Eine fachübergreifende Untersuchung belegt die Vorteile einer aufwändigen Operationsmethode bei Pankreaskrebs. Beteiligt (von links): Prof. Dr. med. Wolfram-Trudo Knoefel (Direktor Allgemein und Viszeralchirurgie), Prof. Dr. Irene Esposito (Direktorin Pathologie), Prof. Dr. Tom Lüdde (Direktor Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie) und Dr. Sami-Alexander Safi (Facharzt Allgemein- und Viszeralchirurgie) (Foto: UKD)
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Düsseldorf. Laut einer Studie bringt das an der Uniklinik Düsseldorf etablierte radikalere Operationsverfahren bei Bauchspeicheldrüsenkrebs einen klaren Mehrwert für Patientinnen und Patienten

Die Chance, nach Bauchspeicheldrüsenkrebs wieder ganz gesund zu werden, sind denkbar schlecht. Das liegt vor allem daran, dass sich die Erkrankung in den meisten Fällen erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar macht. Oftmals sind dann schon Absiedlungen des Tumors in anderen Körperregionen feststellbar. Ärztinnen und Ärzte haben dann nur wenige Handlungsoptionen. Forscher des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) haben nun im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass ein sehr radikaler Ansatz bei der chirurgischen Therapie mit großer Wahrscheinlichkeit helfen kann, den betroffenen Patientinnen und Patienten so viel wie möglich Lebenszeit zu erhalten. Auch die Wahl der begleitenden medikamentösen Therapie kann sich sehr positiv auswirken. An der Untersuchung beteiligt waren Ärztinnen und Ärzte der Klinik für Allgemein- Viszeral- und Kinderchirurgie, der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie sowie des Instituts für Pathologie. Die Studie wurde im Fachmagazin „Pancreatology“, dem international anerkanntesten Fachmagazin über Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, veröffentlicht.

Neubewertung älterer Fälle

Untersucht wurden die Daten und Gewebeproben von 264 Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkopf-Krebs, die im UKD operiert worden sind. Eine Neubewertung der älteren Fälle wurde möglich, weil Prof. Dr. Irene Esposito als Direktorin des Instituts für Pathologie bereits 2015 neue Techniken und eine standardisierte Untersuchungsmethode eingeführt hat, die bei der Einschätzung des Erfolges von Tumoroperationen helfen. Von größter Bedeutung ist nun der sogenannte CRM-Wert (circumferential resection margin), der eine Aussage darüber trifft, wie gründlich ein Tumor entfernt worden ist. „Entscheidend ist der Abstand zwischen den Schnitten des Chirurgen und dem Tumorgewebe, der mehr als einen Millimeter betragen muss“, so Prof. Esposito. „Die Beseitigung aller Tumorzellen ist ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor, wenn es um die Überlebensdauer nach dem Eingriff an der Bauchspeicheldrüse geht.“

Legt man dieses Bewertungsverfahren zugrunde, schneidet die in der Uniklinik Düsseldorf bei Bauchspeicheldrüsenkopf-Krebs standardmäßig angewandte aufwändige Operationsmethode (mesopancreatic excision = MPE) sehr gut ab. Die Chirurginnen und Chirurgen am UKD entfernen dabei nicht nur die vom Tumor betroffenen Teile der Bauchspeicheldrüse und umgebender Organe sondern auch sehr sorgfältig benachbarte Strukturen, insbesondere auch das Fettgewebe im Bereich der Bauchspeicheldrüse und des Zwölf-Finger-Darms. „Unsere Studie erbringt den Nachweis, dass genau dieses Fettgewebe sehr häufig mit Tumorzellen belastet ist“, so Prof. Dr. Wolfram-Trudo Knoefel, Direktor der Allgemein Viszeral- und Kinderchirurgie am UKD. „Insofern haben wir nun einen Nachweis, dass sich unser aufwändigeres Verfahren, das über die Komplexität der etablierten Whipple-Operation hinausgeht, seine Vorteile für den Patienten hat und letztendlich gerechtfertigt ist.“

Dass das an der Uniklinik Düsseldorf favorisierte, umfassendere Operationsverfahren – kombiniert mit den genaueren Untersuchungsmethoden durch die Pathologie – Vorteile mit sich bringt, belegt die Studie mit Zahlen: „Bei optimaler Entfernung des Tumorgewebes trat in fast 90 Prozent der Fälle kein Tumor mehr an derselben Stelle auf“, so der an der Studie beteiligte Chirurg Dr. Sami-Alexander Safi. Laut Studie liege die mittlere Überlebensdauer nach der Operation bei 58 Monaten – normalerweise sei von 28 bis maximal 54 Monaten die Rede. Treten keine Metastasen abseits des Tumorherdes auf, kann die mittlere Überlebensdauer auch deutlich länger sein.

Ziel: Behandlungsqualität weiter steigern

In rund der Hälfte aller Fälle gelingt es den Düsseldorfer Chirurginnen und Chirurgen bei der hoch-anspruchsvollen Operation, den höchsten CRM-Standard zu erfüllen – also den erforderlichen Abstand zum Tumorgewebe zu gewährleisten. Auch das ist ein hoher Wert, wird doch in anderen Publikationen beschrieben, dass es mitunter bei mehr als 70 Prozent der Tumoroperationen an der Bauchspeicheldrüse nicht gelingt, den Sicherheitsabstand einzuhalten: ‘‘Die 50-Prozent-Rate ist durchaus erfreulich. Wir möchten uns aber weiter steigern“, sagt Prof. Knoefel.  Prof. Dr. Tom Lüdde, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, ergänzt: „Bestimmte Patientinnen und Patienten können mit Sicherheit von einer vorgeschalteten Chemotherapie profitieren, mit der wir ein sogenanntes ´down-sizing´, also eine Verkleinerung des Tumors, erreichen können. Zu diesem Punkt erwarten wir die Ergebnisse weiterführender Studien.“

Die aktuelle Studie der Düsseldorfer Forscher lieferte aber Hinweise darauf, dass für Patientinnen und Patienten, die ergänzend zur Operation im Rahmen einer Chemotherapie behandelt wurden, mit der Kombination mehrerer Zytostatika eine höhere Überlebensdauer verzeichnet werden konnte als mit der Konzentration auf einen einzelnen Wirkstoff. Auch hier ergeben sich Anknüpfungspunkte für weitere Forschungsaktivitäten.

 

Link zur Studie: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33775563/

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