Peter Boschheidgen (l.) und sein Stellvertreter, Dr. Wilfried Scholten (Foto: privat)
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Moers. Peter Boschheidgen wird auch in den kommenden beiden Jahren die Geschicke des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers leiten. Die Jahresversammlung des Vereins bestätigte den 65-Jährigen im Musenhof einstimmig im Amt. Ebenso ohne Gegenstimmen wurde sein Vertreter, Dr. Wilfried Scholten, wiedergewählt. Nach elf Jahren übergab Elke Kehl den Vorsitz des Arbeitskreises „Verein und Museum“ an ihre Nachfolger Dietmar Böhmer und Ulrich Writsch.

Der Rechenschaftsberichts Boschheidgens und die ergänzenden  Ausführungen der Arbeitskreise machten deutlich, dass der Verein nahtlos an die Aktivitäten der Vor-Corona-Zeit anknüpfen konnte. So beträgt der Mitgliederstand, der zum Jahreswechsel 20/21 unter 800 gesunken war, inzwischen wieder 813. Verschiedentlich stand der Verein in den vergangenen Monaten im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Boschheidgen erinnerte an die Übergabe des Bronzereliefs an die Stadt Moers vor einer Woche, das Engagement für eine Verbesserung des Schlossumfeldes, das schließlich in einen Bürgerantrag mündete, und die Stellungnahme des Vereins zur Überplanung des nördlichen Innenstadtbereichs (Finanzamt). Offensichtlich nehmen Verwaltung und Politik die Vorschläge des GMGV ernst: So habe laut Boschheidgen ein Vermittlungsvorschlag des Bürgermeisters die Zustimmung des Auschusses für Bürgeranträge gefunden. Das Angebot einer Baumspende des GMGV auf dem Schlossplatz wird an den Planungsausschuss weitergeleitet mit der Anregung, die Verbesserungswünsche des Vereins nach einem Erfahrungszeitraum von einem bis zwei Jahren zu überprüfen. Diesen Vorschlag sieht der GMGV-Vorsitzende allerdings kritisch, weil in einem solchen Zeitraum ein Gewöhnungseffekt eintrete, ohne dass Erfahrungen mit einem ja nicht existenten Baum gewonnen würden. Erfreulich sei allerdings, dass der Bürgermeister eine vom GMGV angeregte sukzessive Nachpflanzung abgängiger Rosskastanien an der kleinen Allee gegenüber dem Ausschuss befürwortet habe.

Zu einem Kernanliegen des GMGV gehörte in den vergangenen Jahren auch stets die Erforschung des genauen Standorts der im 17. Jahrhundert zerstörten Bonifatiuskirche an der Rheinberger Straße. Auf Vermittlung eines GMGV-Mitglieds versuche nun ein Team der Universität Köln eventuell noch im Boden vorhandene Spuren mit Hilfe eines geomagnetischen Verfahrens zu finden. Zuvor hätten geoelektrische und Georadar-Verfahren keine Fundamentreste nachweisen können. „Es wäre schön“, so Boschheidgen, „wenn man den Standort der Kirche wieder sichtbar machen könnte.“ Allerdings müssten die jüngsten Untersuchungen wegen einer technischen Störung noch einmal wiederholt werden.

Die Pandemie-Zeit gut genutzt haben auch die Kumpel des Arbeitskreises „Schacht IV“. Hans Gerd Lamers berichtete stellvertretend für den verhinderten André Thissen von umfangreichen Restaurierungs- und Archivierungsarbeiten an historischen Rettungsgeräten und Grubenlampen, die in Zukunft der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen.

Auch Museums-Chefin Diana Finkele zog ein für das Pandemiejahr positives Fazit. Trotz der Einschränkungen, die zur Absage einiger Großveranstaltungen gezwungen hätten, seien 32 Veranstaltungen – zum Teil im Schlosshof – möglich gewesen. In anderen Fällen habe man neue Darstellungsformen im Internet erprobt: „Uns hat Corona auch einen digitalen Schub gegeben.“

In die Jahresversammlung eingeführt hatte Vereinsmitglied Ulrich Kemper, der aus seinem Buch über den Moerser Erbfolgestreit referierte, der mit der Einnahme der Stadt Moers durch preußische Truppen im Jahre 1712 endete.

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