Hasan Yumurtaci (4. v. l.) hat im Projekt „Kurs auf Ausbildung“ seinen Platz als angehender Einzelhandelskaufmann gefunden. Auf dem Foto von links: Claudia Trampen (Rhein-Kreis Neuss), Wolfgang Nyssen (Bildungszentrum Niederrhein), Job-Coach Frank Krings, Hasan Yumurtaci, Guido Schor (Inhaber Einbruchschutz Schor) und Kreisdirektor Dirk Brügge (Foto: Kreishandwerkerschaft / Balsen)

Dormagen/Rhein-Kreis Neuss. Neues Angebot unterstützt junge Menschen beim Start in den Beruf

„Kurs auf Ausbildung“ nehmen junge Menschen mit Hilfe eines neuen Coaching- und Vermittlungsangebots, umgesetzt durch das Bildungszentrum Niederrhein (BZNR) der Kreishandwerkerschaft. Jugendliche, die pandemiebedingt keine Ausbildungsstelle finden konnten, erhalten dadurch zusätzliche Chancen auf einen erfolgreichen Berufsstart.

Das Programm ergänzt die bestehenden Angebote für den Übergang von der Schule in den Beruf, die die Kommunale Koordinierung Rhein-Kreis Neuss im Rahmen der NRW-Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“ bündelt. Auch Hasan Yumurtaci hat mit Unterstützung des öffentlich geförderten Projekts seinen Ausbildungsplatz zum Einzelhandelskaufmann gefunden: Er erlernt seinen Beruf bei Schor Einbruchtechnik in Dormagen.

Hasan Yumurtaci ist 20 Jahre alt und hat in den vergangenen Jahren viel geschafft, nachdem er aufgrund einer später operativ behobenen Hörstörung in der Kindheit einige Schwierigkeiten hatte. Er machte zunächst seinen Hauptschulabschluss 9 auf der Schule am Chorbusch in Dormagen, schloss am BTI in Neuss den Abschluss 10. Klasse an und erreichte danach am BBZ Dormagen auch noch die Fachoberschulreife.

Dann begann er eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei einem großen Discounter – und stellte schnell fest: Arbeiten im Konzern ist nichts für ihn. „Ich brauche ein bisschen Zeit, bis ich’s draufhabe. Aber dann habe ich’s drauf“, sagt Hasan über sich. Er brach die Ausbildung ab. Und fand lange Zeit nichts Neues. Die Arbeitsagentur vermittelte ihn in das Projekt „Kurs auf Ausbildung“.

Seine Erfolgsgeschichte nahm Kreisdirektor Dirk Brügge zum Anlass, die Ausbildungsstätte von Hasan Yumurtaci zu besuchen. Er schätzt im Besonderen die Chancen, die das Programm bietet: „Der Rhein-Kreis Neuss ist froh, dass wir bei dem Projekt „Kurs auf Ausbildung“ durch das Land NRW berücksichtigt wurden. Damit die Corona-Krise nicht zu einer Krise auf dem Ausbildungsmarkt führt, hilft uns diese zusätzliche Maßnahme, die coronabedingten Folgen abzufedern.“ Gefördert wird das Projekt mit Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds.

„Während der Corona-Pandemie stehen ausbildungsinteressierte junge Menschen vor besonderen Herausforderungen. Wir begleiten die Jugendlichen im Bewerbungsprozess und unterstützen sie bei der Vermittlung in Ausbildung“, erläutert BZNR-Geschäftsführer Wolfgang Nyssen. Der Rhein-Kreis Neuss ist zusammen mit Mönchengladbach eine von zwölf Regionen in NRW, in denen „Kurs auf Ausbildung“ angeboten wird.

Gemeinsam mit Job-Coach Frank Krings vom BZNR brachte Hasan Yumurtaci seine Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand, außerdem bereitete ihn Krings auf Vorstellungsgespräche vor. „Das war eine gute Stütze“, erklärt der 20-Jährige. Schließlich lernte er Guido Schor kennen, der in Dormagen an der Kölner Straße einen Fachbetrieb für Einbruchschutz führt. Seit etwa eineinhalb Monaten absolviert er nun bei Schor die insgesamt dreijährige Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.

„Ich finde es toll, Kunden bestmöglich zu beraten und ihnen das für sie optimale Produkt zu verkaufen“, sagt der Auszubildende. Dabei ist er nicht nur im Geschäft, sondern fährt auch mit Kollegen zu Montagen, um die technischen Feinheiten etwa von Pilzkopfverriegelungen, Funk-Alarmanlagen oder Insektenschutzgittern kennenzulernen.

Hasan Yumurtaci fühlt sich wohl bei Schor. Er schätzt das Betriebsklima in dem Unternehmen mit zehn Mitarbeitern, das Guido Schors Großeltern vor 75 Jahren gegründet haben. Das Kompliment gibt der Chef gerne zurück: „Hasan macht sich gut, er versteht sich prima mit den Kollegen“, erklärt Schor, der seit vielen Jahren ausbildet. Im ersten Jahr wird die Ausbildung vom BZNR unterstützt, um das Ausbildungsverhältnis zu stabilisieren und die Gefahr eines möglichen Abbruchs zu verringern.

Insgesamt können bis zu 40 junge Menschen gleichzeitig an „Kurs auf Ausbildung“ teilnehmen. Derzeit ist das BZNR dabei, weitere Teilnehmende zu gewinnen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Berufskollegs. „Dorthin hat es offenbar eine ganze Reihe von Schulabgängern gezogen, die wegen der Pandemie Sorge um einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben hatten. Wir möchten unser Angebot möglichst allen Schülerinnen und Schüler der Berufskollegs im Rhein-Kreis Neuss machen, die zum Ende dieses Schuljahres in eine duale Ausbildung einmünden möchten“, erklärt Wolfgang Nyssen.

Bei Kreisdirektor Dirk Brügge findet er mit diesem Wunsch ein offenes Ohr. „Ich unterstütze es sehr, dass den Schülerinnen und Schülern unserer Berufskollegs dieses Angebot unterbreitet wird. Trotz Pandemie gibt es in vielen Berufen und Branchen mit einer beruflichen Ausbildung gute Chancen und Zukunftsperspektiven“, betont Brügge.

Weitere Informationen zum Projekt „Kurs auf Ausbildung“ beim Bildungszentrum Niederrhein, BZNR gGmbH, Steffen Bellenstedt, Frank Krings, Wolfgang Nyssen, Tel. 02137-9281491, Mail kursaufausbildung@bznr.de, www.bznr.de

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