Brotlieferung wie vor 100 Jahren: Dazu erhielten Josef Wilhelm Bölte (vorne links), Ehefrau Sonja und Tochter Marie von Obermeister Rudolf Weißert (Niederrheinische Bäcker-Innung) die Ehrenurkunde der Handwerkskammer (Foto: Kreishandwerkerschaft / Prümen)
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Tönisvorst. Tönisvorster Bäckerei besteht seit über 100 Jahren 

Seit über 100 Jahren backt die Bäckerei Bölte in St. Tönis für ihre Kunden. Für einen Nachmittag war jetzt wieder alles wie damals.

Eine besondere Aktion haben sich Bäckermeister Josef Wilhelm Bölte (51), seine Frau Sonja (49) und ihre Tochter Marie (19) zum 100-jährigen Bestehen ihrer Bäckerei Bölte in St. Tönis (Tönisvorst) an der Gelderner Straße in St. Tönis einfallen lassen: Wie vor 100 Jahren belieferten sie mit einer restaurierten schwarzen Kutsche, gezogen vom 20-jährigen Friesenhengst Eduard, an einem Nachmittag mehrere Kunden mit „Kutschertüten“, in denen Brot und Kuchen waren.

Bei einem dieser langjährigen Kunden, dem St. Töniser Obsthof an der Düsseldorfer Straße unter Leitung von Rudolf Steves, wartete bereits Rudolf Weißert, Obermeister der Niederrheinischen Bäcker-Innung Krefeld-Viersen-Neuss. Er überreichte seinem Vorstandskollegen Bölte die Jubiläumsurkunde der Handwerkskammer Düsseldorf zum 100-jährigen Bestehen des Betriebes – Corona-bedingt mit einiger Verspätung.

Böltes Großvater Wilhelm hatte die Bäckerei 1919 gegründet. Josef Bölte, eines seiner acht Kinder, übernahm den Betrieb später. Seit dem 1. Oktober 1996, also seit 25 Jahren, ist Josef Wilhelm Bölte Chef in der dritten Generation. Seinen Meister hat er 1993 in Düsseldorf gemacht. Die vierte Generation in Person von Tochter Marie  hat nach dem Abitur am 1. August dieses Jahres die Ausbildung zur Bäckerin im elterlichen Betrieb begonnen. Neben Vater und Tochter sind noch drei Angestellte in der Backstube tätig, zwei Fahrer und drei Verkäuferinnen ergänzen das Team – wobei Sonja Bölte sowohl im Verkauf tätig ist als auch die Büroarbeiten erledigt: Sie ist gelernte Industriekauffrau. Die Bäckerei hat insgesamt drei Auszubildende. „Wir hätten gerne mehr, aber wir finden niemanden“, sagt Sonja Bölte. Eine Spezialität des St. Töniser Betriebes sind die Torteletts, die am gesamten Niederrhein und sogar bis in den Frankfurter Raum sowie in die Niederlande verkauft werden. Das Rezept dazu ist 102 Jahre alt und stammt vom Firmengründer. Im Angebot sind auch die Böltschen „Hundekekse“, die seit etwa vier Jahren zeitweise für Vierbeiner zu erwerben sind.

Sowohl Josef Wilhelm Bölte als auch seine Frau erwarben als Pferdeliebhaber den Kutsch-Führerschein. „So entstand die Idee, das Jubiläum mit Kutschfahrten wie vor 100 Jahren zu verbinden“, erzählt Bölte. Das Ehepaar fand dabei Unterstützung: Tischlermeister und Kutschenbauer Christian Kohnen restaurierte die alte Kutsche sehr aufwendig, Maler- und Lackierermeister Farid Grochowicki gestaltete sie wie vor 100 Jahren. Hinter dem Kutschbock befindet sich die Ladefläche in Kastenform – hier waren bei der Jubiläumsfahrt die Tüten mit Brot und Kuchen auch für Obsthof-Betreiber Steves untergebracht.

Es soll keine einmalige Aktion bleiben: Künftig will Sonja Bölte zweimal pro Woche mit Pferd und Kutsche unterwegs sein, um Kunden mit zuvor bestellten Waren zu beliefern. Entsprechende Hinweise in der Bäckerei an der Gelderner Straße sind vorbereitet. „Nach den Reservierungen müssen die Touren geplant werden. Das Wetter spielt natürlich auch eine Rolle. Und wir müssen den Radius für die Touren festlegen. Denn mehr als drei Stunden kann ich mit Pferd und Kutsche nicht unterwegs sein“, sagt Sonja Bölte. Die Kunden werden dann informiert, wann sie liefert. Und zum Preis für die bestellte Ware kommt dann noch eine Banane für das Pferd hinzu.

Auch für Obermeister Weißert war diese Jubiläums-Aktion Neuland: „Seit 25 Jahren, 21 davon als Obermeister, davor vier Jahre als Stellvertreter, ist es das erste Mal, dass ich für solch eine Ehrung auf einen Kutschbock gestiegen bin“, sagt er.

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