Christiane Schüßler (Foto: privat)
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Mönchengladbach. Die Stadt Mönchengladbach wird ab dem 1. Februar 2022 eine neue Schuldezernentin haben. Nachfolgerin des nach 14 Jahren aus dem Amt scheidenden Dezernenten Dr. Gert Fischer (CDU) soll nach dem Willen der Kooperationsmehrheit aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP die Essenerin Christiane Schüßler werden. Die „Ampel“-Mehrheit im Rat stellte die parteilose Ministerialbeamtin heute bei einem Pressegespräch vor. „Wir haben im Rahmen des Auswahlverfahrens mit Frau Schüßler eine erstklassige Besetzung finden können“, erklärte der grüne Fraktionssprecher Dr. Boris Wolkowski. Hintergrund: Seine Fraktion hatte bei den Koalitionsverhandlungen das Vorschlagsrecht für die Besetzung des Dezernats IV (Bildung, Kultur und Sport) ausgehandelt. Christiane Schüßler soll dem Stadtrat in der nächsten Sitzung am 6. Oktober zur Wahl vorgeschlagen werden. Ihre Wahl gilt als sicher.

Die nicht parteigebundene Kandidatin, die sich gestern den Ratsfraktionen der „Ampel“ bereits vorgestellt hatte, bringt insbesondere im Bereich Schule große Erfahrung mit: Die 52jährige arbeitet seit 2013 als Referatsleiterin im Schulministerium Düsseldorf, war zuvor Dezernentin in der oberen Schulaufsicht in der Düsseldorfer Bezirksregierung und verfügt über jahrelange Erfahrungen in Schulämtern. Seit 2017 ist Schüßler zudem Berichterstatterin der Kultusministerkonferenz für alle schulischen Fragen im Zusammenhang mit Migration bundesweit, hierbei ist sie u.a. Ansprechperson der deutsch-türkischen und der deutsch-kroatischen Expertenkommission und vertritt dabei die Länder. „Das sind aus Sicht der Ratsmehrheit wichtige Voraussetzungen, um die Stadt bei der dringend notwendigen Stärkung der Schullandschaft voranzubringen“, sagte Grünen-Fraktionssprecherin Lena Zingsheim als zweiter Teil der grünen Doppelspitze.

Mit großer Vorfreude sieht Christiane Schüßler, nach eigenem Bekunden „ein Kind des Ruhrgebiets“, der neuen Aufgabe in Mönchengladbach entgegen. „Bei meiner Arbeit geht es mir grundsätzlich darum, die Sache in den Mittelpunkt zu stellen“, sagte sie. Daher sei sie auch parteilos. „Im Hinblick auf den Bereich Schule bin ich eine absolute Verfechterin des inklusiven Gedankens und der Teilhabe“, betonte die gebürtige Essenerin. Eine auf sechs Jahre erweiterte Grundschulzeit würde sie sehr begrüßen. Ebenso, wenn etwa Schulturnhallen auch an den Wochenenden für den Sport nutzbar gemacht werden. „Es gibt Kommunen, in denen beispielsweise Lehramtsstudierende für den Bereich Sport am Wochenende in den Turnhallen Angebote für Kinder und Jugendliche machen, das könnte ich mir auch gut für Mönchengladbach vorstellen“, so Schüßler.

Immerhin habe gerade auch der Sportbereich, wie das übrige soziale Leben, stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie gelitten. Dadurch, so Schüßler, hätten sich im Bereich des Jugendsports eklatante Lücken aufgetan. Über 80 Prozent der Heranwachsenden würden nicht mehr die von der Weltgesundheitsorganisation WHO geforderte tägliche Bewegungszeit von 60 Minuten erreichen. Dazu kämen nun noch die starken Einschränkungen durch Corona, die zeigten, wie sehr Kinder und Jugendliche physisch und psychisch unter Bewegungsmangel leiden würden. Hier kann sich Schüßler vorstellen, in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Sportvereinen und -verbänden weitere wirkungsvolle Konzepte zu entwickeln, um den genannten Problemen begegnen zu können, auch über den Bereich des Schulsports hinaus, etwa mit niedrigschwelligen Angeboten wie beispielsweise im weiter auszubauenden Projekt „Familiengrundschulzentren“.

Im Bereich der Digitalisierung der Schullandschaft hat die „Vitusstadt“ großen Nachholbedarf. „Hier“, sagte sie, „müssen wir den Ausbau digitaler Lernplattformen für hybride Unterrichtsformen weiter umsetzen, um alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen, ebenso den Breitbandausbau und den der Inhouse-Infrastruktur der weiterführenden Schulen. Weiterhin ist sicherlich auch eine Vereinheitlichung der angebotenen technischen Lösungen erforderlich.“

Für die Kulturszene erhofft sich Schüßler eine enge Zusammenarbeit auch mit freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern. Nicht nur das Museum Abteiberg, sondern insgesamt die Angebote im kulturellen Bereich seien hervorragend geeignet, um über diesen Zugang Kinder und Jugendliche und ihre Familien zu verbinden. „Eine engere Verzahnung der Bereiche des Dezernats halte ich für dringend erforderlich und denke, dass alle Beteiligten davon profitieren können“, so Schüßler.

Die Stadt Mönchengladbach ist der designierten Fischer-Nachfolgerin übrigens nicht ganz so unbekannt: Hier startete sie ihren beruflichen Werdegang mit der Ausbildung als Lehramts-Referendarin – und hier, in Mönchengladbach, soll sich der Kreis für sie auch wieder schließen: mit der Bestellung zur Dezernentin für Bildung, Kultur und Sport.

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