Diese Schülerinnen und Schüler des Stiftisch Humanistischen Gymnasiums haben zu ganz unterschiedlichen Themen sportlicher Geschichte gearbeitet. Bei der Präsentation waren auch Oberbürgermeister Felix Heinrichs Schulleiter Thomas Hollkott und ihr Tutor Michael Bergemann mit dabei (Foto: © Stadt MG)

Mönchengladbach. Das Stiftische Humanistische Gymnasium hat auch in diesem Jahr zum Thema „Bewegte Zeiten – Sport und Gesellschaft“ am Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten teilgenommen. Mit einem Landessieg und vier Förderpreisen haben die Schüler*innen ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Oberbürgermeister Felix Heinrichs durfte bei der Präsentation der Ergebnisse in der Aula des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums dabei sein: „Es ist wirklich toll, wie sich Schülerinnen und Schüler mit Geschichte auseinandersetzen und viel Arbeit in ihr Thema stecken. Ob dabei ein Preis dabei ist oder nicht – für mich sind dabei alle Gewinnerinnen und Gewinner! Und ich möchte auch allen danken, die sie dabei unterstützt haben!“

Eine solche Unterstützung finden die Schülerinnen und Schüler unter anderem in ihrem Lehrer Michael Bergemann. Er begleitet seit mehreren Jahren die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. In diesem Jahr ist dabei wieder eine Vielzahl an unterschiedlichen Beiträgen zusammengekommen, wobei neben dem Fußball durchaus auch andere Themen das Interesse der Teilnehmer*innen geweckt hat:

Der Schulsport am Stiftischen Humanistischen Gymnasium – von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegsjahre (Rukal Bakir, Lena Marie Klose, Lea Marie Steyer, Eileen vom Dorff – Q1 – Teilnahmeurkunde) 
In einer schlaglichtartigen Untersuchung beleuchtet diese Arbeit unterschiedliche Zeitabschnitte der Geschichte des Schulsports am Stiftischen Humanistischen Gymnasium Mönchengladbach. Zu diesem Zweck wurden Akten des Stadtarchivs ausgewertet und Zeitzeugen befragt. Von den Zeiten des Schulsports ohne Turnhalle, in der vielfach mit provisorischen Lösungen gearbeitet werden musste, über den politisch-ideologisch motivierten Luftfahrtsport während der NS-Zeit bis hin zum Schulsport nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Entwicklung einer näheren Betrachtung unterzogen.

Fast vergessen – jüdische Sportler in der NS-Zeit in Mönchengladbach (Yanis Bahcecioglu, Tobias Dohm, Michael Kosjanski, Tom Rüttgers – Q1 – Förderpreis des Landes NRW)
Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Mitbürger während der NS-Zeit sind auch für Mönchengladbach gut erforscht. Welche Auswirkungen diese Vorgänge auf die sportliche Betätigung hatten, allerdings nicht. Die Arbeit versucht, diese Lücke zu schließen und kommt dabei zu der Erkenntnis, dass vor der Machtergreifung 1933 jüdische Sportler in die Sportvereine vor Ort voll integriert waren. Erst durch den zwangsweisen Ausschluss aus diesen Vereinen mussten jüdische Vereine, wie Schild, Makkabi oder der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gegründet oder genutzt werden, um überhaupt noch Sport treiben zu können. Anhand von Einzelschicksalen jüdischer Sportler wird nachgewiesen, dass auch im Bereich des Sports die systematische Ausgrenzung und Verfolgung auf den Weg gebracht wurden.

