Mehr Lebensfreude durch Assistenz bei Demenz (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Neuss. Einen Spaziergang durch die Herbstsonne machen und danach wieder den Weg in die eigene Wohnung finden, das ist eine Aufgabe, die Theresia H. herausfordert – an schlechten Tagen scheitert sie daran. Spontan Spazierengehen ist daher selten geworden. Die 68-Jährige lebt seit zwei Jahren mit Demenz. Mit Assistenz – also einer Unterstützung im Alltag – könnte sie wieder selbstbestimmter leben und häufiger das tun, was ihr Spaß macht. „Weil Assistenz für Menschen mit Demenz noch nicht ausreichend von den Pflegekassen bezahlt wird, obwohl ein gesetzlicher Anspruch besteht, sind Betroffene oft auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen“, sagt Angela Spirres, Diplom-Gerontologin im Memory Zentrum. „Wegen des gestiegenen Bedarfs haben wir unser Angebot des Betreuten Wohnens ausgeweitet und begleiten jetzt mehr Menschen, die noch in der eigenen Wohnung leben können, aber von Demenz betroffen sind. Für diese Menschen suchen wir dringend Freiwillige, die uns bei der Assistenz ehrenamtlich unterstützen möchten“.

In Kürze bewohnt Theresia H. eine der demenzgerechten Wohnungen am Gottfried-Schmitz-Weg in Neuss, direkt neben dem Memory Zentrum, einer Leuchtturm-Einrichtung für alle Belange rund um Demenz. „Ich muss immer Freunde oder meine Familie fragen, ob Sie mich begleiten, wenn ich weiß, dass ich mich alleine nicht zurechtfinden würde. Selbstbestimmt zu leben heißt für mich auch frei und ungezwungen entscheiden zu können, ohne beispielsweise abhängig zu sein vom Wohlwollen meiner Nachbarin“, sagt Theresia H.

Von der Nähe zum Memory Zentrum profitiert die Rentnerin jetzt schon, denn sie nimmt einerseits Angebote der Einrichtung war. Andererseits kann sie, wenn die Demenz weiter fortgeschritten ist, in den Wohnbereich der Einrichtung ziehen und hier rund um die Uhr betreut leben. Bis dahin ist es ihr Ziel, so lange wie möglich selbstbestimmt zu wohnen und ihren Alltag so zu gestalten, dass sie trotz Einschränkungen fast normal leben kann. Die Begleitung findet in der Regel in der Wohnung des Betroffenen statt. Außerdem werden die freiwilligen Helfender umfassend auf ihre Aufgabe vorbereitet. „In erster Linie ist es uns wichtig zu vermitteln, dass diese Aufgabe beiden Seiten Freude bereiten soll: Es geht nicht darum, den Menschen mit Demenz zu pflegen, es geht darum, ihm zu assistieren“, erklärt Angela Spirres. „Zum Beispiel muss man vielleicht zeigen, welcher Topf der mit dem Nudelwasser ist und welcher der mit der Tomatensoße. Assistenz bedeutet etwas zu ermöglichen. Es geht dabei um Selbstbestimmung, wieder das tun zu können, was ohne Assistenz nicht ginge. Außerdem werden die freiwilligen Helfer durch eine kostenfreie 40-stündige Schulung zum Demenzbegleiter jeweils montags nachmittags im Memory Zentrum auf diese wertvolle Aufgabe vorbereitet“.

Wer Interesse an der Aufgabe als Demenzbegleiter hat, kann sich im Memory Zentrum telefonisch melden unter 02131 529 65270 oder per E-Mail unter Bildung-amz@ak-neuss.de.

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