Jan Dieren (Foto: Klaus Dieker)
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Kreis Wesel/Moers. Jan Dieren, SPD-Bundestagskandidat, hat einen Tag lang im Johannes- Rau-Haus in Moers als Pflegekraft hospitiert. Praxis statt Theorie war sein Motiv für das Schnupper-Praktikum: „Gerade in der Politik wird viel über Pflege geredet, ich wollte aber selbst mal erleben, was man als Pflegekraft täglich leisten muss und was die Herausforderungen dabei sind.“

Seine Pflegeschicht begann früh um halb sieben. Nach kurzer Einweisung packte der 29-jährige bei der Morgenroutine selbst mit an. Waschen, ankleiden, umlegen, Bett richten, Frühstück verteilen und mit den Bewohner*innen reden, waren einige der Tätigkeiten, die er in den ersten Stunden erledigte.  Ungewohnte körperliche Arbeit für den Juristen, daher war sein erster Eindruck in der Pause: “Ganz schön anstrengend, aber auch schön.”

So verging der Tag, bei dem der Moerser die Pflegekräfte bei ihren vielfältigen Aufgaben begleitete und, soweit möglich, unterstützte. Was ihm auffiel, ist die Art und Weise, mit der die Beschäftigten ihre Arbeiten machen: „Mich hat tief beeindruckt, wie professionell und gleichzeitig liebevoll sich die Pflegekräfte um jeden einzelnen Bewohner kümmern, wie sie ihnen zuhören und mit jedem reden. Und das trotz des Zeitdrucks.”

Zeit- bedingt durch Personalmangel, ist ein bekannter Missstand, den Pflege-Beschäftigte seit Jahren kritisieren, weil er zu Frust und Überforderung führt. Im Nachgespräch mit den Beschäftigten und dem AWO-Vorstand wurde dies thematisiert. AWO-Vorstandsvorsitzender Jochen Gottke sieht die Notwendigkeit eines politischen Paradigmenwechsel: “Um Fachkräfte zu halten und Nachwuchs für die Pflege zu gewinnen, müssen die Rahmenbedingungen dringend verändert werden, auch wenn das für das System teurer wird.” Jan Dieren stimmt dem zu und sieht die Politik in der Pflicht: „Der Personalschlüssel muss dringend verbessert werden. Die Kolleg*innen brauchen eine gesetzliche Untergrenze, die ihnen wirklich Luft zum Atmen lässt. Dafür müssen vermutlich Milliarden Euro investiert werden, aber das sollten uns die pflegebedürftigen und alten Menschen in unserer Gesellschaft und diejenigen, die sich um sie kümmern, unbedingt wert sein.”

Um den Beruf attraktiver zu machen, muss auch am Image gearbeitet werden, meint Astrid Briem, Pflegedienstleitung im Johannes-Rau-Haus: „Es besteht oft die völlig falsche Vorstellung, dass es nur um waschen und satt machen geht, dabei ist der Beruf sehr vielfältig und macht trotz der Herausforderungen viel Freude.” Diese Freude beim Umgang mit den Pflegebedürftigen konnte Dieren den ganzen Tag bei seinen “Kolleg*innen” beobachten und durfte sie auch selbst erleben. Zum Beispiel als er mit einem Bewohner ein kurzes Gespräch in dessen Muttersprache Spanisch führen konnte, was für den Demenzkranken auf Deutsch schon lange nicht mehr möglich ist. Für beide ein berührender Moment.

Am Ende des Tages verließ Jan Dieren das AWO-Seniorenzentrum erschöpft, aber mit einem guten Gefühl.  Sein Fazit: “Ich habe hautnah erfahren, welche Herausforderungen die Pflegenden haben, aber vor allem welche hervorragende Arbeit sie hier täglich leisten und mit welcher Hingabe sie das tun.”

Der Politiker, der den Sozialausschuss im Moerser Stadtrat leitet, hat den Beschäftigen zugesagt, sich in seiner weiteren politischen Arbeit stets für ihre Forderungen stark zu machen. Des Weiteren könnte er sich vorstellen, nochmal für ein längeres Praktikum ins Johannes-Rau-Haus zurückzukehren. Denn sein erster Eindruck hat sich bestätigt: “Es war zwar anstrengend, aber sehr schön”

Übrigens: Ein Praktikum in einem der AWO-Seniorenzentren steht allen Interessenten offen und empfiehlt sich zur beruflichen Orientierung von Schülern, -Schulabgängern, Neu- oder Quereinsteigern.

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