v.l. Stefanie Schneider, Kath. Erwachsenen- und Familienbildung Bistum Essen, Petra Rockenfeller, Lichtburg Filmpalast, Sabine Buß, Zonta Club, Britta Costecki, Gleichstellungsbeauftragte, Romi Domkowsky, theater:faktorei, Sabrina Rees, Leiterin der Frauenberatungsstelle und Tanja Nößler, Kommunales Integrationszentrum (Foto: privat)
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Oberhausen. Anlässlich des 40. Gedenktages gegen Gewalt an Frauen, findet in der Zeit vom 22. – 26. November 2021 eine landesweite Aktionswoche gegen Gewalt an Frauen, statt. In Oberhausen haben sich dazu mehrere Institutionen und Netzwerke mit dem Ziel zusammengetan, eine höhere gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Solidarität für die Thematik zu erlangen. Die Aktionswoche steht unter der Federführung und Förderung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Gewalt kann jede Frau oder jedes Mädchen treffen, und dies ganz unabhängig vom Alter, sozialem oder kulturellem Hintergrund. Die Corona-Pandemie hat die ohnehin schon akute Situation geschlechtsbasierter Gewalt noch weiter verstärkt, wobei auch schon vor dieser Zeit alleine weltweit 243 Millionen Frauen unter Partnerschaftsgewalt litten. Dennoch hat Gewalt viele Gesichter und sie äußert sich nicht nur in körperlichen Übergriffen, sondern auch bereits in frauenfeindlicher Sprache, Witzen, Beschimpfungen, Beleidigungen und Nötigungen.

„Es ist eine große Bereicherung, dass wir in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen in Kooperation mit verschiedenen Netzwerkpartner*innen, ausführen können. Da Gewalt schon mit unbedachten Äußerungen beginnen kann, ist es so wichtig, das Thema immer wieder öffentlich zu thematisieren, zu sensibilisieren und aufzuklären“, so Britta Costecki, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oberhausen.

Aufgrund der gesellschaftlichen Interkulturalität bedeutet Aufklärung aber auch, die Frauen und Mädchen sprachlich zu erreichen und zu informieren. Durch die zur Verfügung gestellten Landesmittel, konnten die in Oberhausen vorhandenen Informationsbroschüren, welche vom Arbeitskreis Gewalt in Oberhausen herausgegeben wurden, zu den Themen: Häusliche Gewalt, Stalking und Sexualisierte Gewalt, in verschiedene Sprachen übersetzt werden. Diese können demnächst in Arabischer, Türkischer, Französischer, Englischer und Russischer Sprache online abgerufen werden.

„Erzählen als Widerstand“ heißt die digitale Lesung zum Thema Machtmissbrauch in der Kirche von den Herausgeberinnen Frau Prof.in Dr. Ute Leimgruber und Frau Dr. Barbara Haslbeck. Dreiundzwanzig Frauen berichten in diesem Buch vom Missbrauch, den sie als Erwachsene im Raum der Kirche erfahren haben. Diese Online-Lesung wird von der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im Bistum Essen, in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle und dem Zonta Club Oberhausen, am 22.11.2021 durchgeführt. Die Teilnahme ist kostenlos, die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr.

Der Arbeitskreis Gewalt Oberhausen hat in diesem Jahr das Thema psychische Gewalt als Form der häuslichen Gewalt in den Fokus gestellt. Diese Art der Gewalt ohne Schläge, wird selbst von den betroffenen Personen nicht immer direkt als Gewalt erkannt, da psychische Gewalt sehr oft verdeckt und doppeldeutig ausgeübt wird. Es ist weit mehr als Wutausbrüche, Geschrei oder Beleidigungen, sondern äußert sich z.B. als wiederholende Respektlosigkeit, Unhöflichkeit, Bevormundung, ständige Kritik oder Vertrauensbrüche und Verzerrung der Vergangenheit. „Es gibt keine körperliche Gewalt im häuslichen Kontext, die nicht auch die psychische Gewalt beinhaltet. Daher ist es wichtig, frühzeitig über die ersten Anzeichen der Gewaltspirale aufzuklären, und somit die Frauen zu sensibilisieren. Das ist aktive Gewaltenprävention“, erklärt Sabina Rees, Leiterin der Frauenberatungsstelle.

