(Foto: NIAG)
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Moers/Kreis Kleve/Kreis Wesel/Duisburg. Ramon Ostermann arbeitet seit knapp acht Jahren als Triebfahrzeugführer im Güterverkehr bei der NIAG

„Genau das hier!“, antwortet Ramon Ostermann auf die Frage, was er in den kommenden Jahren beruflich machen möchte. Der 32-jährige arbeitet seit knapp acht Jahren als Triebfahrzeugführer im Güterverkehr bei der NIAG, der Niederrheinische Verkehrsbetriebe Aktiengesellschaft in Moers. Und er ist sichtlich zufrieden damit: „Ich will meinen Job machen. Der reicht locker zum Leben und für die Familie. Ich weiß, was ich hier habe und freue mich praktisch jeden Tag auf die Arbeit.“

Die zehnmonatige Weiterbildung zum Triebfahrzeugführer begann für Ramon Ostermann 2013. Einen Bezug zur Eisenbahn hatte er damals nicht – aber durchaus Freude an Technik. Er kam aus einem ganz anderen Bereich in die Weiterbildung im NIAG-Bildungszentrum in Moers, hatte eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik auf der Zeche in Kamp-Lintfort absolviert.

Verständnis für Technik wird vorausgesetzt

Mindestens 20 Jahre alt muss man für eine Weiterbildung zum Triebfahrzeugführer sein. Vorausgesetzt werden dazu mindestens ein Hauptschulabschluss, ausgeprägtes technisches Verständnis und gute Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Zudem dürfen die angehenden Triebfahrzeugführerinnen und -führer keine Vorstrafen und auch keine Punkte in Flensburg wegen schwerwiegender Verfehlungen haben.

Seit 2014 fährt Ramon für die NIAG Güterzüge in der Region und auch schon einmal quer durch Deutschland. Manchmal sind die Züge mehrere Hundert Meter lang und beladen mit Kohle, mit Öl oder mit Soda für eine Chemiefabrik. Oder Ramon rangiert Loks, zum Beispiel am NIAG-Eisenbahnstandort an der Klever Straße in Moers. So, wie heute, an einem recht trüben Augustmorgen, der Ramons gute Laune aber sichtlich gar nicht schmälert.

Ein typischer Tagesablauf?

Als er nach dem typischen Ablauf seines Arbeitstages gefragt wird, lacht Ramon und antwortet blitzschnell: „Sich überraschen lassen“. Heute sollte er eigentlich Loks und Wagen auf dem NIAG-Gelände rangieren und damit für die nächsten Touren vorbereiten. Aber es kommt anders: Der Fahrdienstleiter, dessen Büro alle Triebfahrzeugführer auch an diesem Morgen gleich nach dem Umziehen ansteuern, teilt ihm eine neue Aufgabe zu.

Weil ein Kollege erkrankt ist, geht es damit gleich mit einer der bis zu 88 Tonnen schweren Dieselloks und 24 Waggons nach Gelsenkirchen. Dort werden diese bei einem Kunden mit Kohle befüllt. Den Zug, der dann 2.100 Tonnen wiegt, fährt Ramon schließlich nach Moers, von wo aus ihn ein Kollege zum Rheinhafen Orsoy zum Entladen bringt. Da kommen schon einige Stunden an einem Arbeitstag zusammen.

Immer wieder ist von den Triebfahrzeug-führerinnen und -führern deshalb Flexibilität gefragt: „Meine Frau weiß heute früh noch nicht, wann ich abends genau zuhause bin.“ Das schränkt das Spontane im Privaten zwar etwas ein. „Dafür aber“, sagt Ramon, „ist unser Team hier bei privaten Verpflichtungen echt flexibel. Und das faire Miteinander, die Rücksicht im Team helfen total.“ So bekommt er Familie und Arbeit gut unter einen Hut. Für die Einschulung seines Sohnes konnte er trotz seiner Schichteinteilung frei nehmen. „Das war toll, die Kollegen sind da anstandslos eingesprungen.“

In aller Regel haben die Dienste feste Uhrzeiten. Ein- bis zweimal im Monat muss Ramon auch am Wochenende arbeiten, die Einsatzpläne wechseln im Sieben-Wochen-Takt. Bezahlt werden die Triebfahrzeugführerinnen und -führer bei der NIAG nach Tarifvertrag. Die 39 Stunden Arbeitszeit sind bei manchen Touren schnell erreicht.

„Man sieht viel von Deutschland

Ramons weiteste Strecken gingen bisher mit einem rund 4.000 Tonnen schweren und 600 Meter langen Zug voller Kohle von der Nordseeküste in das gut 430 Kilometer entfernte Dillingen im Saarland. „Man sieht viel von Deutschland in diesem Job“, lächelt Ramon. Auch, wenn der voll beladene Zug bis zu 100 Stundenkilometer schnell ist: Mit Pausen, Weichen stellen und Wartezeiten wegen bevorrechtigter Personenzüge war das an einem Arbeitstag nicht hin und zurück zu schaffen. Also hieß es, Übernachten und am nächsten Tag zurück an den schönen Niederrhein.

Bei solchen Fernfahrten muss Ramon den Führerstand der Lok kaum verlassen, da kommen zwischendurch meist nur zehn bis 15 Minuten für Pausen auf einer Strecke zusammen. Nach sechs Stunden Fahrzeit muss sowieso fahrplanmäßig eine Erholungspause in einem geeigneten Bahnhof eingelegt werden. Denn: Weil es auf den Schienen sehr lange geradeaus geht, ist hier umso mehr Konzentration gefragt. „Solche Touren gehen echt an die Substanz“, berichtet der erfahrene Zuglenker.

Geht es, wie heute, nach Gelsenkirchen, sieht das ganz anders aus: Dann muss er für die Fahrt von und nach Moers 14 Mal runter von der Lok, rechnet er vor. Waggons prüfen und an- und abkoppeln kostet Zeit – und lässt ihn schnell zwei der acht Arbeitsstunden des Tages an der frischen Luft sein. Abwechslung ist in diesem Beruf garantiert.

Und dann: Nach Hause

Heute ist für Ramon nach gut acht Stunden Feierabend, gegen 17 Uhr fährt er heim ins benachbarte Kamp-Lintfort. Er ist gern zuhause bei seiner Frau und seinem Sohn. Im Dezember kommt Nachwuchs und Ramons Augen leuchten, wenn er davon erzählt. „Für meine Hobbys American Football, Computer und Kraftsport ist dann sicher noch weniger Zeit. Aber das ist völlig egal, Hauptsache meiner Frau und den Kids geht es gut.“

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