(Foto: privat)
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Mönchengladbach. In der ZNA des Eli immer viel los

In der Zentralen Notaufnahme ZNA der Städtischen Kliniken herrscht an diesem Morgen ziemlicher Betrieb. In allen Bereichen ist Bewegung. Ein ganz normaler Arbeitstag also, meint der Chefarzt der ZNA Dr. Tobias Strapatsas: „Rechne ich den Kollegen auf dem Rettungswagen hinzu, sind wir gerade fünf Ärzte im Dienst, und sechs Pflegekräfte.“

Gerade hat er zwei zusätzliche und erfahrene Oberärzte für die ZNA ab Juli gewinnen können. Das beruhigt den Notfall- und Palliativmediziner: „Mein Team und ich werden im Oktober noch besser und stärker aufgestellt sein und den besonderen Anforderungen in der Pandemie begegnen können als noch im Oktober des vergangenen Jahres.“ Jetzt gelte es, durch die kommenden Monate zu kommen, „aber die Aussicht auf Entlastung wird uns tragen.“

In diesen Wochen und Monaten der Pandemie sei der Arbeitstag nicht wirklich planbar, „wir denken von Tag zu Tag.“ Das Thema Disposition stehe im Vordergrund, also die Frage nach der Zeitspanne: wie schnell kann ein Patient aus der ZNA auf die Nachfolgestation verlegt werden: „Dort werden derzeit Drei-Bett-Zimmer nahezu immer nur mit maximal zwei Personen belegt. Und auch hier in der ZNA können wir unsere `Doppelboxen´ nur mit einer Patientin, bzw. Patienten belegen.“ Insgesamt ist er aber froh, dass am Eli das strenge Hygienekonzept konsequent eingehalten wird: „Nach unserer Erfahrung ist das längst nicht überall im Land der Fall.“

Das Team der ZNA sieht derzeit vermehrt Menschen, die mit schwer fassbaren Beschwerden in die Klinik kommt. „Wir klären natürlich ab, ob keine schwerwiegenden, zum Beispiel organische Gründe hinter diesen Probleme stecken“, erklärt Tobias Strapatsas, „häufig stellen wir aber fest, dass die Menschen einfach nicht mehr können. Das ist sicher auch dem Stress geschuldet, den die Pandemie bei Vielen auslöst.“ Mit entsprechenden Empfehlungen zur Behandlung dieser psychosomatischen Beschwerden werden diese dann wieder entlassen.

Andererseits stellt der Notfallmediziner immer wieder fest, dass in diesen pandemischen Zeiten nicht selten Patient*innen mit dem Rettungswagen ins Eli gebracht werden, die zu lange gewartet haben, um einen Arzt aufzusuchen, aus Sorge vor einer Infektion in der Klinik: „Da wird unnötig etwas verschleppt und wertvolle Zeit verloren.“ Stattdessen sollten die Menschen frühzeitig zum Arzt gehen, dann sei ein Rettungstransport vielleicht gar nicht erst nötig. Insgesamt gelte: „Der niedergelassen Arzt oder das Krankenhaus ist gerade auch jetzt immer der richtige Ansprechpartner“, appelliert Strapatsas an die Vernunft der Hilfsbedürftigen und Hilfesuchenden.

Der Umgang mit den Patient*innen auch während der Pandemie sei überwiegend unkompliziert. Natürlich gebe es auch `Ausreißer´ im Verhalten, diese manchmal etwas heiklen Situationen seien aber in aller Regel mit Ruhe und Übersicht zu lösen. „Wenn es denn mal zu arg wird, können wir nach der Erstversorgung, zu der wir verpflichtet sind, und nichts lebensbedrohlich ist, zur weiteren Behandlungen an Kollegen verweisen. Alles müssen wir uns nicht gefallen lassen. Manchmal müssen wir Grenzen setzen.“

Um dem hohen Stresslevel in der ZNA gerecht zu werden, sucht der Chefarzt stets den Beschäftigten zu signalisieren: ich nehme mir Zeit für euch. So könnten Phasen mit einer hohen Belastung besser durchgestanden werden: „Wir sitzen doch alle im gleichen Boot.“

Ideal sei es für alle Beteiligten, und dies sei ein Appell an die Bevölkerung, „wenn Angehörige schon vor der Fahrt ins Krankenhaus Kontakt zu uns aufnehmen. Dann sind wir bei einem Verdacht etwa auf Corona schon vorbereitet und wissen was zu tun ist.“

Ein Ausgleich zu seiner Arbeit zu finden, sei derzeit schwierig, bekennt der Vater einer kleinen Tochter mit einem Schmunzeln, „zum Ausspannen komme ich eher am Wochenende. Da ist dann auch schon mal ein Computerspiel drin.“

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