(Foto: Zoo Duisburg)

Duisburg. Das kleine Männchen wiegt bereits 556 Gramm. Auf die Waage begleitet den Winzling ein Plüschkoala.

Sechs Jahre hat das Zooteam gewartet, Koala Yiribana immer wieder geeigneten Partnern vorgestellt und die Daumen gedrückt – nun hat es geklappt: Zum zweiten Mal zieht das fast achtjährige Weibchen ein Jungtier auf. Vater des Winzlings ist Tinaroo. Erst im März des vergangenen Jahres reiste das mittlerweile fünfjährige Männchen von Leipzig aus an den Kaiserberg. Mario Chindemi, Revierleiter im Duisburger Koalahaus, holte seinen neuen Schützling damals persönlich ab. „Mit Tinaroo hat es endlich geklappt, er wusste mit der etwas zickigen Yiribana umzugehen“, freut sich das Pflegerteam über die Geburt.

Das Ergebnis des Koala-Rendezvous ist derzeit 225 Tag alt und passt noch in die Hand eines erwachsenen Menschen. Nachdem in den vergangenen Wochen mal ein Ärmchen oder der Fuß aus dem schützenden Beutel von Mutter Yiribana heraus schaute, schaut das Jungtier nun immer häufiger heraus und war zwischenzeitlich auch schon auf dem Rücken seiner Mutter. Das ist dann auch die Gelegenheit für einen ersten Besuch auf der Waage. Zarte 556 Gramm wiegt der Mini-Koala derzeit. Auf die Waage begleitet das kleine, noch namenlose Männchen immer ein Stoffkoala, der auf einem Ast auf der Waage platziert wird. „Die Jungtiere sind es gewohnt, sich im Fell festzuhalten. Der Stoffkoala bietet dem Kleinen Sicherheit“, berichtet das Pfleger-Team. „Mit den Gewichtsdaten können wir Rückschlüsse auf Entwicklung wie Gesundheitszustand ziehen“.

Für die Mutter ist das Wiegen ihres Jungtieres klein Problem. „Yiribana wurde auch bei uns in Duisburg geboren, sie hat großes Vertrauen zu uns Pflegern und kennt die Waage bereits seit Jahren. Wenn wir den Kleinen vorsichtig auf die Waage setzten, schaut sie uns nicht einmal an – sie frisst lieber weiter ihren Eukalyptus“, berichtet das Team des Koalahauses. Zurück bei seiner Mutter schlüpft das noch namenlose Jungtier meist wieder in den schützenden Beutel, wo es auch gesäugt wird. Neben Milch wird bei den Ausflügen in den nächsten Wochen aber immer häufiger saftiger Eukalyptus auf dem Speiseplan stehen. Zuvor müssen sich aber spezielle Bakterien im Magen-Darm-Trakt ansiedeln. „Jungtiere bekommen den Bakterienstarter von ihren Müttern. Diese scheiden einen besonderen Blinddarmkot, den sogenannten Papp, aus, welcher die unbedingt notwendigen Bakterien in hoher Zahl enthält und vom Nachwuchs gefressen wird”, erläutern die Pfleger, die auch um die Gefahren wissen: „Koalas sind anspruchsvolle und sensible Pfleglinge. Die Umstellung von Milch auf feste Nahrung ist, neben der Geburt, eine der kritischsten Phase in der Entwicklung“.

Für die Yiribana ist es erst der zweite Nachwuchs, 2015 zog das Weibchen zum ersten, und lange Zeit auch zum letzten, Mal ein Jungtier auf. Ihr Sohn Yindi wohnt mittlerweile im französischen Zoo von Beauval. Seit 1994 beheimatet der Zoo Duisburg die grauen Beuteltiere. Europaweit gilt der Zoo heute als Zucht- und Kompetenzzentrum, zog bereits weit über 30 Koalas erfolgreich auf und führt das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für die bedrohte Art. Dennoch ist jede Geburt ein ganz besonderer Moment.

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