Bei einem Termin vor Ort informierte sich Bürgermeister Christoph Tesche über das Lokschuppenprojekt von Andreas Heppe im Gewerbegebiet Recklinghausen Blumenthal. Begleitet wurde er von Fachbereichsleiter Axel Tschersich und Denkmalschützerin Luitgard Perón (v.l.) (Foto: Stadt RE)
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Leverkusen. Im Gewerbegebiet Blumenthal rollen die Bagger. Während auf einem Grundstück direkt an der Herner Straße das Unternehmen Elektro/Haustechnik Drämer die Bauarbeiten für seine neue Firmenzentrale in Angriff nimmt, hat Andreas Heppe direkt an der Kunstmeile mit der Sanierung des alten Lokschuppens begonnen. Im Dezember 2020 hatte der Recklinghäuser Unternehmer das Objekt am Beckbruchweg 17b samt 3000-Quadratmeter-Grundstück von der Stadt erworben.

Er will aber nicht nur das 1905 errichtete Gebäude vor dem Verfall retten und um einen Anbau erweitern, sondern plant auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück auch ein weiteres dreigeschossiges Bürogebäude. „Ich habe großen Respekt vor dem Engagement von Andreas Heppe. Insbesondere stellen die Anforderungen des Denkmalschutzes bei der Sanierung des Lokschuppens eine echte Herausforderung dar“, erklärt Bürgermeister Christoph Tesche, der sich am Freitag, 28. Mai, bei einem Ortstermin aus erster Hand über das Projekt informierte.

Bevor der Rat grünes Licht für den Verkauf der Immobilie an Andreas Heppe gab, wurden verschiedene andere Szenarien entwickelt, die sich aber letztlich als nicht tragfähig erweisen. Schließlich wurde das Objekt auch frei am Markt angeboten. „Das Konzept, den Lokschuppen zu erhalten und mit einem An- und Neubau auf dem Grundstück die Nutzungsmöglichkeiten deutlich zu erweitern, ist aus unserer Sicht sehr überzeugend. Und natürlich sind wir froh, dass mit dem Projekt ein Stück Bergbaugeschichte am ehemaligen Blumenthal-Standort erhalten bleibt“, erklärt Susanne Albrecht, beim Fachbereich Wirtschaftsförderung, Standortmanagement, Stadtmarketing für die Vermarktung des Gewerbegebietes zuständig.

Der Lokschuppen mit seiner historischen Backsteinarchitektur ist in einem überwiegend bauzeitlichen Erhaltungszustand und dokumentiert dadurch sehr anschaulich seine kulturgeschichtliche Relevanz für den Recklinghäuser Bergbau, insbesondere natürlich für die Schachtanlage General Blumenthal 1/2/6. Darüber hinaus handelt es sich um einen der wenigen erhaltenen werkszugehörigen Lokomotivschuppen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. In den vergangenen 20 Jahren wurde der Schuppen als Abstellhalle für Wohnmobile und Boote genutzt.

„Mit der nun bevorstehenden Sanierung erfährt das Gebäude nicht nur eine bauliche Instandsetzung, gleichwohl wird der spannenden Brückenschlag zu der neuen Nutzung geschlagen, die eine Anpassung an moderne Standards der Bauphysik erfordert. Hier startet ein spannender Prozess der praktischen Denkmalpflege“, erläutert Luitgard Peròn, Denkmalschützerin bei der Stadtverwaltung.

Mit einem Glasgang sollen Lokschuppen und der Erweiterungsbau verbunden werden. Die Gesamtfläche des Lokschuppens inklusive Anbau wird 440 Quadratmeter betragen. Im Neubau entstehen weitere 850 Quadratmeter Bürofläche.

„Wir werden in dem ehemaligen Zechengebäude mit dem Einbau von Galerien zusätzliche Nutzungsflächen schaffen. Mir kommt es aber vor allem auch darauf an, den Charakter des Gebäudes zu erhalten. Vor allem gilt das für die Außenfassade hin zur Kunstmeile“, betont Andreas Heppe. Bereits im März starteten tatkräftig die Arbeiten am Lokschuppen, indem nicht mehr zu erhaltende Substanz entfernt wurde, um den Bauprozess bestmöglich vorzubereiten. Wichtiger Baustein beim Erhalt des Ursprungsbildes ist die Rekonstruktion der alten Fensterrahmen.

Vor mehr als sechs Jahren hatte ein guter Bekannter Heppe auf die Immobilie aufmerksam gemacht. Für das Baudenkmal zahlte der Recklinghäuser einen symbolischen Euro. Hinzu kamen die Kosten für das Grundstück. Erste Interessenten für das Objekt haben sich bereits gemeldet. Wer am Ende nach Sanierung und Neubau dort einziehen wird, ist aber noch nicht entschieden.

„Natürlich bin ich froh, dass wir in Recklinghausen Unternehmer haben, denen ihre Stadt nicht egal ist und die den Mut und die Kreativität haben, sich auch an schwierige Projekte heranzuwagen. Ich bin mir sicher, dass der sanierte Lokschuppen das Zeug hat, zum Aushängeschild des Gewerbegebiets Blumenthal zu werden“, sagt Bürgermeister Christoph Tesche. So hatte Andreas Heppe bereits 2014 auch das Wulffsche Haus in der Altstadt erworben und saniert.

 

Info:

Das Gewerbegebiet Recklinghausen Blumenthal setzt sich aus drei Teilflächen zusammen. Zur Verfügung stehen 76.000 Quadratmeter sanierte Bergbaufläche, die flexibel je nach Bedarf aufgeteilt werden können. Gewährleistet ist auch die Anbindung an schnelles Internet. Für die meisten Unternehmen ist dies heutzutage unabdingbare Voraussetzung für eine Ansiedlung.

Alle Infos zum Gewerbegebiet Recklinghausen Blumenthal finden sich auf der Homepage www.recklinghausen-blumenthal.de

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