Reise ins Ungewisse – Wenn aus Fußball Völkerverständigung wird: Borussia Mönchengladbach gegen Makkabi Israel (Maja Hurasky, Lisa Schulz, Uliana Tikunova – Q1 – Landespreis des Landes NRW und damit Teilnahme an der Endausscheidung für die Bundespreise und Einladung ins Haus der Geschichte nach Bonn zur Landespreisverleihung)
Das historische Aufeinandertreffen von Borussia Mönchengladbach und der israelischen Nationalmannschaft am 25.02.1970 war das erste Spiel einer deutschen Mannschaft auf israelischem Boden. Diese Arbeit untersucht Quellen, Zeitungsberichte und Filmdokumentationen, um die Wirkung dieses besonderen Spiels auf die Zeitgenossen in Israel und in Deutschland in den Blick zu nehmen. Ein persönliches Interview mit dem damaligen Borussenspieler Herbert Laumen, der bei diesem Spiel auch auf dem Platz stand, rundet das Bild ab. Durch familiäre Kontakte nach Israel konnten die Teilnehmerinnen auch die Sicht von israelischen Bürgern auswerten. Die gewonnene Erkenntnis ist die, dass vor allem durch die Freundschaft von Emanuel Schaffer und Hennes Weisweiler das Spiel überhaupt zustande kommen konnte und dass der herausragende Fußball der Borussia für Begeisterungsstürme und Tränen sorgte. Die Arbeit zeichnet die Geschichte einer unvergesslichen Reise nach, die eine Annäherung zwischen Deutschland und Israel nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecknissen des Holocaust überhaupt erst möglich zu machen schien.

Kalter Krieg – Spiele der Borussia gegen Ost-Vereine (Moritz Müting, Florian Schimming – EF – Förderpreis des Landes NRW)
In einem Dokumentarfilm verfolgen die Schüler ihre These, dass die politischen Bedingungen des Kalten Krieges Auswirkungen auf sportliche Begegnungen im deutsch-deutschen Kontext gehabt haben könnten. Am Beispiel der Spiele der Borussia gegen Rotation Leipzig und den 1. FC Magdeburg und durch Interviews mit dem damals beteiligten Torwart Wolfgang Kleff kommt der Film zu der Erkenntnis, dass ein Spiel zwischen BRD und DDR Vereinen im Rahmen des Kalten Krieges keine normale Begegnung war, sondern in einer Atmosphäre der Abschottung und gegenseitigen Beobachtung und Kontrolle stattfand.

Die älteste Trabrennbahn Deutschlands in Mönchengladbach (Fabian Arndt, Felix Pütz, Konstantin Schubert – 9b – Förderpreis des Landes NRW)
Von ihrer Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende in diesem Jahr betrachtet die Arbeit die Geschichte der Trabrennbahn Mönchengladbach. Mit Materialien aus dem Archiv und einer Zeitzeugin, die lange auf der Trabrennbahn gearbeitet hat, wird dargelegt, wie durch gesellschaftliche Veränderungen eine Institution bis hin zu ihrer endgültigen Schließung mehr und mehr in Vergessenheit geriet.

Die Geschichte des Kunstradsports im 20. Jahrhundert (Lena Sophie Mertens – Q1 – Teilnahmeurkunde)
Ein weitgehend unbekannter Sport, der aber bereits seit 1901 im RV Adler in Mönchengladbach betrieben wird, steht im Zentrum dieser Arbeit. Von den Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und den schwierigen Bedingungen damals bis in die heutige Zeit werden Wettkämpfe, Material und Regelwerk vorgestellt.

Sport als Mittel zur Integration – ein Podcast: Rückblick – Überblick – Ausblick (Sofia Aslanidou – Sarah Feicks – Lea Kosjanski – 9b – Förderpreis des Landes NRW)
Welchen Beitrag kann der Sport leisten, um Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in unsere Gesellschaft zu integrieren? Dieser Frage gehen die drei Schülerinnen in ihrem eigens für den Wettbewerb produzierten Podcast nach. Durch Interviews mit einem Migrationsforscher (Dr. Mark Terkessidis), einem Politiker (Frank Boss), einem Fußballprofi (Oliver Neuville) und einem Zeitzeugen (Manuel Silva) konnten sie einige interessante Antworten auf ihre Frage finden. Der multiperspektivische Blick sorgt für eine differenzierte Betrachtung, bei der deutlich wird, dass Sport eine wichtige Rolle im Integrationsprozess spielen kann, gleichzeitig aber auch der Integrationsbegriff selbst auf den Prüfstand gehört. Auch die Schwierigkeiten eingewanderter Sportler in den Vereinen Fuß zu fassen, werden deutlich.

Auch Simon Wilder vom Gymnasium Am Geroweiher kann sich über einen Landespreis des Landes NRW freuen. Auch er setzte sich mit der Trabrennbahn auseinander. Sein Beitrag trägt den Titel „Die Trabrennbahn Mönchengladbach als Abbild der Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. Er besucht die 10. Klasse.

Die Schülerinnen und Schüler wurden bei ihren Recherchen auch vom Stadtarchiv unterstützt.

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