Die stellvertretende Leiterin des Vereins Kontakt-Rat-Hilfe, Yella Lennartz, und der Suchtberater Michael Hauser (Foto: privat)
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Kreis Viersen. Die Suchtberatung Kreis Viersen gedachte der Menschen, die 2020 an den Folgen des Drogenkonsums gestorben sind

Im Alter von 13 Jahren kam Peter zum Heroin. Den Schulabschluss hat er noch geschafft, sogar noch eine Ausbildung absolviert. Als er seine Freundin tot auffand, stürzte er vollends ab. Im vergangenen Jahr ist er gestorben – im Alter von 42 Jahren. Einer von zehn Drogentoten 2020 im Kreis Viersen. An sie erinnerte der Verein Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V. im Rahmen des Internationalen Gedenktages für verstorbene Drogengebraucher:innen.

Michael Hauser war über Jahre der Suchtberater von Peter. Eine sehr gute und lange Bindung sei entstanden. „Bei unserem letzten Treffen in der Suchtberatung wollte er mich noch einmal drücken. Seine letzten Worte zu mir waren: Wenn Du Probleme hast, kannst Du immer zu mir kommen“, sagt Hauser. Dann starb Peter an einer Überdosis. Bei der coronabedingt kleinen Gedenkfeier im Innenhof der Suchtberatung an der Kreuzherrenstraße in Viersen-Dülken tauschten die Mitarbeiter ihre Erinnerungen an die Verstorbenen aus. Deren von Schicksalsschlägen geprägten Leidenswege, den dramatischen Lebensentwürfen. Mit einer kleinen Holztafel wird an jeden einzelnen auf einer Gedenkwand erinnert. Ein Zeichen gegen das Vergessen.

1973 wurde der Verein „Drogenberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen“ gegründet, seit 1996 ist er für die Suchtkrankenhilfe im ganzen Kreis zuständig, und 2015 wurde er in „Suchtberatung Kontakt-Rat-Hilfe Viersen“ umbenannt. Hier ergänzen sich ehrenamtliches Engagement und professionelle Hilfe. Rund 830 Betroffene werden betreut.

Vor dem Haus hat der Verein eine Gedenktafel aufgestellt. Passanten werden aufmerksam, bleiben stehen. Hier können sie die abgekürzten Namen der zehn Drogentoten aus dem Kreis Viersen lesen. Zwischen 26 und 61 Jahre waren sie alt. 1581 Opfer gab es bundesweit im vergangenen Jahr. „Seit fünf Jahren steigen die Zahlen wieder an“, sagt Yella Lennartz, die stellvertretende Leiterin des Vereins. Sie und Suchtberater Michael Hauser sind überzeugt: „Mit einer anderen Drogenpolitik würde es weniger Drogentote geben.“ Jeder Konsument werde sofort in die Illegalität getrieben, die Kriminalisierung mache einen Jugendschutz wie bei Alkohol und Zigaretten unmöglich; gefährliche Verschnitte würden den unbedarften Konsumenten serviert, alles dem Schwarzmarkt überlassen. „Wir müssen die Gesundheit in den Vordergrund rücken und dürfen die Abhängigen nicht stigmatisieren“, so Lennartz und Hauser.

Sie verweisen auf die niederländischen Nachbarn. Dort sei durch die Duldung des Drogenkonsums die Zahl der Todesfälle nicht mehr gestiegen. Peter hätte das wohl nicht mehr geholfen. Aber möglicherweise könnte es junge Menschen vor einer lebensgefährlichen Drogenkarriere bewahren.

 


Infokasten Kontakt

Alle Einwohner aus dem Kreis Viersen können sich unabhängig vom Alter an die Suchtberatung wenden.

Dies gilt für Betroffene und deren Angehörige, für Schulklassen, Ausbildungsbetriebe und Mitarbeiter in Unternehmen.

Der Verein Kontakt-Rat-Hilfe Viersen e.V. ist erreichbar über die Telefonnummer 02162 / 95110. Weitere Informationen gibt es online unter www.krh-online.de.

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