Symbolfoto (Foto: VRR AöR)
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Moers/Rheinberg/Kreis Wesel/Neuss. Mit einem attraktiven Angebot lassen sich auch eingefleischte Autofahrer zum Umstieg in die Bahn locken. „Wir haben dafür den perfekten Plan“, sagt Frank Berger selbstbewusst und wohlbegründet. Der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion im Kreis Wesel meint damit das Konzept, wie – nicht nur – staugeplagte Pendler dem Stopp-and-Go-Verkehr auf der Autobahn A57 entgehen könnten. Denn die Situation auf dieser linksrheinischen „Schnell“-Straße wird sich in den nächsten Jahren dramatisch zuspitzen: Wenn die A57 zwischen Düsseldorf und Moers dreispurig verbreitert wird, schafft diese Baustelle ein zusätzliches Nadelöhr. Als Gegenmittel wollen die Christdemokraten im Weseler Kreistag die „A57 auf Schienen“ verwirklichen: Ein schnelles Zug-Angebot zwischen Moers und Neuss. Kalkulierte Fahrzeit: rund eine halbe Stunde. Umsteigefrei. Bequem. Griffiger Arbeitstitel: Im „Niederrhein-Römer-Express“ orientiert an der historischen Route zwischen Xanten und Köln zügig vorbei am Stau auf der Autobahn.

Dieses Band ist idealerweise rasch zu knüpfen. Berger: „Die Schienen liegen. Komplett zweigleisig und elektrifiziert. Fahrzeuge sind vorhanden. Mit wenigen Zwischenhalten können sie richtig Tempo gewinnen. Und Neuss als Endstation bietet eine Fülle von Umsteigemöglichkeiten in Züge bis nach Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach und auf das Nahverkehrsangebot insgesamt“. Jetzt geht es darum, einen Fahrplan auszutüfteln. Das ist ein Ziel des Antrages für eine Machbarkeitsstudie, den die CDU im Ausschuss für Mobilität und Verkehr des Kreises Wesel am 31. Mai zur Abstimmung stellt. Und wenn schon geprüft wird – dann sollten die Experten gleich auch den Blick nach Norden richten und überlegen, ob bereits Fahrgäste ab Rheinberg(-Millingen) das neue Angebot nutzen könnten. Denn schon ab dort ist die Strecke elektrifiziert – allerdings teilweise nur eingleisig ausgebaut.

Die CDU versteht ihre Initiative als Ergänzung des Antrages, den sie mit der Kooperation als Kreistags-Mehrheit Ende März eingebracht hatte und der unter anderem die Wiederbelebung des Personenverkehrs in Richtung Krefeld zum Inhalt hatte. Nun Neuss ins Visier zu nehmen, mache verkehrspolitisch gleich aus mehreren Gründen Sinn, sagt Frank Berger:  Mit dem anstehenden dreispurigen Ausbau der A 57 von Düsseldorf ausgehend bis nach Moers steht den ohnehin staugeplagten Nutzern dieser Autobahn ein weiter verstärktes Verkehrschaos bevor. Eine neue, schnelle Bahnverbindung böte vielen Pendlern die attraktive Möglichkeit,  von der Straße auf die Schiene zu wechseln. Aus Sicht der CDU Fraktion wäre dies mit einem Regionalexpress auf der beschriebenen Linie mit Haltepunkten in Moers, Uerdingen, Meerbusch-Osterath und Neuss möglich. Nach Aussage von Experten für den Bahnverkehr wäre eine solche Strecke als Regionalexpress in gut 30 Minuten Fahrtzeit zu bewältigen.

Ein potentieller Zusatznutzen einer solchen Verbindung könnte sich daraus ergeben, dass die Strecke als linksrheinische Entlastung von rechtsrheinischen Verbindungen dienen kann, die während der Bauphase für den RRX extrem belastet sein werden. In Zeiten der immer deutlicher spürbaren Folgen des beginnenden Klimawandels und verstärkter Anstrengungen zum Schutz des Klimas ist es von besonderer Bedeutung, dass auch der Personennahverkehr auf der Schiene mit möglichst wenig Emissionen den Klimawandel bremst. Daher sollte die neue Bahnlinie rein elektrisch betrieben wäre – und da fügt es sich geradezu ideal, dass derzeit beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) eine Zahl an elektrifizierten Bahnen des Unternehmens „Regiobahn“ ungenutzt sozusagen auf Halde stehen. Einige dieser Fahrzeuge könnten vielleicht kurzfristig für die „A57 auf Schienen“ gelenkt werden.

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