Kasimir (unten) und Malinka (oben) (Foto: Zoo Duisburg / R. Jodgalweit)
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Duisburg. Die Namenssuche dauerte mehrere Wochen. Hunderte Vorschläge sichtete das Zoo-Team und traf dann eine Vorauswahl. Die Entscheidung ist dann im Online-Voting gefallen.

Putzmunter tapst der Tigernachwuchs im Zoo Duisburg durch das hohe Gras, erklimmt Baumstämme und hält Mutter Dasha auf Trab. Nun haben die am 06. Mai geborenen kleinen Raubtiere ihren Namen bekommen. „Das war gar nicht mal so einfach“, lacht Zoodirektorin Astrid Stewin. Hunderte Namensvorschläge sichtete das Zoo-Team in den vergangenen Wochen. Per Brief, Mail und in den sozialen Medien beteiligten sich viele Zoofreunde an der Namenssuche. Und auch die kleinen Zoogäste waren aktiv und mit Feuereifer dabei, wie die Zoo-Chefin erzählt: „Es war jeden Tag immer wieder eine große Freude, die Briefe der vielen Kinder zu öffnen und die liebevoll gemalten Bilder zu sehen. Das hat uns alle sehr berührt“. Über alle eingegangenen Namensvorschläge beratschlagte dann die zooeigene Jury, bestehend aus Tierpflegern und Zooleitung. Sechs potentielle Namen wurden ausgewählt – drei für den Kater, drei für die Katze. Dann ging es in die finale Abstimmung, an der sich über 3.500 social Media-Fans beteiligten. Das Rennen machten ‚Kasimir‘ (1.364 Stimmen) und ‚Malinka‘ (1.622 Stimmen).

Und was sagen die Tigerkinder? „Noch hören sie nicht auf ihre Namen“, verrät Revierleiterin Sandra Sinn mit einem Lachen. „Das wird sich in den nächsten Wochen aber ändern, wenn wir sie häufiger mit ihrem Rufnamen ansprechen“, so Sinn, die mit der Entwicklung ihrer zwei Schützlinge sehr zufrieden ist. Unterscheiden kann die Tierpflegerin die Tiger-Zwillinge eindeutig. „Das Fellmuster jedes Tieres ist unterschiedlich. Besonders an markanten Streifen im Gesicht lassen sich die Kleinen unterscheiden“, verrät die Tiger-Kennerin. So ähnlich sich der Tigernachwuchs sieht, so unterschiedlich ist er doch im Charakter. Während Kater ‚Kasimir‘ als zurückhaltend gilt und es sich lieber gemütlich macht, ist seine Schwester ‚Malinka‘ forsch und den Pflegern gegenüber sehr aufgeschlossen. „Grundsätzlich sind beide sehr begeisterungsfähig und nutzen die von uns angebotene Beschäftigung gerne“, erzählt Sinn. Besonders hoch im Kurs stehen Bälle, die umhergetragen, durch die Anlage gerollt und mit großer Ausdauer in Einzelteile zerlegt werden. Aber auch die Leidenschaft für Wasser teilen sich die zwei Mini-Tiger. „Sie sind richtige Wasserratten, baden gerne und toben durch den Teich – egal, welches Wetter herrscht“, verrät die Tierpflegerin. Während ‚Kasimir‘ und ‚Malinka‘ ihre Umwelt immer mehr erkunden und miteinander toben, beobachtet ihre Mutter das muntere Treiben mit wachsamen Augen. „‚Dasha‘ macht einen super Job. Sie ist eine tiefenentspannte Mutter, die mit Weitsicht ihren Nachwuchs aufzieht, Körperkontakt hält und mit den Kleinen spielt“, freut sich Sinn.

Mit zunehmendem Alter wird sich in den nächsten Wochen schrittweise der Speiseplan der Tigerkinder ändern. Zwar ernähren sich die zwei kleinen Raubtiere noch überwiegend von Milch, an dem ein oder anderen Stück Fleisch nagen sie dann aber doch – und das mit wachsender Begeisterung. Beim gemeinsamen Fressen beginnt ‚Dasha‘ nun auch immer häufiger, die Kleinen in Tigermanier zu erziehen, wie Sandra Sinn berichtet: „Nicht immer duldet die Mama, dass die Kleinen an ihrem Stück Fleisch mit fressen und hält sie auch mal auf Abstand – ein völlig normaler Prozess, der zur Aufzucht dazu gehört und wichtig ist. Wir Pfleger füttern dann entsprechend mehr, damit alle ausreichend Futter haben“.

Sibirische Tiger sind die größten lebenden Katzen der Welt, ihre Bestände gelten als stark gefährdet. Ursprünglich war diese Tigerart in weiten Regionen Asiens

verbreitet. Durch Wilderei und Lebensraumzerstörung ist der Bestand im ursprünglichen Verbreitungsgebiet in den letzten 100 Jahren um mehr als 90% gesunken. Heute leben schätzungsweise nur noch 600 Sibirische Tiger in wenigen Naturreservaten, die kaum mehr als 5% seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes ausmachen. Obwohl alle Tigerarten streng geschützt sind, floriert der illegale Handel mit ihren Fellen, Knochen und Zähnen auf dem asiatischen Markt. Jede Zucht in Zoologischen Gärten ist daher enorm wichtig und hilft, eine gesunde Reservepopulation unter geschützten Bedingungen zu erhalten.

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