(Foto: privat)
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Krefeld. Mehr Nähe zu den Menschen

„Wir möchten den Menschen die Möglichkeiten der ambulanten Hospiz-Arbeit näherbringen und diese bekannter machen“ – so erklärt Prof. Roland Besser, Vorsitzender der Hospiz Stiftung Krefeld, ein neues Projekt. Die Stiftung hat eine Immobilie an der Carl Wilhelm-Straße 27 gekauft und verlagert die Koordination der ambulanten Hospiz-Arbeit an diese Adresse.

Ab sofort sind dort die Koordinatorinnen Sabine Lucht, Conny Hoppmanns und Claudia Strachowitz als Ansprechpartnerinnen ansässig, um sich um die Anliegen schwerstkranker Menschen und ihrer Angehörigen zu kümmern. Außerdem kümmern sie sich um die Schulung und Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen im ambulanten Hospiz. Verantwortlicher Leiter des ambulanten Hospiz-Bereich bleibt Alexander Henes, der auch das stationäre Hospiz am Blumenplatz leitet.

„Wir haben intensiv überlegt, wie wir die hospizliche Versorgung der Menschen in Krefeld und deren Strukturen verbessern können. Immer noch ist es so, dass die Möglichkeiten einer Betreuung schwerstkranker Menschen in ihrer letzten Lebensphase in der häuslichen Umgebung durch die ambulante Hospizbegleitung weit weniger bekannt ist“, so Roland Besser. Das stationäre Hospiz am Blumenplatz nehme dagegen im Bewusstsein der Bürgerschaft einen festen Platz ein.

„Durch die Verlagerung des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes vom Blumenplatz in das Zentrum von Krefeld möchten wir die Bedeutung dieser Einrichtung der Stiftung hervorheben und gleichzeitig der Zugang für Betroffene und deren Angehörige niederschwellig und einfach ermöglichen“, so der Stiftungsvorsitzende.

 

Was bedeutet ambulante Hospiz-Arbeit?

Während das stationäre Hospiz vielen Menschen ein bekannter Begriff ist, ist ambulante Hospiz-Arbeit oft für die Öffentlichkeit schwerer zu begreifen und somit bestehen oft Hemmungen, diese Hilfe zu erfragen. Das muss nicht sein, betont Hospiz-Leiter Alexander: „Ambulante Hospiz-Arbeit im Ehrenamt bedeutet nicht Pflege, sondern Zuwendung und Unterstützung in einer schwierigen Situation. Oft geht es darum, dem Gast und den Angehörigen einfach das Gefühl zu vermitteln: Ihr seid nicht allein, es ist jemand da, der euch ohne Vorbehalt unterstützt“.

Für schwerstkranke Menschen oder deren Angehörige ist der erste Schritt einer hospizlichen Begleitung der Kontakt zu den Koordinatorinnen – jetzt in deren Büro an der Carl-Wilhelm-Straße. Häufig kommen Angehörige, die von den Sozialdiensten in den Krankenhäusern auf die ambulante Hospiz-Arbeit aufmerksam gemacht wurden. Sie benötigen eine Beratung zu den Unterstützungsmöglichkeiten, den hospizlichen Netzwerken und vielen individuellen Fragen.

„Im Beratungsgespräch geht es oft um Ängste im Hinblick auf die eigene Verantwortung“, beschreibt Koordinatorin Cornelia Hoppmanns: Was wird von mir erwartet? Kann ich das leisten? Versage ich, wenn ich mir Hilfe hole oder den kranken Angehörigen lieber in einer stationären Einrichtung untergebracht wissen möchte? Wer hilft mir, als Angehörigem, bei meinen Fragen und Nöten?

„Auch die Betroffenen selbst können ihre Angehörigen zu schützen versuchen und ihnen nichts zumuten wollen. Sie können aber auch die „Annahme“ einer todbringenden Diagnose verweigern/ ignorieren und so ein klärendes offenes Gespräch unmöglich machen“, so Hoppmanns weiter. „In der Beratung und späteren Begleitung nehmen Entlastungsgespräche einen wesentlichen Bestandteil ein“, ergänzt Claudia Strachowitz.

„Wir erleben bei unseren Gesprächen Angehörige, die sich mit der Pflege und psychosozialen Situation überfordert fühlen. Sie haben Angst etwas falsch zu machen, Angst vor der akuten Sterbesituation, körperliche und seelische Erschöpfung. Sie fühlen sich isoliert, da viele kaum noch ihre Häuslichkeit verlassen können. Häufig haben sie ihren Angehörigen versprochen, sie nicht in eine andere Versorgungsstruktur zu geben, merken aber, dass sie das nicht schaffen können. Sie wünschen sich dann von uns Unterstützung im Gespräch mit den Betroffenen. Aber auch ein offenes Gespräch nur für sich selbst im Sinne von ‚Herzausschütten‘“, beschreibt Koordinatorin Sabine Lucht.

