(Foto: KoKoBe)
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Dormagen. Unter dem Motto „Wählen – wie geht das?“  bot die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe) Rhein-Kreis Neuss am Montagabend, 6. September, eine Informationsveranstaltung zur Bundestagswahl für Menschen mit geistiger Behinderung an. Im Ratssaal des Dormagener Rathauses begrüßte Bürgermeister Erik Lierenfeld die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

„Das Wahlrecht ist eines der wichtigsten Rechte in Deutschland. In einer Demokratie sind jeder Mensch und jede abgegebene Stimme gleich wichtig. Keine einzelne Person entscheidet, sondern alle gemeinsam“, so Lierenfeld, der sich bei der KoKoBe für die wertvolle Unterstützung zur Bundestagswahl am 26. September bedankte.

Nach der Begrüßung erklärten Michaela Holzberg, Leiterin des Büros für Leichte Sprache der Lebenshilfe Rhein-Kreis Neuss und ihr Kollege Tim Paul in einfach verständlicher Form zunächst alles, was für den Wahlvorgang wichtig ist. Die rund 25 Besucherinnen und Besucher brachten sich dabei mit vielen Fragen ein. So erfuhren sie, warum es wichtig ist zu wählen, wen man bei der Kommunalwahl wählen kann, wie man seine Stimme abgibt und wie eine Briefwahl funktioniert. „Man konnte ganz deutlich merken:  Das Interesse am politischen Geschehen wie zum Beispiel am Klimaschutz und vielen anderen Themen ist da. Um wirklich teilhaben zu können, ist es wichtig, dass jede und jeder so viel wie möglich versteht. Leichte Sprache hilft dabei, dass Barrieren abgebaut werden und Selbstbestimmung möglich wird“, so Michaela Holzberg.

Unter den Teilnehmenden war auch Tanja Bräuer aus dem Wohnhaus in Wevelinghoven der Lebenshilfe. Die 46-Jährige hatte sich schon lange gewünscht, wählen zu dürfen. „Mir ist der Klimaschutz sehr wichtig. Ich werde eine Partei wählen, die sich dafür besonders einsetzt. Ich bin froh, dass ich endlich mitbestimmen kann. Hier wurde mir noch einmal genau gezeigt, wie das funktioniert.“

Zum Schluss durften alle, die Lust hatten, den Wahlvorgang live mit Musterwahlzetteln und einer aufgestellten Wahlkabine üben – was gerne angenommen wurde. Außerdem wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern versichert, dass sie am Wahltag eine vertraute Person mit in die Wahlkabine nehmen können, die zum Beispiel vorliest, was auf dem Wahlzettel steht. Das war vielen wichtig, weil es ihnen hilft, die Unsicherheit am Wahltag zu reduzieren.

Auch Tanja Bräuer geht zufrieden aus der Veranstaltung, sie fühlt sich jetzt gut informiert. „Ich gehe am 26. September auf jeden Fall wählen, ich weiß ja jetzt, wie es geht.“

Die KoKoBe steht auch weiterhin für Fragen rund um die Wahl telefonisch unter 02181 2702113 zur Verfügung.

 

Info:

Rund 85.000 Deutsche mit rechtlicher Betreuung in allen Angelegenheiten waren bisher von Bundestagswahlen ausgeschlossen. Gegen diese Diskriminierung von Menschen mit Behinderung hatte die Lebenshilfe viele Jahre gekämpft – mit Erfolg, im März 2019 hat der Bundestag das Wahlrecht für alle beschlossen, im Juli 2019 ist es in Kraft getreten.

Auf der Homepage der Bundesvereinigung Lebenshilfe www.lebenshilfe.de werden umfassende Informationen zur Wahl in Leichter Sprache gegeben. Dort sind auch die Antworten der Parteien auf die behindertenpolitischen Fragen der Lebenshilfe zu finden, ebenfalls übersetzt in Leichte Sprache.

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