Das Armreliquiar ist nach vier Jahren bei einem Auktionshaus aufgetaucht  (Archivfoto: Sankt Marien Kevelaer)
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Kevelaer. Andenken an Petrus Canisius verschwand vor vier Jahren aus Kapelle

Ein im Oktober 2017 aus der Sakramentskapelle in Kevelaer gestohlenes Armreliquiar ist in Frankreich von der Polizei sichergestellt worden. Das Gefäß aus dem 19. Jahrhundert mit einer Reliquie des Heiligen Petrus Canisius wurde von einem französischen Kunstsammler in einem Auktionskatalog entdeckt.

Wie Prof. Dr. Thomas Flammer, Leiter der Abteilung Kunst und Kultur im Bischöflichen Generalvikariat des Bistums Münster, berichtet, hatte sich der Kunstkenner am 4. November per Mail gemeldet. Diözesankonservator Flammer identifizierte das in der Auktion angebotene Objekt als das in Kevelaer gestohlene Reliquiar und setzte sich mit der Kriminalpolizei in Goch in Verbindung. „Die Zeit eilte allerdings, denn das Reliquiar sollte bereits drei Tage später, am 7. November, versteigert werden“, berichtet er. Über Interpol sei ein Hilfsgesuch an die Polizei in Frankreich gestellt worden.

Parallel informierte, in Absprache mit Flammer, der französische Sammler die Behörden vor Ort. „Freitagabend hat die Polizei das Auktionshaus in Frankreich aufgesucht und das Reliquiar beschlagnahmt. Es wird nun an einem sicheren Ort aufbewahrt“, sagt Flammer. In welchem Zustand es ist und ob die Reliquie noch in dem Reliquiar ist, kann er derzeit noch nicht sagen. „Das Kunstwerk scheint chemisch behandelt worden zu sein, das Votivschild, das eindeutig auf die Herkunft schließen lässt, ist aber noch am Sockel“, weiß er von ersten Fotos aus dem Auktionskatalog.

In Kevelaer ist die Freude über den Fund groß. „Das war eine Überraschung“, sagt Wallfahrtsrektor Gregor Kauling: „Ich kenne das Reliquiar gar nicht, es wurde vor meiner Amtseinführung im November 2017 gestohlen. Jedenfalls bin ich sehr erfreut, dass am Ende alles gut auszugehen scheint.“ Kevelaer sei eng mit dem Heiligen Petrus Canisius verbunden, der Orden der Canisianer wurde 1854 von dem damaligen Wallfahrtsrektor und späteren Bischof von Münster, Johann Bernhard Brinkmann, im Kevelaerer Priesterhaus gegründet.

In Xanten hat sich Weihbischof Rolf Lohmann, Regionalbischof für den Niederrhein und Recklinghausen, geäußert: „Ich bin sehr erfreut, dass das Reliquiar des Heiligen Petrus Canisius vier Jahre nach dem Diebstahl wieder aufgetaucht ist. Vor meiner Bischofsweihe war ich Wallfahrtsrektor in Kevelaer und kenne das Reliquiar gut, entsprechend bestürzt war ich über den Diebstahl. Daher bin ich sowohl dem Finder als auch allen beteiligten Personen und Behörden dankbar, dass das Reliquiar rechtzeitig vor einem Verkauf sichergestellt werden konnte. Grundsätzlich können Reliquien den Menschen vor Augen führen, dass die Heiligen, die Gott besonders nahe sind, real existiert haben. Es sind sichtbare Zeugnisse der Menschen, die mit ihrem Leben ein besonderes Glaubenszeugnis abgelegt haben.“

Unklar ist noch, wann das Reliquiar nach Kevelaer zurückkehrt. Flammer wird es, sobald dies die französische Staatsanwaltschaft gestattet, in Frankreich in Empfang nehmen. Anschließend wird es auf mögliche Beschädigungen untersucht, gegebenenfalls muss es dann noch konservatorisch behandelt werden.

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