v.l. Thomas Schmitt, Norbert Grimbach, Reinhard Rehse, Joachim Fischer, Lidia Wygasch-Bierling, Erik Lierenfeld und Harald Schlimgen (Foto: Stadt Dormagen)
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Fuzhou/Köln/Rhein. Das UNESCO-Welterbekomitee im chinesischen Fuzhou hat den Niedergermanischen Limes mit seinen Fundplätzen in Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden und Rheinland-Pfalz in die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, gratuliert allen Antragspartnern sowie den Bürgerinnen und Bürgern in der Region und dankt ihnen für ihr Engagement: „Heute ist ein bedeutsamer Tag für Nordrhein-Westfalen. Wir sind mit dem Niedergermanischen Limes um ein Weltkulturerbe in Nordrhein-Westfalen reicher. Mit seiner Anerkennung als Welterbe ist der Niedergermanische Limes zugleich Teil der bereits bestehenden seriellen und länderübergreifenden UNESCO-Welterbestätte ‚Frontiers of the Roman Empire – Grenzen des Römischen Reiches‘. Zugleich ist die Entscheidung in der aktuellen Situation auch Mutmacher in der für alle Menschen in Nordrhein-Westfalen, denn sie zeigt über welchen historisch-kulturellen Schatz unser Land verfügt. Darauf können wir stolz sein. Mit der Entscheidung des Welterbekomitees wird auch die Arbeit der Antragspartner ausgezeichnet, die seit Jahren unermüdlich und auf höchstem wissenschaftlichen Niveau dafür gearbeitet haben, dass die einzigartigen Fundplätze in Nordrhein-Westfalen und auch den Niederlanden sowie in Rheinland-Pfalz nun als Welterbe anerkannt sind. Ich danke allen Beteiligten für ihre Mühe und ihr ausdauerndes Engagement.“

Der Welterbe-Antrag wurde in Nordrhein-Westfalen fachlich durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland erstellt. Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), betont: „UNESCO-Welterbestätten genießen ein hohes Ansehen und stellen eine besondere Wertschätzung des kulturellen Erbes dar. Ich freue mich, dass die fachliche Kompetenz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege wesentlich zur Anerkennung des Niedergermanischen Limes als international bedeutendes Zeugnis der Menschheitsgeschichte in unserer Region beigetragen hat. Für unsere 19 Kommunen am Niedergermanischen Limes mit ihren herausragenden Bodendenkmälern bedeutet die Anerkennung als Welterbe eine besondere Auszeichnung.“

Die Fundplätze des Niedergermanischen Limes in Nordrhein-Westfalen liegen in den Kommunen Alfter, Alpen, Bad Münstereifel, Bedburg-Hau, Bonn, Bornheim, Dormagen, Duisburg, Moers, Monheim, Neuss, Kalkar, Kleve, Köln, Krefeld, Swisttal, Uedem, Wesel und Xanten. Die Bandbreite der Fundplätze reicht von kleinen Wachttürmen bis zu riesigen Legionslagern, von Marschlagern im Wald bis zum Statthalterpalast. Gemeinsam mit den zugehörigen Zivilsiedlungen, einer Kalkbrennerei und Teilen der Limesstraße bieten sie das wohl vollständigste Bild einer römischen Grenzregion. Nicht alle archäologischen Überreste sind obertägig erkennbar, oft aber durch modernste Methoden sichtbar gemacht. Ein gemeinsames Vermittlungskonzept soll die Fundplätze des Niedergermanischen Limes in naher Zukunft für alle Interessierten erschließen.

Hintergrund

Der Niedergermanische Limes

  • Der Niedergermanische Limes war eine der wichtigsten Grenzen des Römischen Reiches. 400 Kilometer lang reichte er von Remagen bis Katwijk an der Nordsee und bestand mehr als 450 Jahre.
  • Aus vielen Kastellen und Legionslagern entlang dieser „nassen Grenze“ sind bedeutende Städte und vielfältige Kulturlandschaften entstanden, die seit Jahrhunderten Menschen unterschiedlichster Herkunft eine Heimat bieten. Bereits heute sind einige dieser Orte weltweit bekannt und Besuchermagnete für Jung und Alt.
  • Die einzigartigen archäologischen Denkmäler des Niedergermanischen Limes veranschaulichen in besonderer Weise die Entwicklung einer Grenze des Römischen Reiches sowie das Leben und den kulturellen Austausch in ihrem Umfeld.

