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Rheinberg. Nun ist es also offiziell: Die AOK schließt ihre Verwaltung in Rheinberg. Selten bietet ein Ende so große Chancen: Der alte AOK-Standort ist doch ideal geeignet als neue Heimat für das Kommunale Wasserwerk (KWW). Natürlich nicht als Ganzes: Der Komplex an der Bahnhofstraße wäre zu groß selbst für ein Unternehmen wie KWW, das es gerne etwas luftiger mag und an der Wallstege 300 Quadratmeter Bürofläche für ganze 10 Arbeitsplätze plant. Warum aber braucht das KWW einen Neubau und den ausgerechnet an der Wallstege? Aus Eitelkeit? Wer also profitiert von diesem Projekt?

Aber jetzt ist der Weg frei zurück zur Vernunft: KWW kann ein Bündnis mit einem kommunalen Wohnungsunternehmen schließen. Das kauft einen Flügel im AOK-Bau, das Wasserwerk den anderen. Es kann schon in der Parterre Büros einrichten und müsste das wertvolle Erdgeschoss nicht mit Autos zustellen – wie es ein Plan für die Wallstege vorsieht, weil auf dem kleinen Grundstück nur so überhaupt Parkplätze Platz haben. In den oberen AOK-Etagen bliebe reichlich Platz für Wohnungen oder Büros, die KWW vermieten könnte.

Auch das spräche aus KWW-Sicht klar für den bestens erschlossenen AOK-Standort Bahnhofstraße: Die Kosten blieben auch in Zeiten explodierender Baupreise kalkulierbar – aber Mehrkosten fürchtet  das KWW ja wohl gar nicht: Am Ende werden seine Zwangskunden in Alpen, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten über ihre Gebühren schon für jeden Unfug blechen.

Der Rückzug vom Irrweg Wallstege würde dem KWW auch Rechtsstreitigkeiten ersparen. Denn an der Wallstege ist sein Projekt absolut nicht willkommen. Das zeigen 92 Unterschriften – die von den Parteien ignoriert werden, die über den Verkauf des Grundstücks an das KWW mit all seinen Merkwürdigkeiten zu entscheiden hatten. Etwa nach dem Motto „am besten nicht drüber reden, dann merkt auch niemand ´was“?

Rheinbergs Politiker dürfen sich nicht selbst verzwergen. Sie vertreten die Stadt. Und die ist (auch) Eigentümerin des KWW. Die Politik muss ihrem Unternehmen klar sagen, wie und wohin es sich entwickeln soll. Kurswechsel eingeschlossen. Der ist aufgrund der neuen Chancen an der Bahnhofstraße zwingend, und eine gute Wirtschaftsförderung könnte sich hier beweisen. Weil das vernünftig wäre, würden die drei anderen KWW-Eigentümer (Alpen, Sonsbeck, Xanten) im eigenen Interesse und im Interesse der Gebührenzahler mit an Bord sein.

Die Stadt Rheinberg und ihre Politiker dürfen nicht passiv an der Seitenlinie stehen und mehr oder minder interessiert verfolgen, was an der Bahnhofstraße passiert. Dann ist der nächste Katzenjammer garantiert – wie schon einmal nach der verpassten Chance, das alte Hotel Rheintor zu ersteigern und den Bereich im Sinn der Stadt zu entwickeln.

Rainer Kaußen, 47495 Rheinberg

 

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