Es werden 2 Veranstaltungen zum Thema „Wo häusliche Gewalt beginnt – Psychische Gewalt und ihre Folgen“, durchgeführt, die über die Formen, Bedeutung, Folgen für Betroffene und rechtliche Möglichkeiten informieren und wachrütteln sollen. Am 25.11.2021 um 12:00 Uhr, findet die Fachveranstaltung für Multiplikator*innen im Bürgerzentrum Alte Heid 13, in Form eines Expert*innen Interviews, statt. Frau Sabrina Rees, Leiterin der Frauenberatungsstelle, Frau Julia Habermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum und Herr Daniel Post, Leiter der psychologischen Beratungsstelle Oberhausen, werden zu den Ursachen, Begrifflichkeiten und Folgen zum Thema ihre Erfahrungen beitragen. Diese Veranstaltung wird im Anschluss für alle Interessierten online zugänglich gemacht.

Hinsichtlich der rechtlichen Möglichkeiten, sich gegen psychische Gewalt, zur Wehr zu setzen, findet am 26.11.2021, um 18:00 Uhr, im Druckluft Oberhausen, ein Interview mit der Rechtsanwältin, Dagmar Vogel und dem Polizeipräsidenten der Polizei Oberhausen, Herrn Alexander Dierselhuis, statt. Begleitet wird diese Veranstaltung durch eine eindrucksvolle akustische Ausstellung und szenischen Darstellung der theater:faktorei, die unter der Regie von Romi Domkowsky, Theaterpädagogin und Dramaturgin sowie ehemaligen Bewohnerinnen des Frauenhauses Oberhausen, vorbereitet wurde. Durch die Soundinstallation „Das ist alles deine Schuld“ und mehreren Fotografien, können die Besucher*innen eindrucksvoll und aufrüttelnd an Szenen der psychischen Gewalt visuell und akustisch teilhaben und Empfindungen nachspüren.

Der Kinofilm „Woman“ wird am 25.11.2021, um 18:00 Uhr, in dem Kino Lichtburg, gezeigt. Im Anschluss besteht die Gelegenheit einer thematischen Diskussion mit dem Zonta Club. Der Dokumentarfilm ist ein internationales Projekt, welches Ungerechtigkeiten aufzeigt, denen Frauen weltweit ausgesetzt sind. 2.000 Frauen aus 50 Ländern erzählen ihre erlebten Geschichten zu Themen wie: Bildung, Mutterschaft, Ehe, finanzielle Unabhängigkeit und häusliche Gewalt. Die Frauen kommen aus den verschiedensten Orten der Welt, sowohl aus kleinen Dörfern als auch modernen Metropolen. Der Film bietet einen aktuellen Einblick in die unterschiedlichen Lebenswelten der Frauen und macht bewusst, mit was für einer Stärke sie ihren Lebenssituationen begegnen. Diese Strahlkraft kommt zum Ausdruck und darin sind sich die Frauen alle gleich, nach dem Motto: 50 Länder – 1 Stimme!

Gewalt an Frauen und Mädchen kann und soll in unserer Gesellschaft keinen Platz finden, darin sind sich alle Beteiligten der Aktionswoche in Oberhausen einig. Daher ist es immer wieder wichtig wachzurütteln, deutlich zu werden und ein Zeichen zu setzen.

Um die Nulltoleranz gegen Gewalt an Frauen deutlich zu machen, hat sich der Zonta Club, die Gleichstellungsstelle und weitere Akteure, der weltweiten Aktion „Orange the World“ der UN Woman angeschlossen. Zu diesem Zweck werden am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, der jährlich am 25.11.2021 begannen wird, Gebäude in orangem Licht angestrahlt, um das gesellschaftliche Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt zu schärfen. Auch in Oberhausen werden einige Gebäude an diesem Tag orange leuchten: z.B. Rathäuser, Theater, Bert-Brecht- Haus, Tafelkirche, TZU und Covivio Immobilien GmbH.

 

22.11.2021, 19:30 Uhr Online Lesung „Erzählen als Widerstand“

 

25.11.2021, 12:00 Uhr Fachveranstaltung für Multiplikator*innen „Wo häusliche

Gewalt beginnt – Psychische Gewalt und ihre Folgen“

Bürgerzentrum Alte Heid 13

Anmeldung: 0208-8252050

gleichstellungsstelle@oberhausen.de

 

25.11.2021, 18:00 Uhr Filmvorführung „Woman“, Lichtburg Filmpalast, Elsässer Str.

 

26.11.2021, 18:00 Uhr Öffentliche Informationsveranstaltung „Wo häusliche Gewalt

Beginnt – Psychische Gewalt und ihre Folgen“ mit akustischer

und bildlicher Darstellung der theater:faktorei

Jugend- u. Kulturzentrum Druckluft e.V., Am Förderturm 27

Anmeldung: 0208-8252050

gleichstellungsstelle@oberhausen.de

 

Es gelten die aktuellen Regelungen der Corona Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen für Veranstaltungen.

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