Die Kirche St. Marien in Schwarzenberg (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)
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Duisburg. Risse in Bodenplatte und Seitenwänden – Sanierung teils nicht möglich

Die 1958 eingeweihte Kirche St. Marien in Schwarzenberg soll nach eingehenden Untersuchungen profaniert und dann abgetragen werden. Das haben – nach vorhergehenden Entscheidungen in den Gremien der Pfarrei St. Matthias – am 11. August Erich Trautmann vom Kirchenvorstand und die Verwaltungsreferentin Silvia Markfort in einer Gemeindeversammlung erklärt. Georg Schoofs von der Abteilung Kirchengemeinden des Bistums erläuterte die Details. Auch Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp nahm an der Versammlung teil.

Aufgrund von Rissbildungen in der Bodenplatte der Kirche wurde 2016 eine Begutachtung des Bauzustands beauftragt. Der 2017 vorgelegte Prüfbericht empfahl weitere Untersuchungen, die in den folgenden Jahren erfolgten. Im Mai 2021 legte der zuständige Architekt den zusammenfassenden Abschlussbericht der drei beauftragten Ingenieurbüros vor. Dieser bescheinigt dem Gebäude eine stark geschädigte und fragile Baukonstruktion, teils mit starker Korrosion und Rissbildung an Nordost- und Südwestfassade. Die Südostfassade ist demnach nicht mehr sanierbar. In spätestens fünf Jahren ist zudem eine Erneuerung der Dachfläche unabdingbar.

Etwas besser fällt das Urteil über den frei stehenden Turm aus, der in seinem jetzigen Bauzustand als erhaltenswert angesehen wird und an dem nur leichte Sanierungsarbeiten innen und außen notwendig werden. Kurzfristig muss er jedoch vor herabfallenden Teilen geschützt oder ausgebessert werden. Die Kosten für die kurzfristige Sicherung werden mit einmalig 9.000 Euro für das Aufstellen eines Gerüsts beziffert, für das monatlich 1.000 Euro Mietkosten anfallen, eine Sanierung von außen mittels Hebebühne würde mit 15.000 Euro zu Buche schlagen.

Wesentlich höher wären hingegen die Kosten allein für eine Notabstützung der Kirchenfassaden. Neben 72.000 Euro für das Aufstellen der Gerüste wären monatlich weitere 4.300 Euro Miete für das Gerüst zu zahlen. „Dadurch käme es noch zu keiner Verbesserung der Bausubstanz und das Fortschreiten der Korrosion würde ebenfalls nicht aufgehalten“, betonte Schoofs.

Die Schätzungen für eine Sanierung der untersuchten Schäden belaufen sich aktuell auf mehr als eine Million Euro. „Es gibt jedoch zahlreiche Punkte, die dabei noch nicht betrachtet wurden“, sagte Schoofs und zählte auf: „die Deckenkonstruktion, der Stahlrahmen, der bereits erste Anzeichen von Korrosion zeigt, die Sanitäranlagen, die Elektroinstallation und die Heizungstechnik“. In einem Beratungs- und Abwägungsprozess mit dem Kirchenvorstand und dem Pfarreirat sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Erhaltung des maroden Gebäudes wirtschaftlich nicht darstellbar sei. Daher soll die Kirche zunächst profaniert – also entweiht – und dann abgetragen werden. Der Turm hingegen soll erhalten bleiben und saniert werden.

Generalvikar Winterkamp machte deutlich, dass in Schwarzenberg dennoch ein Ort erhalten bleiben soll, an dem sich die Gemeinde zum Gottesdienst versammeln kann. Angedacht sei, in das Pfarrheim einen Andachtsraum zu integrieren. Weiterhin gelte es, das Grundstück, auf dem aktuell Kirche und Pfarrhaus stehen, neu zu entwickeln und beispielsweise sozial-caritative Einrichtungen dort anzusiedeln. Erste Skizzen, wie ein solcher Andachtsraum aussehen kann, wurden in der Gemeindeversammlung bereits vorgestellt.

Die Gemeinde St. Marien in Schwarzenberg gehört zur Pfarrei St. Matthias Duisburg, leitender Pfarrer ist Andreas König. Er konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Gemeindeversammlung teilnehmen. St. Marien ist einer von vier Kirchorten in der Pfarrei, neben St. Marien Rumeln, St. Klara und St. Joseph. 2019 gehörten der Pfarrei mit ihren vier Kirchorten 9809 Katholikinnen und Katholiken an, von denen knapp vier Prozent (373) den Gottesdienst besuchen, 16 Prozent davon in St. Marien Schwarzenberg.

Bauhistorie:

1956: Architekturwettbewerb – 1. Preisträger Architekturbüro Lünz, Stuttgart

Bis 1964: Planungsphase – Umplanung des Geläutes über dem Eingang und Planung eines 30 Meter hohen Glockenturms

1957: Grundsteinlegung

1958: Einweihung

1964: Fertigstellung Turm

1980: Sanierung Nordwestfassade und Aufbringung einer Eternitbekleidung

1998: Umgestaltung Innenraum, Abbruch der Eingangstreppe im Norden und Einbau von zwei Fenstern in der Nordostfassade

2016: Bauliche Untersuchungen aufgrund von Rissbildung – Begutachtung des Bauzustands beauftragt

2017: Prüfbericht empfiehlt weitere Untersuchungen

2018/19: Durchführung weiterer Untersuchungen

Mai 2021: Abschlussbericht

Beteiligte Ingenieurbüros:

Ingenieurbüro Baues+Wicht, Korschenbroich: statische Begutachtung des Bestandes
Ingenieurbüro Mark Achterberg, Moers: Durchführung Bausubstanzprüfung
Architekturbüro Hendrix, Duisburg: Begleitung der Bauuntersuchungen an Fassaden und Bodenplatte, Zusammenfassung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

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