Es gibt sehr unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema Hospiz-Arbeit: Einige Betroffene melden sich sehr früh, wenn es ihnen noch einigermaßen gut geht. Diese möchten über alle Möglichkeiten der ambulanten und stationären Versorgung aufgeklärt werden. (Was ist wenn?)

Dann gibt es Betroffene, die sich erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium melden. Ihnen geht es oft sehr schlecht oder sie werden pflegebedürftig und kommen zu Hause ohne Hilfe nicht mehr zurecht. Manchmal kommt es aber nur zu dem Wunsch mit einer neutralen Person zu sprechen, die ggf. bei der Kommunikation mit An- und Zugehörigen unterstützen kann.

 

Ehrenamt in der ambulanten Hospiz-Arbeit: Vorbereitung und Begleitung

Ambulante Hospiz-Arbeit basiert auf ehrenamtlichem Engagement aus der Bürgerschaft: Die Ehrenamtler/-innen absolvieren zuerst einen zweistufigen „Befähigungskurs für die ambulante Hospiz-Arbeit“ (120 Stunden verteilt auf 24 Tage; Infogespräch, Infotag, Grund,- u. Aufbaukurs), um sich auf ihre Tätigkeit vorzubereiten. Die Koordinatorinnen sind als Organisatorinnen und Betreuerinnen für sie die erste Anlaufstelle.

Wenn dann eine Betreuung beginnt, werden die Ehrenamtler/-innen beim ersten Besuch des Gastes – zuhause oder in einem Pflegeheim – immer von der beratenden Koordinatorin begleitet. In der hospizlichen Begleitung ist die Lebensqualität erkrankter Menschen der Maßstab, an dem sich die Unterstützung der Ehrenamtler orientiert. Das geht von zuhören, Gespräche zu Lebens- oder Alltaggestaltung führen, Abwechslung in den Alltag bringen, neue oder andere Lebensperspektiven finden, einfach Dasein, vorlesen, Ausflüge machen, eventuell gemeinsam etwas Leckeres backen oder kochen, einen Lebenswunsch erfüllen, eine schöne gemeinsame Zeit haben, Zeit finden und auch Konfliktlösungen gemeinsam finden. „Wichtig ist außerdem die Unterstützung, Stärkung, Entlastung und das offene Ohr für die Angehörigen, um eine Begleitung zuhause bis zum Lebensende zu ermöglichen“, erklärt Claudia Strachowitz.

 

Konzepte für die Zukunft der ambulanten Hospiz-Arbeit

Mit dem neuen, gut erreichbaren, sehr zentralen Standort in Rathausnähe, mitten im Krefelder Zentrum sind auch neue Ziele für die Koordinatorinnen verbunden. „Meine Vision für die Zukunft des Ambulanten Hospizes in Krefeld liegt in einem Ausbau einer nachhaltigen hospizlichen Quartiersarbeit. Hiermit wäre es möglich Schwerstkranken eine bessere gesellschaftliche Teilhabe, mit möglichst hoher Lebensqualität zu ermöglichen“, so Strachowitz. Sie wünsche sich zudem, dabei zu helfen, die Haltung zum Sterben als Teil des Lebens, bei jungen Menschen weiterzuentwickeln.

Bedarf sieht sie auch für eine Intensivierung im Ausbau des hospizlichen Angebotes für Menschen mit Behinderung und ihre Begleiter/-innen sowie beim Thema Multikulturalität in der Amb. Hospizarbeit.

Cornelia Hoppmanns und Sabine Lucht betonen, wie wichtig Ehrenamt in der ambulanten Hospiz-Arbeit ist: „Wir haben eine sehr vielschichtige Gruppe, sehr engagiert und mit unterschiedlichen Haltungen. Das ist auch gut so. Ohne die Ehrenamtler/-innen wäre ambulante Hospiz-Arbeit nicht möglich.“

 

Die Koordinatorinnen

Cornelia Hoppmanns arbeitet seit 2009 im Hospiz am Blumenplatz und war zuerst zwei Jahre in der Pflege tätig. Zu ihren Aufgaben gehörte damals schon der Kontakt zu den Ehrenamtlern/-innen, die im stationären Hospiz tätig waren. „Ich habe das Ehrenamt dort als große Bereicherung erlebt und bin dann ca. zwei Jahre später in den Bereich Beratung / ambulanter Hospizdienst gewechselt.“

Sabine Lucht ist seit fast elf Jahren in der Hospiz-Arbeit tätig, zuerst in ihrem Heimatort Rheinberg und seit 2017 in Krefeld. „Schon als junge Krankenschwester fand ich den Umgang mit sterbenden Menschen eine Katastrophe. Abschiebung in die hinterletzten Kammern und nach dem Tod den Menschen möglichst schnell in die Pathologie bringen. Trost und Abschiednehmen hatten keinen Platz mehr. Damals (1978) war Deutschland noch lange von einer guten palliativen und hospizlichen Versorgung entfernt“, erinnert sie sich: „Ich habe Hochachtung vor allen Menschen, die ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase begleiten.“

Claudia Strachowitz arbeitet seit 3,5 Jahren für den Ambulanten Hospiz,- u. Palliativberatungsdienst am Hospiz am Blumenplatz. Als Palliativfachkraft und Pädagogin setzt sie sich seit 20 Jahren mit der Thematik einer würdevollen Begleitung des Lebensendes Schwerstkranker und Sterbender auseinander.

