Vorlesetag mit Anna Hiltrop (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
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Oberhausen. Mit Oberbürgermeister Daniel Schranz, Kabarettistin Gerburg Jahnke, Model Anna Hiltrop und vielen anderen wurde Oberhausen wieder zur Lesestadt

Oberhausen liest: Unter dem Motto „Vielfalt in unserer Stadt“ gab es am bundesweiten (Vor-)Lesetag am Freitag (19. November) trotz der aktuellen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie wieder viele Lesungen. In Kitas und Schulen, Bibliotheken, Senioreneinrichtungen und Kirchen lasen Oberhausenerinnen und Oberhausener – mit dem gebührenden Abstand – ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern vor. Darunter waren Prominente wie Oberbürgermeister Daniel Schranz, Kabarettistin Gerburg Jahnke und Model Anna Hiltrop.

Ottfried Preußlers „Kleines Gespenst“ etwa begleitete Oberbürgermeister Schranz in die Melanchthonschule an der Erzberger Straße in Sterkrade Heide. Dort traf das Stadtoberhaupt auf das Kinderparlament: Die Klassensprecherinnen und Klassensprecher der Grundschule mit ihren Stellvertreterinnen und Stellvertretern. Im pandemiediktierten sicheren Abstand las der Vater dreier Kinder aus der Geschichte des kleinen schwerelosen Wesens, das sich plötzlich mit neuem Erscheinungsbild und in ungewohnter Umgebung zurechtfinden muss – und mit der Hilfe von anderen alles meistert. So spielte das Thema des Vorlesetags, „Vielfalt in unserer Stadt“, eine Rolle, die auch für die jüngsten Zuhörer und Zuhörerinnen angemessen war. Im Anschluss an die Lesung hatten die Kinder viele Fragen zur Arbeit eines Oberbürgermeisters, die der gern beantwortete.

Sie ist Oberhausenerin mit Leib und Seele, beschäftigt sich schon ihr ganzes Leben mit lesen und sprechen und wie unterschiedlich Menschen sind, zum Beispiel Männer und Frauen: Gerburg Jahnke, Grande Dame des deutschen Kabaretts, las am Nachmittag – nur wenige Stunden, bevor sie als Frau Gott im Ebertbad nach dem Rechten sehen musste – in der Christuskirche aus „Wut und Böse“ von Journalistin Ciani-Sophia Hoeder. In dem Buch untersucht die schwarze Deutsche, wie Frauen das Gefühl der Wut aberzogen wurde – und plädiert dafür, es zuzulassen und zu nutzen, um Grenzen zu verschieben. Mit dem großzügig im Gotteshaus verteilten Publikum sprach Jahnke über ein von Frauen häufig unterdrücktes Gefühl und welche Macht die Wut entwickeln kann, wenn man sie zulässt.

Topmodel Anna Hiltrop, in Oberhausen aufgewachsen und zur Schule gegangen, kam als Bürgerin der Lesestadt zurück: Im Elsa-Brändström-Gymnasium, wo Hiltrop Abitur gemacht hat, las sie aus Jay Ashers „Tote Mädchen lügen nicht“. In dem Jugendliteratur-Besteller, geht es unter anderem um Mobbing. Die junge Frau sprach mit rund 50 Schülerinnen und Schülern über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema und stellte sich den Fragen des Publikums.

Viele Jahre war Klaus Weise Intendant am Theater Oberhausen – am Freitag kehrte der beliebte Theatermacher zurück, um aus seinem neu erschienenen Buch „Sommerleithe“ vorzulesen. Bei seinem Vortrag in der Christuskirche traf er viele alte Bekannte aus seiner Oberhausener Zeit, die sich sehr darüber freuten, dass er der Stadt weiter verbunden bleibt.

Schulen, Bibliotheken, Kirchen? Dass man auch an ausgefalleneren Orten vorlesen kann, bekamen die Mitglieder des DJK Arminia Lirich zu spüren: Sie hörten Passagen aus Frank Goosens „Weil Samstag ist“ in der Müllverbrennungsanlage. Viele bunte Angebote gab es für die jüngsten Oberhausenerinnen und Oberhausener: In der Kurbel etwa wurde „Die Reise zum blauen See“ von Mustafa Cebe in vielen unterschiedlichen Sprachen gelesen, wer mochte, konnte dabei basteln. Das Literaturhaus bot in der Fasia-Jansen-Gesamtschule eine Lesung aus Tonio Schachingers Roman „Nicht wie ihr“ an. Und der Gesamtschule Osterfeld war ein Vorlesetag nicht genug – dort gab es gleich eine ganze Vorlesewoche.

Die am Freitag vorgelesenen Geschichten griffen das Thema Vielfalt in unterschiedlicher Weise auf und machten deutlich, dass eine Stadt durch die Vielfalt der Menschen, die in ihr leben und sie auf ihre Art gestalten und prägen, erst richtig lebenswert wird. 

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