(Foto: Nikolaus-Groß-Niederwenigern e.V.)
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Hattingen. In einem Gottesdienst in Groß‘ Taufkirche St. Mauritius in Hattingen-Niederwenigern erinnerte Bischof Franz-Josef Overbeck am Samstag an den Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, den Papst Johannes Paul II. vor 20 Jahren selig gesprochen hat.

In Erinnerung an die Seligsprechung von Nikolaus Groß durch Papst Johannes Paul II. vor 20 Jahren hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck am Samstag eine Messe in Groß‘ Taufkirche St. Mauritius in Hattingen-Niederwenigern gefeiert. An der von den Essener Domsingknaben mitgestalteten Messe nahm auch Thomas Groß teil, ein Enkel des Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus.

In seiner Predigt erinnerte Overbeck nicht nur an das Leben und Sterben des Bergmanns, katholischen Arbeiterführers und Journalisten Groß, der 1944 im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat vom 20. Juli verhaftet und nach einem Todesurteil durch den berüchtigten Vorsitzenden des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs, Roland Freisler, am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee erhängt worden war. Der Ruhrbischof stellte auch Groß‘ Ehefrau Elisabeth in einen besonderen Fokus und die Ehe, die die Eltern von sieben Kinder miteinander verband. „Wenn ich darum heute aus Anlass des Gedenkens an die Seligsprechung von Nikolaus Groß vor 20 Jahren am 7. Oktober 2001 durch Papst Johannes Paul II. in Rom, besonders auch an seine Ehefrau Elisabeth erinnere, dann um dieser Form von Gemeinschaft einen würdigen Platz in der Erinnerung an das Martyrium von Nikolaus Groß zu geben, aber zugleich auch seine Frau ebenso zu ehren, die ihr eigenes Martyrium zu bestehen hatte im Mitgehen mit ihrem Mann und ihrem gemeinsamen Lebenszeugnis im Glauben, das die tiefste Mitte eben in einem christlichen Leben fand, vom Geheimnis des Lebens Christi“, so Overbeck. Der Bischof zitierte aus dem ergreifenden Abschiedsbrief von Nikolaus Groß und verwies auf die Kirche St. Mauritius, in der der 1898 geborene Groß getauft wurde, und später Elisabeth geheiratet hat.

Thomas Groß: „Er hat sich nicht verbiegen lassen.“

Groß‘ Vermächtnis des starken und unerschütterlichen Glaubens, der Standhaftigkeit gegen Hass, Gewalt, Unterdrückung und Mord und die Wahrhaftigkeit in Wort und Schrift seien „nach wie vor Auftrag in unserer heutigen Zeit“, betont der Enkel Thomas Groß. Der 62-Jährige sagt über seinen Großvater: „In der Zeit des Nationalsozialismus hat er den politischen Mächten widerstanden und deutlich Flagge gezeigt. Er hat sich nicht verbiegen lassen und Mut und Standhaftigkeit gelebt. Er ist damit Vorbild und er ermutigt uns, sein Vermächtnis durch Gebet, Wort und Tat wachzuhalten.“

Dies hat sich am Geburtsort des Bergmanns, Gewerkschaftssekretärs und Chefredakteurs der Westdeutschen Arbeiterzeitung der Verein Nikolaus-Groß-Niederwenigern zur Aufgabe gemacht. Erstmals nach langer Coronapause öffnete der Verein am Samstag nach dem Gottesdienst wieder das Nikolaus-Groß-Museum in direkter Nachbarschaft zur St.-Mauritius-Kirche für Besucher. Ab sofort kehren die Verantwortlichen wieder zu festen Museums-Öffnungszeiten zurück. Zunächst wird der Besuch an jedem dritten Sonntag im Monat von 11 bis 13 Uhr möglich sein. Führungen außerhalb dieser Zeit sind nach Absprache möglich (Kontakt: info@nikolaus-gross.org)

INFO: Die Seligsprechung Nikolaus Groß‘

Nikolaus Groß ist der bislang einzige Selige des Ruhrbistums. Seiner Seligsprechung am 7 Oktober 2001 ging ein langer Prozess voraus, als dessen Beginn vielfach der Besuch Papst Johannes Pauls II. im Ruhrbistum gesehen wird. Der Papst würdigte Groß im Mai 1987 als einen „Widerstandskämpfer“, der sein Leben für seinen Glauben und die Kirche hingegeben habe. Wenige Monate später begann der damalige Ruhrbischof Franz Hengsbach mit ersten Vorbereitungen für den Seligsprechungsprozess, den sein Nachfolger Hubert Luthe fortsetze – maßgeblich unterstützt von Weihbischof Franz Grave.

INFO: Selige in der katholischen Kirche

Mit Seligen bezeichnet die Kirche Menschen, die durch ihr privates und öffentliches Leben Vorbilder im Glauben sind. Sie können in verschiedenen Notlagen und Anliegen um Hilfe angerufen werden. Ihre Verehrung ist – anders als bei Heiligen – auf einen bestimmten Ort, eine Region oder eine kirchliche Gemeinschaft begrenzt.

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