Neubau der Realschule (Grafik: Baugesellschaft)
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Geldern. Auf Einladung der Stadt Geldern und der Gelderner Baugesellschaft (GBG) kamen in dieser Woche die Schulgemeinschaft der Realschule An der Fleuth, Bürgermeister Sven Kaiser, Vertreter der Politik und der Gelderner Baugesellschaft zusammen, um sich über den geplanten Neubau der Realschule am alten Standort der Geschwister-Scholl-Schule An der Ley auszutauschen.

Thomas Mutz, Geschäftsführer der Gelderner Baugesellschaft, und der zuständige Projektleiter der GBG, Jan Butzheinen-Denkewitz informierten die Vertreter der Realschule über die aktuellen Pläne des Neubaus sowie den derzeitigen Projektstand.
Der dreigeschossige Neubau soll sich so in das knapp 20.000 Quadratmeter große Grundstück einfügen, dass das Areal möglichst offen gestaltet bleibt, referierte der Projektleiter der GBG. Neben dem Schulneubau wird auch der gesamte Außenbereich aufgewertet, unter anderem durch eine neue Sportanlage mit einem Fußball-, Volleyball und Basketballfeld sowie einem Trimm-dich-Pfad. „Dieser Bereich soll auch für die Öffentlichkeit geöffnet sein, sodass durch die Neugestaltung des Areals das gesamte Quartier eine Aufwertung erfährt“, sagte Jan Butzheinen-Denkwitz.

Erreicht werden kann das Schulgebäude künftig über mehrere Eingänge, wobei der Haupteingang am Foyer liegen wird. Ausgerichtet wird das Foyer zur Westseite, also in Richtung Veert. „Das Foyer wird das wichtigste Element der Schule werden. Es soll deshalb auch von außen als markantes Zeichen wahrgenommen werden, was die prägnante und imposante Gestaltung verdeutlichen wird“, referierte Butzheinen-Denkewitz.

Im Innern des Gebäudes legen die Planer Wert auf eine möglichst transparente Gestaltung. „Es gilt das Motto ,kurze Wege und schnelle Anbindung`, damit alle Räume zügig erreicht werden können“, sagte der GBG-Projektleiter. Das Raumkonzept orientiert sich an dem Kölner Raumprogramm und wurde eng mit der Schulleitung abgestimmt. „Die organisatorischen Bedürfnisse der Schule waren der wichtigste Punkt bei der Grundriss-Gestaltung.“

Vergeben wurden mittlerweile auch die Aufträge für die Erdarbeiten, Fundamente und den Rohbau. Läuft alles nach Plan, sollen bis Ende des Jahres die Arbeiten für die Bodenplatte abgeschlossen sein und der Rohbau Anfang kommenden Jahres beginnen.
Wie GBG-Geschäftsführer Thomas Mutz aber zuletzt aber schon in der jüngsten Schulausschuss-Sitzung ausführte, fällt der Neubau der Realschule genau in die derzeitige – aus Bauherrensicht – angespannte Lage in der Baubranche. Denn nach wie vor existieren Materialengpässe, dadurch höhere Baupreise und aufgrund der hohen Nachfrage Handwerker-Knappheit.

So wurden zum Beispiel allein für die Rohbauarbeiten 20 Firmen angeschrieben und aufgefordert, ein Angebot abzugeben. „Von gerade einmal zwei Firmen haben wir ein Angebot zurückbekommen“, sagte Mutz. „Und von diesen beiden Firmen sogar für einen Zeitraum, der noch hinter unserem geforderten Zeitraum lag.“ Die übrigen Firmen wurden daraufhin nochmals von der Baugesellschaft kontaktiert, haben aber mitgeteilt, dass sie zur gewünschten Zeit einfach keine Kapazitäten mehr frei hätten.
Deutlich länger als zu erwarten dauerte zudem das Baugenehmigungsverfahren. „Normalerweise dauert ein Baugenehmigungsverfahren bei Bauten dieser Größenordnung zwischen drei und vier Monaten“, sagte Mutz. „In diesem Fall hat es aber jetzt gut sieben Monate gedauert.“ Die Hintergründe führte Jan Butzheinen-Denkewitz aus: „Es gab von Seiten des Kreises Kleve erhöhte Anforderungen bei der Entsorgung der Altlasten und im Hochwasser- und Starkregenschutz“, sagte er. „Zudem ist für die ,Vreysche Ley´ eine Gewässerumlegung gefordert worden, was vorher so nicht zu erwarten war.“

