(Foto: Autobahn Westfalen)

Herne. Was hat eine Legende aus dem dritten Jahrhundert vor Christus mit der Baustelle der Autobahn Westfalen im Kreuz Herne zu tun? Ziemlich viel sogar, wie sich am 4. Dezember gezeigt hat, dem Barbaratag: Da haben nämlich die Tunnelbauer das Fest ihrer Schutzheiligen gefeiert – in Anwesenheit der Tunnelpatin. In Herne heißt diese Tunnelpatin Andrea Oehler. Üblicherweise ist sie die Stellvertreterin von Oberbürgermeister Frank Dudda (ebenfalls anwesend), aber am Barbaratag war sie die Stellvertreterin der Heiligen auf Erden. Sie wurde entsprechend von den Tunnelbauern begrüßt.

Im Anschluss folgte eine Andacht, bei der die Bergbaugeschichte des Reviers und die Rolle der Barbara für die Region hervorgehoben wurde. Auch für Elfriede Sauerwein-Braksiek, Leiterin der Autobahn Westfalen, war eine Teilnahme an diesem ersten Barbaratag am Tunnel Herne selbstverständlich: „Das Autobahnkreuz Herne und damit der Tunnel ist eines unserer wichtigsten Projekte, hier an der A43, der Schlagader der Region, und ich habe mich sehr gefreut, das Team und die Tunnelpatin kennenzulernen.“

Doch auch während des Restjahres ist Oehler als Gast auf der Baustelle gerne gesehen, darf Kuchen vorbeibringen oder Genesungswünsche, wenn sich jemand verletzt hat. Denn Tunnelbau ist wie der Bergbau nicht ungefährlich – und hier knüpft der Alltag der Bauarbeiter an die Legende an. Laut frühchristlicher Überlieferung lebte Barbara, eine schöne und kluge junge Frau, im antiken Nikomedia. Statt einem ihrer vielen Verehrer die Hand zu reichen, entschied sie sich dazu, zum Christentum überzutreten und als Eremitin zu leben. Dafür wurde sie verfolgt und gefoltert, ihr Vater selbst enthauptete sie schließlich. Daraufhin wurde er vom Blitz erschlagen. Dieser plötzliche und feurige Tod sorgte dafür, dass die heilige Barbara zum Schutz gegen Feuer und Explosionen angerufen wurde. Gerade im Berg- und Tunnelbau, wo sich Gas sammeln und jeder Funke tödlich sein kann, wurde Barbara als Beschützerin populär.

Und so steht auch im Kreuz Herne eine kleine Barbarafigur in einem Schrein, direkt neben der Stelle, wo der Tunnel unter den Bahngleisen vorgetrieben wird. Auch ein Zweig findet sich dort, in Anlehnung an eine weitere Barbaratradition: Am 4. Dezember werden Obstbaumzweige geschnitten und in eine Vase gestellt, damit sie zu Weihnachten blühen.

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