 

Oberbürgermeister Frank Meyer informiert sich

Zur Einweihung des Büros für die ambulantes Hospiz-Arbeit am 29. Oktober kommt Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer. Das zeigt, wie wichtig er die ambulante Hospiz-Arbeit in Krefeld sieht: „Die Arbeit und das Engagement in der Hospiz-Stiftung für die Menschen unserer Stadt sind von unschätzbarem Wert. Ich bin sehr dankbar für das, was hier ehrenamtlich und hauptamtlich geleistet wird. Das Hospiz-Team sorgt für eine liebevolle und würdevolle Begleitung auf dem letzten Abschnitt des Lebens bis in den Tod, für größtmöglichen Beistand in den letzten Wochen und Tagen. Der Tod wird durch diese Arbeit in die Mitte des Lebens geholt. Wir leben in einer Zeit, in der das solidarische Miteinander aller Generationen wichtiger wird. Die zurückliegenden schweren Corona-Monate haben gezeigt, wie bedeutsam für uns alle gelebte Solidarität ist. Der Ausbau der ambulanten Hospiz-Arbeit in Krefeld ist aus meiner Sicht deshalb sehr wichtig und richtig. Vielen Menschen ist es ein Bedürfnis, auch die letzten Stunden in vertrauter häuslicher Umgebung leben zu dürfen. Durch das Engagement der Hospizstiftung wird dies möglich. Ich wünsche der Stiftung von Herzen weiter eine gute Entwicklung.“

 

Info:

In der ambulanten Hospiz-Arbeit sind derzeit rund 70 geschulte Ehrenamtler/-innen tätig.

Die Befähigungskurse beginnen einmal im Jahr. Im Grundkurs geht es unter anderem um die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit sowie um die Kommunikation mit lebensbegrenzt erkrankten Menschen und ihren Angehörigen. Dabei geht es um die Bedürfnisse der Sterbenden sowie um die der Angehörigen. Der Aufbaukurs bereitet auf Tätigkeiten vor, bei denen die Ehrenamtler in engeren Kontakt zu den Gästen und ihren Angehörigen kommen. Themen sind u.a. die Auseinandersetzung mit Nähe und Distanz, der Umgang mit alternativen, nicht medikamentösen Therapien in der Sterbebegleitung, um Rituale und Trauer sowie Informationen zur Patientenverfügung, zu palliativer Pflege und zum Krefelder Palliativ-Netzwerk.

Das Büro der Koordinatorinnen ist Montag bis Freitag geöffnet von 9 bis 16 Uhr. Für Fragen / Terminvereinbarungen sind sie unter Tel.: 02151 / 93 133 93 oder E-Mail: Koordination@hospiz-krefeld.de zu erreichen.

www.ambulantes-hospiz-krefeld.de

 

Hintergrund

Das Hospiz am Blumenplatz wurde 2004 eröffnet. „Die Würde des Menschen ist unantastbar – bis zuletzt!“ – das ist der Leitspruch aller hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen der Einrichtung für Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Die Gäste sind Menschen jeden Alters, die eine lebensbegrenzende Erkrankung haben und im letzten Stadium eine palliative Versorgung benötigen. Das stationäre Hospiz bietet Platz für 13 Gäste.

Dem Team ist es wichtig, dass die Gäste die Zeit im Hospiz so fröhlich und friedvoll wie möglich verleben. Dazu gehören die palliative Pflege und die Zusammenarbeit mit den Palliativ-Medizinern, aber auch Zusatzangebote wie etwa Musiktherapie, Aroma- oder Kunsttherapie…

Das Finanzierungskonzept der Hospiz-Arbeit sieht vor, dass die Hospize 95 % des Pflegesatzes von den Kranken- und Pflegekassen erhalten, 5 % sowie alle Kosten für zusätzliche Angebote und Therapien müssen über Spenden aus „bürgerschaftlichem Engagement“ finanziert werden.

Die ehrenamtlichen Helfer/-innen begleiten die Gäste des Hospizes im Gebäude, sind aber auch in der ambulanten Betreuung bei schwerstkranken Menschen zuhause oder in Seniorenheimen tätig. Die ambulante Sterbebegleitung wird künftig mit mehr Ehrenamtlern/-innen und einer Weiterentwicklung des Konzeptes ausgebaut.

www.hospiz-krefeld.de

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