Jaques Isenrath (Leiter Kriminalinspektion 1), Christine Frücht (Polizeipräsidentin), Brunhilde Seitzer (Diakoniewerk Duisburg), Claudia Borgsmüller (Kriminalhauptkommissarin), Sandra van Aerßen (Kriminaloberkommissarin), Nadine Dembski und Cilem Akdag (Pädagogische Fachkräfte Diakoniewerk Duisburg) (Foto: Polizei)
Anzeige

Krefeld. Jugendliche, die Gefahr laufen, Intensivtäter zu werden: Ihnen rechtzeitig einen maßgeschneiderten Ausweg zu bieten, ist das Ziel eines Teams aus Kriminalbeamtinnen und vom Diakoniewerk Duisburg gestellten pädagogischen Fachkräften bei der Polizei Krefeld.

Die Initiative “Kurve kriegen” des nordrhein-westfälischen Innenministeriums gibt es seit zehn Jahren. Zu den bisher 23 Standorten kommen nun 12 hinzu, darunter Krefeld. Angesiedelt bei der Ermittlungskommission “Jugend” des Kriminalkommissariats 21 werden sich zwei Kriminalbeamtinnen, eine Heilpädagogin und eine Sozialwissenschaftlerin um ausgewählte Jugendliche kümmern, damit sie nicht zu Intensivtätern werden. Ein solcher Intensivtäter hinterlässt bis zu seinem 25. Lebensjahr im Schnitt 100 Opfer, die er bestiehlt, beraubt, verprügelt oder auf andere Weise schädigt. Dabei verursacht er rund 1,7 Millionen Euro an sozialen Folgekosten.

“Für das Konzept infrage kommen 8- bis 15-Jährige”, so Kriminalhauptkommissarin Claudia Borgsmüller vom Team. “Im Einzelfall suchen wir auch mal 16- oder 17-Jährige aus. Wir haben bei der Auswahl bestimmte Risikofaktoren im Auge, die für eine Entwicklung zum Intensivtäter besonders förderlich sein können. Neben strafrechtlichen Auffälligkeiten sind das die Lebensumstände der jungen Menschen, zum Beispiel häusliche Gewalt, soziale Vernachlässigung, Alkohol- oder Drogenprobleme in der Familie oder Mobbing in der Schule.”

Die Teilnahme an “Kurve kriegen” ist freiwillig, die Initiative findet in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Krefeld statt. Wer mitmacht, bekommt vom Team ein maßgeschneidertes Programm zusammengestellt, das rechtzeitig einem Werdegang als Intensivtäter vorbeugen soll. Das können Lernhilfen sein, Sprach- oder Sportkurse, aber auch an die Eltern gerichtete Maßnahmen wie Schulden- oder Erziehungsberatung. Die Erfahrung der letzten zehn Jahre in anderen Städten: 40 Prozent der Absolventen, die kurz davor waren, Intensivtäter zu werden, begehen keine Straftaten mehr. Die anderen 60 Prozent begehen nur noch halb so viele Straftaten wie Jugendliche, die nicht am Programm teilnehmen. Das Team aus Krefeld hat am 1. Juli 2021 seine Arbeit aufgenommen.

Weitere Infos zu “Kurve kriegen”: www.kurvekriegen.nrw.de (ots)

Beitrag drucken
Anzeigen