesseits und jenseits der Grenze zu ihrer Befindlichkeit in der aktuellen pandemischen Ausnahmesituation und versuchte besonders auf den diesbezüglichen Umgang mit dem Nachbarn jenseits der Grenze einzugehen. Der Untersuchungszeitraum war der Herbst 2020. Angesprochen wurden vor allem weiterführende Schulen in den jeweilig grenznahen Gebieten der Euregio.

Auch in der Euregio Rhein-Maas-Nord leiden die Jugendlichen stark unter den Auswirkungen der Pandemie. Der Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Prof. Dr. Dirk Baier bringt es auf den Punkt: „Den Jugendlichen geht es psychisch derzeit einfach nicht gut. Der normalerweise typische Zukunftsoptimismus und das jugendliche Wohlbefinden verringern sich deutlich spürbar, wie Junco zeigt.“ Dagegen steigen andere Phänomene. Baier: „Der individuelle Medienkonsum wird in der Corona-Zeit immer wichtiger und zum Teil leider auch exzessiver. Mögliche Folgen sind Störungsbilder wie Computerspiel- und Internetabhängigkeit, da das Mobiltelefon oft zum ständigen Begleiter wird. Die Jugendlichen interagieren ja weiter. Sie bleiben dabei nur zuhause und das Smartphone bleibt permanent in der Hand.“

Die Studie bringt aber auch positive Ergebnisse hervor. So scheinen einige Befürchtungen nicht eingetreten zu sein. Der Leiter des Schweizer Instituts für Gewaltfragen, der aus dem Selfkant stammende Lothar Janssen, hebt hervor: „Glücklicherweise konnten wir keinen Anstieg der häuslichen Gewalt oder der Verhaltensauffälligkeiten, wie bspw. Cyberbullying oder Aggression, feststellen. Gleichwohl muss man natürlich die weiteren Auswirkungen der Pandemie in diesem Bereich im Auge zu behalten. Je länger der Ausnahmezustand andauert, desto wahrscheinlicher sind auch hier Auffälligkeiten.“ Einer der größten Wermutstropfen war für die europäischen Partner aber, dass sich Stereotype und Vorurteile gegenüber den Nachbarn vermehrt zeigen. Die Pandemie kann insofern negative Auswirkungen auf das deutsch-niederländische Verhältnis haben kann, wenn man die Befunde der Online-Umfrage zugrunde legt. Der Leiter der Lern- und Bildungsakademie Mönchengladbach, Michael Weigand, stellt fest: „Hier können auf Dauer nur erweiterte Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten die zum Teil neu entstandene Grenze in den Köpfen wieder abbauen. Eine Generation, die zuvor ohne eine wahrgenommene Grenze aufgewachsen war, erlebte nun die Nachteile nationalstaatlichen und protektionistischen Handelns, diesmal durch gesundheitspolitische Maßnahmen zur Bekämpfungen der Pandemie.“

Eine 80seitige Broschüre ist erhältlich bei der Lern- und Bildungsakademie Mönchengladbach.

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