Mit einem festlichen Akt eröffnen (v.l.n.r.) Bürgermeister Matthais Müller, Integrationsratvorsitzender Selman Duran und die Imame Rafet Kaya und Mustafa Kurumahmut das neue Grabfeld (Foto: Stadt Herten)
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Herten. Ruhestätte ermöglicht angemessene Beisetzung für muslimische Gemeinde

Letzte Ruhestätte für muslimische Bürgerinnen und Bürger: Auf dem Waldfriedhof an der Nimrodstraße wurde jetzt das islamische Grabfeld eingeweiht und eröffnet. Damit haben Menschen islamischen Glaubens nun die Möglichkeit, verstorbene Angehörige gemäß ihrer Religion beizusetzen.

„Ich bin sehr bewegt, wenn ich sehe, dass hier bereits die ersten Menschen ihren letzten Ruheort gefunden haben. Es ist ein wichtiges Zeichen der Akzeptanz und des Miteinanders, diesen besonderen Ort einzuweihen und unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Möglichkeit zu geben, Nahestehende in einem angemessenen Rahmen zu bestatten und ihrer zu gedenken“, eröffnete Bürgermeister Matthias Müller die feierliche Einweihung.

Imam Rafet Kaya las anschließend einige Zeilen aus dem Koran, bevor das Grabfeld durch Imam Mustafa Kurumahmut von der DITIB-Gemeinde Herten-Süd mit einem gemeinsamen Gebet gesegnet wurde. Auch das Datum der Veranstaltung, der 30. September 2021, war ein besonderes – genau vor 60 Jahren wurde das deutsch-türkische Anwerbeabkommen unterzeichnet.

Längst haben nachfolgende Generationen der damaligen Gastarbeiter hier eine neue Heimat gefunden. Daher hat das neue Grabfeld eine wichtige Bedeutung für die islamische Gemeinde, deren Bestattungstraditionen von denen des christlichen Glaubens abweichen. Charakteristisch für eine muslimische Bestattung ist die Beisetzung in reiner Erde und die Ausrichtung des Grabfelds nach Mekka.

Der Vorsitzende des Integrationsrates, Selman Duran, betonte die Bedeutung in seiner Rede mit einem Zitat von Konfuzius: „So, wie ein Volk seine Toten verehrt, so offenbart sich seine Seele vor dir.“ Für ihn liege Integration eben auch darin, Unterschiede anzuerkennen und Vielfalt als Bereicherung anzusehen. „Heute sind wir hier gemeinsam versammelt mit Muslimen, Christen und Andersgläubigen für ein Zeichen der Akzeptanz und als Beispiel gelebter Integration.“

Wie wichtig die Möglichkeit zur richtigen Bestattung von nahestehenden Menschen ist, zeigen auch die drei bereits vorhandenen Grabstätten. Die Eltern eines kleinen Mädchens sind froh, dass sie ihre Tochter im angemessenen Rahmen zur Ruhe betten und besuchen können. Eine andere Familie hat ihren verstorbenen Angehörigen aus der Türkei zu sich nach Herten geholt und auf dem Waldfriedhof beigesetzt.

Insgesamt 38 Reihengräber für Kinder, 73 Reihengräber sowie 72 Erdwahlgräber finden Platz auf dem Grabfeld. Die Entstehung des 2.000 Quadratmeter großen Areals am nördlichen Rand des Waldfriedhofs reicht bereits bis ins Jahr 2016 zurück. Ein Antrag der Liste „Gemeinsam für Herten“ und der Multikulturellen Liste des Hauses der Kulturen bat damals mögliche Flächen in Herten zu prüfen. Gemeinsam mit dem Zentralen Betriebshof Herten (ZBH) wurde letztlich eine geeignete Fläche gefunden und die Friedhofssatzung angepasst. Mit dem Ergebnis schienen alle Beteiligten sichtlich zufrieden.

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