Pfarrerin Gudrun Weßling-Hunder (Foto: Alexandra Roth)

Essen. Im Gottesdienst am Sonntag, 30. Mai, um 11 Uhr in der Kirche am Markt, Hauptstraße 83, wird Gudrun Weßling-Hunder aus dem Pfarrdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Kettwig entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Bis zur Wahl in ihre jetzige Pfarrstelle vor sechs Jahren war die Theologin, die sechs Kinder hat, im Rahmen von Vertretungsdiensten in verschiedenen Essener Gemeinden tätig; außerdem war sie Pastorin für Seniorenarbeit in Schonnebeck, Seelsorgerin im Heinrich-Held-Haus in Überruhr und hat eine Zusatzausbildung zur Begleitung sterbender und trauernder Menschen absolviert. Ihr Ehemann Steffen Hunder, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Altstadt, ist am vergangenen Pfingstsonntag in den Ruhestand verabschiedet worden.

Pfarrerin Gudrun Weßling-Hunder wurde 1957 in Wolfenbüttel geboren und hat in Bonn und Göttingen Theologie studiert. 1984 kam sie als Vikarin in die Kirchengemeinde Kray, wo sie ordiniert wurde und anschließend als Pastorin im Hilfsdienst tätig war. Gudrun Weßling-Hunder und Steffen Hunder hatten noch während des Studiums geheiratet; in den folgenden Jahren erblickten fünf Söhne und eine Tochter das Licht der Welt. Während der Elternzeit blieb Gudrun Weßling-Hunder der Kirche als „Pastorin im Ehrenamt“ verbunden, hielt Gottesdienste und leistete Vertretungsdienste in den Kirchengemeinden Altstadt, Frillendorf und Kray. „Diese Rollenverteilung war nicht selbstverständlich. Aber weil ich selbst aus einer großen Familie komme, wollte ich auch selbst eine haben“, erklärt die Theologin. Natürlich war es für Ehemann Steffen Hunder normal, bei der Kinderbetreuung mitzuhelfen, wenn seine Frau im Einsatz war. Dennoch habe ihr Engagement für die Familie im beruflichen Leben Spuren hinterlassen, wie Gudrun Weßling-Hunder rückblickend meint: „Die Arbeit mit Familien und die seelsorgliche Begleitung der Generationen, ein offenes Ohr zu haben für die vielen kleinen Sorgen und Nöte von Kindern, Jugendlichen und Älteren, der Konfirmandenunterricht mit seinen starken Themen, die vielfältige Gruppenarbeit – diese wichtigen und wertvollen Aufgaben von Kirche, diese sogenannte Basisarbeit, haben meinen Dienst neben den Amtshandlungen stark geprägt.“ Im Jahr 2000 ließ sich Gudrun Weßling-Hunder zur Sterbe- und Trauerbegleiterin ausbilden; sie leitete mehrere Trauergruppen und führte zahllose Einzelgespräche – eine Tätigkeit, „die mir als besonders eindrucksvoll in Erinnerung geblieben ist“, wie sie heute rückblickend sagt. 2005, als das älteste von sechs Kindern acht Jahre alt war, übernahm die Pfarrerin eine Sonderdienststelle für Seniorenarbeit in der Kirchengemeinde Schonnebeck, die eigens für sie eingerichtet wurde. Anschließend war sie als Seelsorgerin im Heinrich-Held-Haus, einer Einrichtung des Diakoniewerks Essen für Menschen mit einer geistigen und körperlichen Behinderung, tätig.

 

