Nele Dürger, Avraam Mavridis und Nikolaos Trigussis (von links nach rechts) setzen sich für mehr Gleichberechtigung ein (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Neuss. Europäischer Aktionstag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

Der 5. Mai ist in ganz Europa der „Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“. Grund genug für die St. Augustinus Gruppe – gemeinsam mit zahlreichen Verbänden und Organisationen der Behindertenhilfe und der Selbsthilfe – auf die Situation von Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Öffentlichkeit für das Thema Inklusion zu sensibilisieren“, sagt Christina Döhlings, Diplom-Sozialpädagogin bei der Behindertenhilfe der St. Augustinus Gruppe. „Es geht darum, Vorurteile abzubauen, Zusammenhalt zu demonstrieren und über aktuelle Grenzen hinauszugehen.“

Mit kreativen Aktionen machen beispielsweise der Nachbarschaftstreff Bleichgasse und das Netzwerk Oberstraße mit dem inklusiven „Café jedermann“ auf die Forderungen nach mehr Gleichberechtigung für Menschen mit Assistenzbedarf aufmerksam. Plakate, die in beiden Einrichtungen Fassade, Fenster und Türen schmücken, benennen Themen, die den Betroffenen besonders wichtig sind – darunter Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt und Barrierefreiheit in der Stadt.

Mit ihrem Memory Zentrum lenkt die St. Augustinus Gruppe in diesem Jahr das Augenmerk auf das Thema „Assistenzbedarf“. Die persönliche Assistenz ist eine professionelle Unterstützung beispielsweise von Menschen mit psychischer Behinderung oder früher Demenz, ist also nicht zu verwechseln mit Betreuung oder Pflege. „Um aktiv am Leben teilnehmen zu können, den eigenen Hobbys nachzugehen und den Alltag zu meistern, benötigen Menschen, die mit neurokognitiven Störungen leben, Hilfe und Unterstützung“, weiß Manfred Steiner, Diplom-Sozialpädagoge im Memory Zentrum. Jede Assistenz erfolge ganz im Sinne und nach Vorgabe desjenigen, der sie in Anspruch nimmt. „Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Freizeitbeschäftigungen, kulturellen Veranstaltungen und Bildungsangeboten ist das Recht eines jeden Menschen. Dafür setzen wir uns unter anderem mit dem Selbsthilfe-Netzwerk EmpoerMenz ein”, so Steiner. „Um dieses Recht auch beispielsweise für Menschen mit Vergesslichkeit unter 65 Jahren wirksam umzusetzen und weiterhin ein Leben mit möglichst hoher Lebensqualität zu ermöglichen, benötigen Menschen mit neurokognitiven Einschränkungen eben Assistenz durch professionelles Personal“, fordert Steiner. Dies sei oft kaum bekannt.

Beispiele und Notwendigkeiten für persönliche Assistenz gibt es viele: Unterstützung bei Terminen, bei Auseinandersetzungen mit Behörden, bei Konflikten mit Familienmitgliedern oder Hilfe beim Verstehen medizinischer Befunde. „Wir müssen einfach öffentlich machen, wo es mit der Umsetzung von Teilhabe, Inklusion und Barrierefreiheit hapert und wo Menschen mit Behinderung ausgeschlossen werden“, sind sich Christina Döhlings und Manfred Steiner einig. Der „Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ am 5. Mai sei dazu ein optimaler Anlass. Das „Café jedermann“ spendiert zur Feier des Tages am Mittwoch jedem Gast einen süßen Muffin.

 


Seit 1992 gibt es den europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Im zweiwöchigen Aktionszeitraum rund um den 5. Mai finden bundesweit mehr als 600 verschiedene Aktionen und Projekte statt. „Wir möchten, dass auch in diesem Jahr trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie viele Menschen den 5. Mai nutzen, um ein deutliches Zeichen für Inklusion zu setzen – natürlich in einem Corona konformen Rahmen“, sagt Christina Marx, Leiterin der Aufklärung bei der Aktion Mensch. Die Aktion Mensch unterstützt die Maßnahmen zum 5. Mai auch finanziell. „Indem wir Teilhabe-Barrieren für Menschen mit Behinderung erkennen und diese gemeinsam abbauen, sorgen wir dafür, dass alle Menschen gleichberechtigt in unserer Gesellschaft leben und ihre Rechte in Anspruch nehmen können“, so Marx.

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