Antrag und Entscheidung zum Weltkulturerbe

  • Gemeinsam mit den Niederlanden und dem Land Rheinland-Pfalz hat das Land Nordrhein-Westfalen unter fachlicher Federführung des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland den Antrag auf Aufnahme des Niedergermanischen Limes in die Liste des UNESCO-Welterbes erarbeitet.
  • Die Entscheidung über die Anerkennung als Welterbe hat das UNESCO-Welterbekomitees in seiner 44. Sitzung im Juli 2021 getroffen. Die Sitzung endet am 31. Juli 2021 und findet aufgrund der Corona-Pandemie ausschließlich digital statt.
  • Die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste dokumentiert weltweit den außergewöhnlichen universellen Wert einer Stätte für die gesamte Menschheit.

Weitere Welterbestätten in Nordrhein-Westfalen

Die weiteren UNESCO-Welterbestätten in Nordrhein-Westfalen sind: der Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, der Kölner Dom, die Zeche Zollverein in Essen und das Kloster Corvey.

Weiterführende Links:

Weitere Informationen zum Niedergermanischen Limes und zum Antragsprojekt finden Sie hier: https://bodendenkmalpflege.lvr.de/

 

Römische Stadt Colonia Ulpia Traiana wird Welterbe

Xanten. Das UNESCO-Welterbekomitee hat heute das Gebiet der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana in Xanten als Bestandteil des Niedergermanischen Limes ins Erbe der Menschheit aufgenommen. In der Reihe der frisch gekürten archäologischen Fundplätze zwischen Katwijk an der Nordsee und Remagen handelt es sich um die einzige römische Stadt. Durch ihre Nähe zum großen Legionslager Vetera castra und durch ihre Lage direkt an der Rheingrenze war auch diese Zivilstadt militärisch geprägt.

Die Geschichte des Ortes beginnt unter Kaiser Augustus mit der Errichtung des großen Legionslagers auf dem Xantener Fürstenberg kurz vor der Zeitenwende. Aus einer Anlegestelle am Rhein gut zwei Kilometer nördlich entstand ein Hafen, an dem sich neben Veteranen der Armee auch Händler, Kaufleute, Handwerker, Gastwirte und ihre Familien niederließen.

Um 100 n. Chr. legte Kaiser Trajan die Siedlung am Rhein als großmaßstäbliche Stadt neu an und verlieh ihr seinen Namen. Dank seiner Erhebung in den Status einer Colonia zählte der Ort in der niedergermanischen Provinz nun zu den höchstrangigen Metropolen des Imperiums. Bald startete ein umfangreiches Bauprogramm mit Stadtmauer, Tempel und Thermen, Amphitheater und monumentalen Hallenbauten. Mehr als zehntausend Männer, Frauen und Kinder füllten die Straßen der Stadt mit Leben.

Die Verbindungen der Colonia mit dem Militär waren vielfältig, sei es als Veteranenkolonie oder als Stützpunkt für die Rekrutierung neuer Soldaten. Neuere archäologische Untersuchungen haben weitere enge Bezüge zutage gebracht. So führte die gut erhaltene Limesstraße aus dem 1. Jahrhundert mitten durch das spätere Stadtgebiet, während der mehrfach ausgebaute Hafen über Jahrhunderte als Basis für die Versorgung der römischen Standorte am Rhein diente. Von ganz erheblicher Bedeutung für die militärische Grenzsicherung war auch die große spätantike Festung, die im 4. Jahrhundert mitten im Zentrum der alten Stadt errichtet wurde.

Nach dem Ende der römischen Epoche siedelten die Franken außerhalb der alten Stadt, das Areal wurde nicht mehr bewohnt – zum Glück für die heutige Forschung. Nirgends sonst in den nördlichen Provinzen Roms ist eine Großstadt auf so breiter Fläche für die Forschung zugänglich.