Nicht länger „Pfarrerin auf Zeit“

Nach zwei Vertretungsdiensten in den Gemeinden Bergerhausen und Kettwig wurde Gudrun Weßling-Hunder 2015 in Kettwig in ihre – formell gesehen – erste „reguläre“ Pfarrstelle gewählt – ihr Wunsch, nicht immer nur als „Vertreterin auf Zeit“ zu arbeiten, war doch noch in Erfüllung gegangen. In Kettwig war sie fortan für die Seelsorge und Amtshandlungen im Bezirk Auf der Höhe und Ickten zuständig – und setzte schnell eigene Akzente in der Gemeindearbeit. „Im Konfirmandenunterricht nutzte sie Kontakte zum Friedensdorf Oberhausen, zu einer Essener Gruppe von Amnesty International und zu einer Obdachlosenunterkunft für Kinder und Jugendliche – dem ‚Raum 58‘ in Essen –, um den Konfirmandinnen und Konfirmanden einen Blick über ihre eigene Lebenswelt hinaus zu ermöglichen und immer wieder sehr lebendige Gottesdienste zu gestalten“, erinnerte sich Christian Hündlings im Gemeindebrief stellvertretend für das Presbyterium und das Pfarrteam der Kirchengemeinde Kettwig. „Täuflinge hob sie nicht nur mal eben in die Höhe, sondern stellte sie mit einem Rundgang durch die Kirche der Gemeinde vor. In einem Konfirmationsgottesdienst rappte sie eine Predigt, im Seniorenzentrum zeichnete sie mit Kinder-, Wander- und Hochzeitsschuhen sehr anschaulich den Lebensweg der Bewohner nach und am Totensonntag ging sie während der Predigt über in der Kirche verstreutes, trockenes Laub, um an unsere Vergänglichkeit zu erinnern.“ Auch der Blick auf die Lebensbedingungen von Frauen in anderen Ländern, während der jährlichen Vorbereitung des ökumenischen Weltgebetstags, sei ihr sehr wichtig gewesen, schreibt Christian Hündlings weiter. „Ganz typisch für Gudrun Weßling-Hunder ist ihr Gesang, ihre klare Sopranstimme: So zog sie während der Corona-Zeit an zahllosen Abenden singend um das Seniorenzentrum, sehnlich erwartet von vielen Bewohnerinnen und Bewohnern, die sie nur auf diese Weise besuchen durfte.“

 

Die Zukunft in Kettwig

Eigentlich wollte sich Gu8drun Weßling-Hunder schon Ende 2019 aus dem aktiven Dienst verabschieden, ist dann aber ein Jahr länger geblieben, um der Gemeinde bei den vielen personellen Wechseln als Konstante den Rücken zu stärken. Sie übernahm sogar den Vorsitz des Presbyteriums, eine Herausforderung, auf die sie gerne verzichtet hätte, die sie dann aber doch schulterte. „Wenn es schwierig wurde, fand sie spontan und kreativ gute Lösungen“, würdigt Christian Hündlings ihr Engagement. „Mit ihrer offenen und herzlichen Art hat sie die Menschen in unserer Gemeinde bereichert, gestärkt und begleitet. Dafür danken wir ihr. Dafür danken wir Dir, liebe Gudrun, von ganzem Herzen.“ Und was kommt jetzt? Vor kurzem hat das Pfarrehepaar Gudrun Weßling-Hunder und Steffen Hunder Kettwig ein kleines Haus mit Garten bezogen. Ein schöner Ort, um die Distanz ein wenig wachsen zu lassen, die nachfolgenden Generationen der großen Familie zu begrüßen und einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Gudrun Weßling-Hunder wird durch Wälder und Wiesen joggen, ihr Mann wird die Gegend mit dem Fahrrad erkunden. „So bleibt sie der Gemeinde und Kettwig eng verbunden, schreibt. Christian Hündlings. „Wir freuen uns auf ein Schwätzchen beim Bäcker oder im Supermarkt. Und ein kurzer Weg zur Kirche am Markt, um mal kurz wieder hier vorbeizuschauen, ist es auch!“

 

Abschiedsgottesdienst am 30. Mai in der Kirche am Markt

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrerin Gudrun Weßling-Hunder ist am Sonntag, 30. Mai, um 10.30 Uhr in der Kirche am Markt in Kettwig, Hauptstraße 83; Anmeldungen nimmt das Gemeindebüro unter Telefon 02054 83910 entgegen. – Nach der Verabschiedung verfügt die Kirchengemeinde Kettwig wegen der mittlerweile auf 6.000 gesunkenen Zahl der Mitglieder noch über zwei volle Pfarrstellen, die mit Pfarrerin Silke Althaus und Pfarrer David Gabra besetzt sind. Weil Silke Althaus als Skriba gleichzeitig Leitungsaufgaben im Kirchenkreis Essen übernimmt und in Kettwig nur 25 Prozent ihres Dienstes wahrnimmt, wird sie im Umfang der übrigen 75 Prozent von Pfarrerin Friederike Wilberg vertreten. Pfarrer Lars Linder, der diesen Vertretungsdienst bislang innehatte, ist in eine andere Essener Gemeinde gewechselt.

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