Oberbürgermeister Daniel Schranz (l.) nahm mit Schuldezernent Jürgen Schmidt (2.v.l.) die Mängelliste von den Mitgliedern des Jugendparlaments entgegen: Niels Hülsewiesche, René Klagus und Jugendparlamentsvorsitzende Berna Demircan (v.l.) (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
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Oberhausen. Mit dem Zustand der Schulgebäude in der Stadt haben sich das Jugendparlament Oberhausen und die Schülervertretungen (SV) in den vergangenen Monaten beschäftigt. Die Mängellisten von zehn weiterführenden Schulen übergab eine Delegation des Jugendparlaments am Donnerstag an Oberbürgermeister Daniel Schranz, der die Jugendlichen mit Schuldezernent Jürgen Schmidt zum Gespräch empfing.

Der Arbeitskreis „Schule und Nahverkehr“ des Jugendparlaments hatte eine Muster-Mängelliste für die SVen vorbereitet. In diese Listen trugen Schülerinnen und Schüler die Mängel an und in ihren Gebäuden ein, fügten eine Kurzbeschreibung hinzu, erklären, wie dringend der jeweilige Mangel behoben werden sollte und unterbreiten einen Lösungsvorschlag. Oberbürgermeister Schranz nahm die Liste entgegen und bedankte sich zunächst bei den Jugendlichen – nicht nur für ihren Besuch, sondern auch für ihr Engagement: „Es zeichnet euch aus, dass ihr euch nicht nur um Angebote für die Freizeitgestaltung kümmert, sondern auch in den Schulen genau hinseht. Das sind für uns wichtige Rückmeldungen, die uns veranlassen zu schauen, ob wir Prioritäten anders setzen müssen.“

Ein Punkt, der an fast allen Schulen auftaucht, ist das Thema Digitalisierung. „Erhebliche Mängel in der digitalen Ausstattung sind gerade in der Pandemiezeit sehr deutlich geworden. Es reicht nicht aus, Schulen ans schnelle Glasfasernetz anzuschließen. Sie müssen auch mit einem stabilen WLAN-Netzwerk ausgestattet werden, damit die Schülerinnen und Schüler das schnelle Internet überhaupt richtig nutzen können“, erklärte Arbeitskreis-Sprecher Nils Hülsewiesche.

Das ist in Arbeit, informierte der Oberbürgermeister die Jugendparlamentarierer. Auch wenn die Corona-Pandemie sonst nichts Gutes bewirkt habe, helfe sie beim Beschleunigen der Digitalisierung. Rund 14 Millionen Euro investiere Oberhausen an Fördermitteln: „Damit bekommen wir es hin, dass es an allen Schulen in Oberhausen schnelles Internet gibt, und dass es in allen Schulen W-LAN geben wird.“

Ein weiteres Thema der Jugendlichen: der Zustand der Schulgebäude. Berna Demircan, die Vorsitzende des Jugendparlaments, betonte: „Wir Jugendlichen verbringen die meiste Zeit unseres Alltags in den Schulgebäuden. Deshalb haben wir selbstverständlich ein großes Interesse daran, dass die Gebäude auch in Ordnung sind.“ Und der stellvertretende Vorsitzende René Klagus ergänzte: „Weitere erhebliche Mängel stellen die Schultoiletten dar, diese sind nach wie vor in einem sehr schlechten Zustand.“

Ein Hinweis, der den Oberbürgermeister in seiner Brisanz überraschte, weil in den vergangen vier Jahren sehr viel in den Unterhalt und Baumaßnahmen investiert worden sei: „2017 bis 2020 haben wir über 80 Millionen Euro für Schulgebäude ausgegeben – mehr als je zuvor.“

Auch Schuldezernent Jürgen Schmidt bedankte sich für die Hinweise der Schülerinnen und Schüler und erklärte, er werde die gemeldeten Mängel mit den Zuständigen besprechen und nach Lösungen suchen. Der Beigeordnete bot den Jung-Politikern außerdem an, ihnen in einer der kommenden Sitzungen im Jugendparlament zu berichten, was aufgrund der Mängelliste schon passiert oder noch geplant sei. Ein Angebot, das die Jugendparlamentsvorsitzende Berna Demircan gern annahm. „Uns ist es wichtig, nicht nur zu sagen, was alles schlecht ist“, betonte die 15-Jährige; „wir merken als Schüler auch: Da wurde wirklich was getan. Aber es ist halt noch nicht genug.“

 


Info:

Das Jugendparlament Oberhausen ist die direkt gewählte Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen in der Stadt. Das erste Oberhausener Jugendparlament konstituierte sich am 21. Juni 2012. Im Mai 2020 wurde das fünfte Jugendparlament von den Jugendlichen in Oberhausen gewählt. Die Wahlperiode beträgt zwei Jahre. Die nächste Wahl ist im Jahr 2022 geplant. Die Jugendparlamentarierinnen und -parlamentarier setzen sich für die Belange der Kinder und Jugendlichen in Oberhausen ein, werden an Vorhaben der Verwaltung beteiligt und initiieren eigene Aktionen. Jede weiterführende Schule in Oberhausen kann bei den Wahlen maximal drei Delegierte ins Jugendparlament entsenden. Ein Vertreter des Jugendparlaments ist Mitglied im Jugendhilfeausschuss, um dort die Interessen des Jugendparlaments zu vertreten. Zudem haben die Vertreter des Jugendparlaments in jedem Ratsausschuss Rederecht. Zwei Mitglieder sind Delegierte im Kinder- und Jugendrat NRW, der landesweiten Interessenvertretung der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen. Mehr Informationen unter jugendparlament-oberhausen.de, bei Instagram und Facebook („Jugendparlament Oberhausen“).

Das fünfte Jugendparlament Oberhausen kommt am 30. Juni 2021 zu seiner zehnten öffentlichen Sitzung zusammen – aufgrund der Corona-Pandemie erneut in einer Videokonferenz. In dieser Sitzung wird den Jugendparlamentarierinnen und -parlamentariern die Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf der Stadt Oberhausen mit ihren Projekten vorgestellt. Ebenfalls auf der Tagesordnung: Die Erstwählerkampagne der Jugendlichen zur Bundestagswahl im September 2021. Die Jugendlichen wollen insbesondere die junge Zielgruppe ansprechen, damit möglichst viele Erstwähler zur Wahl gehen. In dieser Sitzung wird die Kampagne weiter geplant. Ein weiteres Thema ist die „Kampagne gegen Rechts“. Die Online-Sitzung beginnt um 17.30 Uhr und ist öffentlich. Wer sie verfolgen möchte, schickt eine E-Mail an jugendparlament@oberhausen.de und bekommt dann den Link zur Videokonferenz.

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