Virtuelle Ansicht der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana im heutigen Xanten in ihrer Blütezeit im 2. Jahrhundert n. Chr. (Bild FaberCourtial GbR für LVR)

Seit der Landschaftsverband Rheinland 1977 den LVR-Archäologischen Park Xanten (APX) auf dem Colonia-Gelände errichtet hat, sind die Überreste der römischen Stadt gut geschützt. Neben dem Schutz des Bodendenkmals bildet die fortlaufende Erforschung der Stadt eine weitere zentrale Aufgabe des APX. Rund ums Jahr untersucht ein Team aus Archäologen und Bauforschern, Historikern, Restauratoren und Naturwissenschaftlern die Hinterlassenschaften der Colonia. Dabei kommen neben punktuellen Ausgrabungen verstärkt auch geophysikalische Methoden zum Einsatz, die zerstörungsfreie Einblicke in den historischen Boden ermöglichen.

Eine dritte zentrale Aufgabe des APX besteht in der Vermittlung der wissenschaftlichen Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit. Von der Ausgrabung bis ins Labor, von der Restaurierung bis zur Vitrine, vom Modell bis zur virtuellen Ansicht thematisiert der Park vielfältige Aspekte der modernen Archäologie und ihre Methoden. Die Ausgrabungen können wochentags besucht werden, und Einrichtungen wie die inklusive Schiffswerft, in der vor den Augen der Besucher fahrtüchtige Schiffe nachgebaut werden, bieten anschauliche Einblicke in antike Techniken.

Anfangs noch vereinzelt kritisch hinterfragt, ist das in Xanten entwickelte Konzept eines archäologischen Parks, der die Erkenntnisse moderner Forschungen mit musealen Mitteln präsentiert, heute längst zum Vorbild geworden. Als international renommierter Schauplatz römischer Archäologie zählt der APX jährlich über eine halbe Million Besuche aus aller Welt.

 

Römisches Kastell in Krefeld ist nun Welterbe

Krefeld. Im Archäologischen Museum Krefeld und an manch anderen Stellen in der Stadt knallten die Sektkorken: Das römische Kastell Gelduba ist nun offiziell Teil des Welterbes „Niedergermanischer Limes”. Die Entscheidung dazu fiel auf der aktuellen Online-Sitzung des Unesco-Welterbekomitees. „Das ist eine wunderbare Nachricht für die Stadt Krefeld und insbesondere für das Archäologische Museum. Wir sind sehr stolz ein Teil dieses grenzüberschreitenden Projektes und nun ein Ort des Welterbes der Menschheit zu sein”, freut sich Oberbürgermeister Frank Meyer. Mit seiner Anerkennung als Welterbe ist der Niedergermanische Limes zugleich Teil der bereits bestehenden Unesco-Welterbestätte „Frontiers of the Roman Empire – Grenzen des Römischen Reiches” in Europa.

Modell des römischen Kastells Gelduba mit der zivilien Siedlung um das zweite Jahrhundert ( © Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation)

„Wir sind sehr glücklich über die Entscheidung des Welterbe-Komitees. Heute haben wir allen Grund zu feiern”, sagt Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser. „Der Fundort Krefeld-Gellep ist unter Fachleuten eine feste Größe. Mit der Anerkennung als Welterbe erhoffen wir uns nun auch ein größeres Publikumsinteresse für unsere einzigartige Sammlung”, so Morscheiser. Der Niedergermanische-Limes-Abschnitt von Remagen bis Katwijk an der Nordsee bestand von 15 vor Christus bis etwa 450 nach Christus. Der Grenzabschnitt wird auch „nasser Limes” genannt, weil der Rhein vom heutigen Rheinland-Pfalz über NRW bis in die Niederlande die römische Provinz Niedergermanien von rechtsrheinischen, germanischen Stammesgebieten trennte. Unter den Römerstätten am Niedergermanischen Limes nimmt das Lager von Krefeld-Gellep eine Schlüsselposition ein, weil es vom ersten bis fünften Jahrhundert nach Christus fast ununterbrochen an derselben Stelle bestand.

