Prof. Dr. Rita Schmutzler (Foto: Christan Wittke/Uniklinik Köln)

Köln. Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs ausgezeichnet

Etwa 30 von 100 Frauen, die an Brust- oder Eierstockkrebs erkranken, sind familiär vorbelastet. Rund 1/3 von diesen weisen eine ursächliche Veränderung in einem der bekannten Risikogene auf. Für die Betroffenen ist es wichtig zu wissen, wie hoch ihr Risiko ist, nach einer entsprechenden Erkrankung in der Familie möglicherweise selbst zu erkranken, wer in der Familie sonst noch ein erhöhtes Krebsrisiko trägt und welche Handlungsoptionen es gibt. Univ.-Prof. Dr. Rita Schmutzler, Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs an der Uniklinik Köln, forscht in der gynäkologischen Onkologie und ist eine international ausgewiesene Pionierin auf dem Gebiet der risiko-adaptierten Krebsprävention. Sie hat relevante Risikogene identifiziert und klinische Versorgungskonzepte erarbeitet. Ihre bahnbrechenden Forschungsergebnisse werden unmittelbar zur besseren Versorgung der Patientinnen angewendet. Dafür hat sie am 31. Mai 2021 in Düsseldorf den Innovationspreis 2021 des Landes Nordrhein-Westfalen in der Kategorie Innovation verliehen bekommen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert.

„Ich freue mich riesig über diese große Auszeichnung meiner Arbeit. Mein besonderer Dank gilt meinem höchst qualifizierten und motivierten Team, ohne das diese Ehrung nicht möglich gewesen wäre. Krebs durch Prävention zu besiegen, das heißt ihn gar nicht erst zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung werden zu lassen, und das mit den modernen Methoden der genomischen Medizin. Das fasziniert und motiviert mich jeden Tag aufs Neue“, sagt Prof. Schmutzler. Als Koordinatorin des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs – einem deutschlandweitem Verbund von 23 universitären Zentren – hat sich die Medizinerin erfolgreich dafür eingesetzt, dass sich die risikoadaptierte Prävention bei diesen Krebserkrankungen als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen etabliert hat: Für die Versorgung von Patientinnen bedeutet das einen Meilenstein, da dadurch die Heilungschancen deutlich verbessert werden bzw. der Krebs sogar verhindert werden kann.

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Wirtschafts- und Innovationsminister des Landes NRW: „Exzellente Forschung vom Labor in die Praxis zu bringen, das ist Prof. Schmutzler in einzigartiger Weise gelungen. Ihre wegweisende Arbeit zur Krebsprävention ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Innovationen unsere Gesellschaft voranbringen. Damit ist sie Ansporn für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse anwenden und so das Leben vieler Menschen verändern möchten.“

Nach dem Aufbau des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs, das seit 1996 von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, entwickelte Prof. Schmutzler als Koordinatorin des Konsortiums ein Konzept der Wissen-generierenden-Versorgung auf dem Gebiet der risikoadaptierten Prävention. Dieses Konzept wird mittlerweile in allen Konsortialzentren umgesetzt. Sie arbeiten nach einheitlichen Standards und eng mit den wohnortnah betreuenden Krebszentren zusammen. Das Versorgungskonzept beinhaltet eine umfassende Beratung von Risikofamilien, das heißt Familien, in denen Fälle von Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs aufgetreten sind, eine Genanalyse aller derzeit bekannten Risikogene (TruRisk® Genpanel-Analyse), eine auf allen bekannten Risikofaktoren beruhende individuelle Risikokalkulation, sowie die Durchführung präventiver Maßnahmen – zum Beispiel intensivierte Früherkennung oder Nachsorge und prophylaktische Operationen.

Das Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Uniklinik Köln greift bei seiner Arbeit auf die fundierte Datenbasis von >65.000 betroffenen Familien und die umfangreiche Biobank des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs mit >27.000 Bioproben am Zentrum Köln zurück. Regelmäßige Auswertungen bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung des Versorgungskonzepts und für die qualitativ hochwertige Forschungstätigkeit, die auch in Zusammenarbeit mit internationalen Forschergruppen erfolgt. So können immer neue Risikogene für familiär bedingten Brust- und Eierstockkrebs identifiziert, auf ihre klinische Bedeutung untersucht und in die Genpanelanalysen des Konsortiums integriert werden. Auf dieser Basis können dann risikoangepasste und zielgenaue Präventionsmaßnahmen angeboten werden, um Krebserkrankungen entweder ganz zu verhindern oder sie zumindest in einem heilbaren Stadium zu diagnostizieren. Somit kommen die wissenschaftlichen Erkenntnisse den Patientinnen unmittelbar zugute.

Basierend auf dieser erfolgreichen Arbeit weitet die Uniklinik Köln ihr Angebot zur Prävention von Tumorerkrankungen nun aus und hat dazu das Nationale Zentrum Familiäre Tumorerkrankungen, NCFT, am Centrum für Integrierte Onkologie, CIO, der Uniklink gegründet. Die am CIO intensiv gelebte interdisziplinäre Zusammenarbeit stellt hierfür eine optimale Voraussetzung dar. An erster Stelle stehen unter anderem die häufigen Tumorerkrankungen Prostata- und Darmkrebs, die ebenfalls in etwa einem Drittel der Fälle eine familäre Häufung aufweisen.

Der Innovationspreis des Landes Nordrhein-Westfalen würdigt Persönlichkeiten des Landes für ihre herausragenden Leistungen in Wissenschaft und Wirtschaft und ist nach dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten die höchstdotierte Auszeichnung dieser Art in Deutschland. Er wird in drei Kategorien vergeben: als Ehrenpreis, für eine besondere Innovationsleistung und an einen herausragenden Nachwuchsforscher.

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