Die ersten animierten Bilder geben einen Eindruck vom geplanten Bürgerservice Mitte in der ehemaligen EMA-Halle des Rathauses (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation)

Krefeld. Die Stadt Krefeld will ihren Bürgerservice deutlich verbessern und mittelfristig auf komplett neue Füße stellen. Dazu wird die ehemalige EMA-Halle im Rathaus zum zentralen Anlaufpunkt für Bürgeranliegen umgebaut. Zusätzlich sollen in den nächsten Tagen und Wochen verschiedene Sofortmaßnahmen umgesetzt werden. „Wir haben die Kritik und die Anregungen aus der Bürgerschaft sehr ernst genommen und mehrere Schwerpunkte festgelegt, wie wir die Servicequalität umgehend verbessern können. Dazu gehören die Terminvergabe, die telefonische Erreichbarkeit und der weitere Ausbau digitaler Angebote”, betont Cigdem Bern, Beigeordnete für Innere Verwaltung, Bürgerservice und Feuerwehr.

Um die Servicequalität zu stärken, hat die Stadt Krefeld sowohl personell als auch organisatorisch und technisch nachgerüstet. So soll das Anrufaufkommen der Bürger-Hotline (0 21 51 / 86 16 10), die während der Pandemie eingerichtet wurde, nun regelmäßig ausgewertet werden, um bei starker Nachfrage schnell reagieren zu können. Schon jetzt sind zusätzliche Kräfte für die Telefonate abgestellt worden. Bei entsprechender personeller Besetzung sollen spontan weitere Terminstränge geöffnet werden, um eine kurzfristige Klärung von Anliegen zu ermöglichen. In Notfällen ist das schon jetzt gewährleistet, wie Bern betont. Da allein seit Ende Februar fast 1.300 Termine ungenutzt verstrichen sind, sollen nun alle Bürger mit 48 Stunden Vorlauf an ihre Termine erinnert werden. Mit einem einzigen Klick soll man den Termin künftig stornieren können, so dass er für andere frei wird.

Ausbau der Online-Dienste schreitet stark voran

Ohnehin arbeitet die Verwaltung intensiv an einem Ausbau der Online-Dienste. Wie im Onlinezugangsgesetz künftig vorgesehen, sollen laut Cigdem Bern insgesamt rund 600 Verwaltungsdienstleistungen im Netz verfügbar gemacht werden. Das betrifft den Bürgerservice, aber auch viele andere Einheiten der Stadt Krefeld, etwa das Straßenverkehrsamt und den Fachbereich Migration und Integration. „Wir werden auch das E-Payment einführen, also die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens im Internet”, erklärt Cigdem Bern.

Wo Kontakte erforderlich sind, sollen sie nach Möglichkeit vereinfacht werden. So kündigt Cigdem Bern für die kommende Woche die Öffnung einer zentralen Passausgabe an, wo beantragte Pässe und Personalausweise unbürokratisch abgeholt werden können – allerdings aufgrund der Pandemie vorerst nur nach Terminvereinbarung. Dies soll nach vorheriger Vereinbarung auch dezentral in den Bürgerbüros möglich sein. „Durch die Lockerungen für geimpfte Menschen wird die Reiselust sicher wieder stärker. Darauf sind wir vorbereitet”, betont Bern.

Neben den bereits geöffneten Bürgerbüros Bockum, Hüls und Süd sollen auch die Rathäuser Uerdingen und Fischeln Ende Juni wieder öffnen. Dort läuft aktuell noch eine umfassende Sanierung. Die Wiedereröffnung des Bürgerbüros Oppum wird aktuell geprüft. Lediglich in Traar, Nord und Linn sind aufgrund der Corona-Beschränkungen derzeit keine Öffnungen möglich. Abstände könnten dort nicht eingehalten werden, eine Steuerung der Besucherströme ist nicht möglich.

EMA-Halle im Rathaus als zentrale Anlaufstelle für die Bürgerschaft

Neben diesen kurzfristigen Verbesserungen kündigt die Beigeordnete einen kompletten Neustart für den zentralen Bürgerservice in der Innenstadt an. Nachdem das Seidenweberhaus als Standort aufgegeben wurde, ist aktuell die frühere EMA-Halle im Rathaus zentrale Anlaufstelle für die Bürgerschaft – doch die Situation dort ist improvisiert und unansehnlich. „Dies ist die größte und am stärksten genutzte Kontaktstelle zwischen Kommune und Bürgerschaft: Hier findet die Begegnung mit der Verwaltung statt, hier muss unsere Haltung zum Ausdruck kommen. Deshalb ist es mir wichtig, dass die neuen Räume bürgerfreundlich, einladend, modern und repräsentativ sind”, sagt Cigdem Bern.

In Animationen des beauftragten Architektenbüros aus Essen wird bereits deutlich, wie das aussehen könnte. In der zentralen Halle sollen zehn Schalter für die direkten Bürgerkontakte entstehen, an den Mauern in Richtung St.-Anton-Straße und Westwall 20 Büroräume für das sogenannte „Backoffice”. Wie Dirk Bangel, Fachbereichsleiter Bürgerservice, erläutert, entsteht zudem ein „sehr offener und schöner Wartebereich mit hoher Aufenthaltsqualität” zum Von-der-Leyen-Platz hin. Eine separate Passausgabe ist dort baulich bereits vorgesehen. Auch ein Automat, mit dem Bürger per „Speed Capture” ihre biometrischen Daten für Ausweise und Pässe selbst erfassen können, ist eingeplant.

Gebäudemanagement und Denkmalschutz involviert

Zuständig für den Umbau ist das Zentrale Gebäudemanagement, das in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz agiert. Durch den Einbau von Fenstern ins Shedhallen-Dach soll mehr Tageslicht in die Räume strömen. „Alles wirkt heller und freundlicher, das Wohlbefinden wird ein ganz anderes sein”, betont Rachid Jaghou, Leiter der Gebäudemanagements. Der Bauantrag ist gestellt, der Baubeginn für den 15. September vorgesehen. Neben der kompletten Neugestaltung der Innenräume sind unter anderem eine Sanierung der Fenster, eine Erneuerung der Lüftungsanlage und Arbeiten zum Brandschutz vorgesehen. Im Sinne des Denkmalschutzes sollen zwei der jetzigen Holz-Glas-Büros erhalten bleiben.

Die Mitarbeitenden, die mit internen Informationsveranstaltungen über das Vorhaben informiert wurden, müssen für die Bauarbeiten noch ein letztes Mal umziehen. Am 26. Juli geht es in den Flachbau des Stadthauses, der für gut ein Jahr als Zwischenquartier für den Bürgerservice Mitte fungieren wird. In der Umzugswoche ab 26. Juli ist das zentrale Bürgerbüro nur telefonisch erreichbar, ab Anfang August geht der normale Kundenbetrieb weiter. Der Umbau der EMA-Halle zur „neuen Bürgerservice-Welt”, wie Cigdem Bern formuliert, wird 3,5 Millionen Euro kosten. Im Herbst 2022 soll der Betrieb in den neuen Räumen starten.

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