„Der Titel ist nicht nur eine große Ehre und Anerkennung, sondern auch eine Verpflichtung, ein Generationenauftrag, das historisch-archäologische Erbe zu schützen, zu bewahren und vielen Menschen zu vermitteln”, sagt die Museumsleiterin. Bereits 2016 wurde im Archäologischen Museum Krefeld der erste Info-Point am Niederrhein zum Thema „Welterbe – Niedergermanischer Limes” eingerichtet. Die Welterbe-Präsentation auf dem Außengelände in Gellep und im Museum soll künftig erweitert. „Das wird eine der nächsten Aufgaben werden, mit denen wir uns sehr gerne beschäftigen”, freut sich Morscheiser.

Nicht alle archäologischen Überreste sind wie in Krefeld obertägig erkennbar, oft aber durch modernste Methoden sichtbar gemacht. Ein gemeinsames Vermittlungskonzept soll die Fundplätze des Niedergermanischen Limes in naher Zukunft für alle Interessierten erschließen. Wie am Obergermanischen Limes in Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg sollen auch hier mit Fund- und Museumsorten zukünftig mit Rad- und Wanderwegen verbunden werden.

 

Ein herausragender Tag für Haus Bürgel

Monheim am Rhein. Die Fundplätze des Niedergermanischen Limes in Nordrhein-Westfalen liegen in den Kommunen Alfter, Alpen, Bad Münstereifel, Bedburg-Hau, Bonn, Bornheim, Dormagen, Duisburg, Moers, Monheim am Rhein, Neuss, Kalkar, Kleve, Köln, Krefeld, Swisttal, Uedem, Wesel und Xanten. Die Bandbreite der Fundplätze reicht von kleinen Wachttürmen bis zu riesigen Legionslagern, von Marschlagern im Wald bis zum Statthalterpalast. Gemeinsam mit den zugehörigen Zivilsiedlungen, einer Kalkbrennerei und Teilen der Limesstraße bieten sie das wohl vollständigste Bild einer römischen Grenzregion.

Das Bau- und Bodendenkmal Haus Bürgel in Monheim am Rhein bildet hierbei ein bedeutsames historisches Relikt. Auf den Grundmauern des ehemaligen Römerkastells steht heutzutage inmitten des Naturschutzgebietes Urdenbacher Kämpe eine Hofanlage, die das Römische Museum, die Biologische Station und eine Kaltblutpferdezucht beheimatet. Eine Besonderheit von Haus Bürgel ist seine Lage auf der rechten Rheinseite. Die ursprünglich linksrheinisch erbaute Anlage hat bei einem Hochwasser im 14. Jahrhundert die Seite gewechselt, als sich der Rhein ein neues Flussbett suchte.

An den einzelnen Fundorten entlang des „nassen Limes“ sind nicht alle archäologischen Überreste obertägig erkennbar, oft aber durch modernste Methoden sichtbar gemacht. Haus Bürgel zeigt in seiner Dauerausstellung archäologische Fundstücke der Antike, die nicht nur Aufschluss über die Geschichte dieses besonderen Ortes geben, sondern auch die Besatzungspolitik, den Alltag und das Militärwesen in der römischen Provinz wieder lebendig werden lassen. Besonders eindrucksvoll sind die bis zu vier Meter hoch erhaltenen antiken Mauerreste, die gut sichtbar in der Ausstellung und auf dem archäologischen Außenpfad erlebbar sind. Ein gemeinsames Vermittlungskonzept soll die Fundplätze des Niedergermanischen Limes in naher Zukunft für alle Interessierten erschließen.

Römische Mauerreste am Haus Bürgel (Foto: Anna-Lena Weber)

 

Welterbe Niedergermanischer Limes: Dormagen gehört mit dem Römerkastell dazu

Dormagen. Die Überreste des römischen Reiterkastells in Dormagen sind als Teil des Niedergermanischen Limes mit sofortiger Wirkung Welterbe. Das hat am 27. Juli das zuständige Komitee der UNESCO beschlossen. Wie bereits der Hadrianswall oder der Obergermanische Limes ist damit nun auch dieser römische Grenzabschnitt offiziell als Welterbe anerkannt.

