Die ehrenamtliche Unterstützung für Familien mit kranken Kindern ist trotz der Corona-Pandemie wichtig, so Schriftführerin Stefanie Zohren (v.li.), 2. Vorsitzender Karsten Körner, 1. Vorsitzender Jens Schmitz und Kassierer Stephan Kröll vom Förderverein zugunsten krebskranker Kinder Krefeld e.V. (Foto: Förderverein zugunsten krebskranker Kinder Krefeld / Nadia Joppen)
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Krefeld. „Wir sind froh, dass wir in den letzten Monaten wieder aktiver werden konnten. Seit Beginn der Pandemie und bis zum Sommer konnten wir weniger persönliche Ansprache und seelische Hilfe anbieten – das hat weh getan“ – so fasst der Willicher Jens Schmitz, seit mehr als zehn Jahren 1. Vorsitzender des „Fördervereins zugunsten krebskranker Kinder Krefeld e.V.“, die Jahre 2020 und 2021 zusammen. Anlässlich des „Tags des Ehrenamtes“ am 5. Dezember zieht der gemeinnützige Verein eine Zwischenbilanz.

Die Corona-Pandemie hat die „Zielgruppe“ der ehrenamtlich tätigen Mitglieder – Kinder in Krebs-Therapien und ihre Familien – vielleicht noch ein Stück weit stärker belastet als gesunde Kinder. So musste der Förderverein die Zahl der Übernachtungsgäste im Elternhaus Villa Sonnenschein neben der Kinderonkologie des Helios Klinikums Krefeld deutlich reduzieren: „Wir konnten pro Zimmer nur ein Familienmitglied aufnehmen, Geschwister und andere Angehörige konnten garnicht kommen. Das entspricht nicht unserer Idee, wie wir die Familien unterstützen möchten und auch nicht dem, was sie brauchen“, verdeutlicht Jens Schmitz. Da die Kinderonkologie in Krefeld ein weites regionales und internationales Einzugsgebiet habe, sei das eine sehr belastende Einschränkung gewesen.

Denn Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen haben sich ja nicht reduziert, weil es jetzt auch Corona und Kontaktbeschränkungen im Leben gibt – im Gegenteil: Umweltverschmutzung, Klimawandel und andere Einflüsse führen dazu, dass immer mehr Kinder an Krebs erkranken – und diese Erkrankungen führen zu erheblichen körperlichen und seelischen Belastungen für alle. „Eine Chemotherapie bringt körperliche und seelische Schäden – für die ganze Familie. Die Krebs-Erkrankung eines Kindes betrifft immer alle. Sie verändert das Leben und ist nie wieder weg“ – Jens Schmitz und seine Frau Andrea haben diese Erfahrung selbst gemacht: Ihr Sohn Tim ist 2008 nach einer ersten Erkrankung, Chemotherapie und Rezidiv (Rückfall) an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung gestorben: „Diese Zeit vergisst man nie, egal, ob es gut oder schlecht ausgeht“.

Die betroffenen Kinder und ihre Familien bräuchten viel Hilfe und Ansprechpartner: „Wir können mit ihnen reden, Ängste nehmen, Hoffnung unterstützen und ein Ventil sein“, beschreibt er Aufgaben, die die Fördervereins-Mitglieder ehrenamtlich wahrnehmen. Denn Kinder verständen schon früh, was eine solche Erkrankung für sie bedeute. „Sie wissen, was am Ende stehen kann. Sie stellen wesentliche, existentielle Fragen, die es aufrichtig zu beantworten gilt und die man ernst nehmen muss“, so Jens Schmitz. Da seien Gesprächspartner aus dem Förderverein, die mit der Situation vertraut sind, wichtige Bezugspersonen. Mittlerweile gebe es Kontakte bis nach München, „dort liegt ein Kind in der Klinik, das die gleiche Erkrankungsform hat wie Tim sie hatte. Wir tauschen uns viel mit der Familie aus“.

Der Förderverein hat in den vergangenen zwei Jahren andere satzungsgemäße Aufgaben fortsetzen und neu beginnen können. So habe man aus Krefeld eine fünfstellige Summe für Forschungszwecke an den Dachverband überwiesen. Außerdem finanziert der Verein die Sporttherapie für Kinder, die auf der onkologischen Station des Helios Klinikum Krefeld liegen, oder unterstützt eine Helios-Ärztin, die eine internationale Studie zu Stammzellen betreibt. „Diese finanzielle Hilfe ist wichtig, denn die Pharma-Industrie gibt weniger und der Staat unterstützt Forschung kaum“, beschreibt der Fördervereinsvorsitzende.

Außerdem hat der Förderverein ein geerbtes Haus in Anrath komplett renoviert, um mehr Raumkapazitäten für Eltern zu haben. Die Villa Sonnenschein in Krefeld war vor Beginn der Pandemie sprichwörtlich „aus allen Nähten geplatzt“. Auch die Ferienwohnung auf Sylt, die in unmittelbarer Nähe zur Sylt-Klinik liegt, sei als Erholungsort für die Familien wichtig geworden.

Erfolgreich waren Projekte wie die zweite Familienfreizeit in Flachau oder das mittlerweile 15. Familienwochenende auf dem Reichswaldhof bei Goch, an denen teils akut kranke Kinder teilnehmen konnten „Wir hatten viel Spaß, aber es war auch immer wieder Zeit für intensive Gespräche und den Erfahrungsaustausch zwischen den betroffenen oder verwaisten Eltern“, fasst Schmitz zusammen. „Ich bin aber dankbar für die Unterstützung, die wir in den vergangenen Monaten erhalten haben. Unvergesslich ist für mich das Konzert der Stadt Krefeld zum Tag der Deutschen Einheit. Dabei haben wir einen Elternverein aus Venlo kennengelernt, zu dem mittlerweile gute Kontakte bestehen. Auch die Benefiz-Wanderung von Markus Pfennings aus Willich hat einen sensationellen Spendenerfolg ausgelöst oder wir haben immer wieder Unterstützung von der Bäckerei Greis bekommen, wenn wir etwas brauchten“, beschreibt Jens Schmitz positive Aspekte der vergangenen 24 Monate.

Für 2022 plant der Förderverein wieder mehr Aktivitäten – wie ein großes Sommerfest im Garten der Villa Sonnenschein – um das Jubiläum „5 Jahre Villa Sonnenschein“ nachzufeiern.

InfoKlick: www.krebskinder-krefeld.de

 

Info: Der „Förderverein zugunsten krebskranker Kinder Krefeld“ wurde 1988 vor allem von betroffenen Eltern gegründet und finanziert sich aus Spenden. Die psychosoziale Unterstützung der kranken Kinder, die in der Kinderonkologie des heutigen Helios Klinikum Krefeld therapiert werden, und ihrer Familien ist eine der Hauptaufgaben der Mitglieder, die sich alle ehrenamtlich engagieren. „Freude ist eine gute Unterstützung im Kampf gegen den Krebs“ – das ist der Hintergrund. Unterstützung wird jedem Patienten / jeder Familie in der Krefelder Kinderonkologie zuteil, die sie benötigt. Dazu unterstützt der Förderverein Projekte in der Kinderonkologie, finanziert die Klinik-Clowns, Spielmaterialien für die Kinder oder Typisierungsaktionen zur Gewinnung potentieller weiterer Stammzellenspender in Zusammenarbeit mit der DKMS.

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