Diese Entwicklungen führen deshalb dazu, dass der ursprüngliche Zeitplan, den Realschul-Neubau bis Herbst kommenden Jahres fertigzustellen, nicht zu realisieren ist, sagte Mutz. „Die Verzögerungen im Baugenehmigungsverfahren hätten wir noch auffangen können, wenn wir jetzt nicht in die aktuelle Baukrise gekommen wären.“ Dies zeigen auch die Erfahrungen für die Neubauten an der Gesamt-, Marien- und Albert-Schweitzer-Schule, „wo wir sowohl voll im Zeitplan als auch im Budget liegen“, merkte der Geschäftsführer der Gelderner Baugesellschaft an.

Die Baugesellschaft beantwortete auch die Frage, warum die ersten Aufträge nicht schon früher vergeben wurden. „Bei den Vergaben dieser Größenordnungen, die teilweise im siebenstelligen Bereich liegen, wäre es einfach nicht seriös gewesen, schon vorher Aufträge zu vergeben“, erklärte Mutz. „Denn solange eine Baugenehmigung noch nicht vorliegt, wissen wir ja noch nicht, ob wir überhaupt so bauen dürfen wie beantragt.“

Eine genaue Prognose zur Fertigstellung abzugeben, sei deshalb zurzeit schwer. „Wenn die Lage so bleibt, wie sie aktuell ist, hoffen, wir, den Neubau bis zum dritten Quartal 2023 fertigstellen zu können“, sagte Mutz. „Wir werden jedenfalls alles dafür tun, so schnell und wirtschaftlich wie möglich voranzukommen.“

Bürgermeister Sven Kaiser nutzte die Gelegenheit zudem noch einmal, um den anwesenden Elternvertretern, Lehrer und der Schulleitung der Realschule sein klares Bekenntnis zum Neubau der Realschule auszusprechen: „Sowohl die Politik als auch die Stadt Geldern stehen nach wie vor klar hinter dem Projekt. Der Neubau wird genauso gebaut werden, wie er aktuell und in Abstimmung mit der Schule geplant ist.“ Thomas Mutz ergänzte: „Wenn der Neubau fertig ist, erhält die Realschule das modernste und nachhaltigste Schulgebäude in Geldern. “

Realschulleiter Wilfried Schönherr sagte, dass zwar alle Beteiligten gehofft hätten, dass der Neubau schneller fertig wird. „Aber für die momentan unkalkulierbaren Umstände in der Baubranche kann nun mal niemand etwas.“ Doch die Perspektive für die Realschule stimme, „wir sind mit den aktuellen Plänen voll einverstanden und ich glaube, alle wünschen sich, dass das neue Schulgebäude nun so schnell wie möglich fertiggestellt wird.“

Jens Singendonk, stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft, ergänzte: „Für uns Vertreter der Realschule war es wichtig zu hören, dass das Projekt Neubau trotz der aktuellen Entwicklungen in der Baubranche nicht infragestellt ist.“ Sein Vorschlag, den Infoabend als Auftakt für einen demnächst regelmäßigen Austausch zwischen Schulgemeinschaft, Stadtverwaltung, GBG und Politik zu sehen, traf bei allen Beteiligten auf breite Zustimmung. Einen Termin für die nächste Gesprächsrunde im Herbst gibt es bereits.

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