„Ich freue mich riesig über diese historische Entscheidung“, kommentiert Bürgermeister Erik Lierenfeld den Beschluss, der nach jahrelanger intensiver Vorbereitung in einer länderübergreifenden Kooperation mit den Niederlanden zustande kam. Dormagen ist einer von 27 Fundorten in NRW, die von dem neuen Titel profitieren können. „Für uns ist dies eine einzigartige Chance, aus der Vergangenheit ein wichtiges Stück Zukunft zu erschaffen. Denn nicht viele Städte können ein Welterbe vorweisen. Das wollen wir unter anderem touristisch nutzen und vor allem auch den eigenen Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere Kindern und Jugendlichen, die römische Vergangenheit näherbringen.“

Mitten in der heutigen Innenstadt war seit etwa 85 n. Chr. eine Reitereinheit mit 480 Soldaten stationiert – eine so genannte Ala. Diese bewachte als schnelle Eingreiftruppe die Rheingrenze. Das dazugehörige Kastell erstreckte sich über eine Fläche von rund drei Hektar und ist besonders gut erforscht. Archäologen entdeckten hier, dass sich die Pferdeställe mit in den Wohnbaracken befanden. Mensch und Tier lebten unter einem Dach. Mit dieser Erkenntnis, die aus den Ausgrabungen von Dr. Gustav Müller in den 1970er Jahren resultierte, wurde Dormagen in Fachkreisen international bekannt.

„Wir möchten das Welterbe in Zukunft deutlich sichtbar werden lassen und deshalb die vorhandenen Ausstellungen erweitern und neugestalten“, sagt der städtische Denkmalschutzbeauftragte Harald Schlimgen. Im Historischen Rathaus, dem Museumsraum „Römerkeller“ an St. Michael und einem kleinen Römerpark an der Castellstraße soll Kindern und Erwachsenen die römische Vergangenheit künftig in attraktiver Form nähergebracht werden. Ein Konzept hierfür wurde in Kooperation mit dem Geschichtsverein Dormagen, ehrenamtlichen Experten und einem erfahrenen Büro für Ausstellungsgestaltungen entwickelt. Der Rat stellte für die Neugestaltung 284.000 Euro bereit, weitere 200.000 Euro übernimmt der Landschaftsverband Rheinland als Zuschussgeber.

Als erstes symbolisches Zeichen wurde jetzt ein Banner mit dem Hinweis auf das Welterbe am Historischen Rathaus angebracht. Bürgermeister Lierenfeld enthüllte es gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Geschichtsvereins und der SWD. Geplant ist, die neugestalteten Ausstellungsorte 2022 mit einem Römerfest in der Innenstadt zu eröffnen.

Rhein-Kreis Neuss. „Jetzt haben wir ein Stück Weltkulturerbe im Rhein-Kreis Neuss“, freut sich Landrat Hans-Jürgen Petrauschke darüber, dass die UNESCO den Niedergermanischen Limes als Teil der Grenze des antiken römischen Reiches als neues Welterbe ausgezeichnet hat. Die historische Grenze des Römischen Reichs verläuft größtenteils durch NRW. Der Grenzabschnitt wird auch „nasser Limes“ genannt, weil der Rhein die römische Provinz Niedergermanien von rechtsrheinischen, germanischen Stammesgebieten trennte. „Mit dieser hochkarätigen Auszeichnung der UNESCO wird auch der einzigartige Wert des Fundplatzes – bei uns sind das Neuss und Dormagen – gewürdigt“, so Petrauschke, der darin nicht nur eine touristische Aufwertung, sondern auch für das reiche historisch-kulturelle Erbe im gesamten Rhein-Kreis Neuss sieht.

– siehe Titelfoto –

 

 

Drei Bodendenkmäler liegen auf Kölner Stadtgebiet

Köln. Die Ernennung des „Niedergermanischen Limes“ – der den Rheinlauf zwischen Remagen und Nordseeküste nachzeichnet – zum UNESCO-Weltkulturerbe, gibt für Köln Anlass zur Freude, denn auf dem Stadtgebiet liegen drei herausragende Bodendenkmäler der fast 500-jährigen römischen Epoche im Rheinland.

Das Praetorium war die Residenz der Statthalter der Provinz Niedergermanien. Der antike Statthalterpalast, der künftig im MiQua zu besichtigen sein wird, gehört zu den am besten erforschten und erhaltenen Anlagen seiner Art im gesamten Römischen Imperium.

Das Praetorium unter dem Spanischen Bau des Kölner Rathauses (Foto: Rheinisches Bildarchiv, RBA)

Im heutigen Stadtteil Köln-Marienburg beheimatet war das Flottenkastell „Alteburg“, das als Hauptquartier der römischen Rheinflotte für den gesamten 400 Kilometer langen Limes-Abschnitt zwischen Mittelrhein und Nordsee verantwortlich war.

Im rechtsrheinischen Deutz haben sich die mächtigen Zeugnisse des Kastell Divitia-Deutz erhalten, das im Auftrag Kaiser Konstantins des Großen errichtet wurde. Das Kastell gilt als Musterbeispiel spätrömischer Festungstechnik des 4. Jahrhunderts.

Alle drei Bodendenkmäler sind Zeugnisse der Ursprünge und Entwicklung der Stadt Köln. Gemeinsam mit den unzähligen antiken Funden, die bei Ausgrabungen der Stadtarchäologie ans Tageslicht kommen, berichten diese Denkmäler von den Anfängen Kölns, das als einzige Millionenstadt Deutschlands auf 2.000 Jahre städtischer Kontinuität zurückblicken kann.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Es erfüllt mich mit Stolz, denn ich bin mir der herausragenden Bedeutung unseres antiken Erbes entlang des Rheins bewusst. Gerade in einer pulsierenden Millionenstadt wie Köln gilt es, die Erinnerung an die römischen Ursprünge aufrecht zu erhalten und deren Zeugnisse dauerhaft zu bewahren. Dabei wird diese Auszeichnung durch die UNESCO helfen.“

Professor Dr. Marcus Trier, Direktor des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln: „Die Eintragung des ‚Niedergermanischen Limes‘ markiert zweifellos einen Meilenstein für die Archäologie und Kulturgeschichte Kölns, das nun – neben der Hohen Domkirche – weitere Geschichtszeugnisse ersten Ranges beheimatet.“

 

Bewerbung um den UNESCO-Welterbestatus

Die Bewerbung um den UNESCO-Welterbestatus war ein gemeinsames Vorhaben der Niederlande und der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Bewerbungsunterlagen waren im Januar 2020 beim World Heritage Center der UNESCO in Paris eingereicht worden. Die Entscheidung über den Antrag ist nach eingehender Prüfung am 27. Juli 2021 gefallen.

Der Antrag auf den Welterbestatus war ein folgerichtiger Schritt aus langjährigem Engagement. So erforschte beispielsweise das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege seit 2005 das Potenzial des Limesabschnitts im Rheinland und stieß die grenzüberschreitende Zusammenarbeit an. Die Initiative mündete im April 2015 in eine offizielle Vereinbarung zur gemeinsamen UNESCO-Bewerbung der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz unter Federführung der Niederlande.

Der Limes, die Außengrenze des römischen Imperiums, ist das größte lineare Bodendenkmal in Europa. Hadrianswall und Antoninuswall in Großbritannien sowie der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland sind bereits Teil der 1987 anerkannten transnationalen UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches“.

Entlang der fast 400 Kilometer langen Flussgrenze des Niedergermanischen Limes reihten sich zahlreiche Kastelle, Wachttürme und Legionslager auf. Archäologische Überreste gibt es allein in Nordrhein-Westfalen in insgesamt 19 Kommunen, und diese gehören zu den bedeutendsten Denkmälern des Bundeslandes. Daraus entstanden sind bedeutende Städte und vielfältige Kulturlandschaften. Sie prägen die Region am Rhein noch heute und sind touristisch hochfrequentierte Orte.

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