(v.l.) Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach, Dr. Leah Floh, Oberbürgermeister Felix Heinrichs, Künstler Günter Demnig, Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit Mönchengladbach e.V., Ulrich Rosocha und Bezirksvorsteher Ulrich Elsen (Foto: © Stadt MG)
Anzeigen

Mönchengladbach. Gedenkveranstaltung vor dem ehemaligen jüdischen Altenheim in der Friedrich-Ebert-Straße 82-84

In diesem Jahr jährt sich zum 80. Mal der Tag der Deportation Mönchengladbacher Jüdinnen und Juden. Eine vor kurzem an der Außenfassade des Mönchengladbacher Hauptbahnhofes installierte Gedenkplatte erinnert an die grausamen Geschehnisse der Vergangenheit. Heute (13. Dezember) wurde auf dem Gehweg vor dem ehemaligen Jüdischen Altenheim in der Friedrich-Ebert Straße 82-84 ein neuer Gedenkort geschaffen. Der Künstler Günter Demnig, der seit 2006 an 98 Stellen im Stadtgebiet insgesamt 317 Stolpersteine verlegte, setzte in einer Gedenkveranstaltung im Beisein von Oberbürgermeister Felix Heinrichs, dem Vorsitzenden der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit Mönchengladbach e.V., Ulrich Rosocha, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach, Dr. Leah Floh, dem Rabbiner Yitzak Hoenig und Bezirksvorsteher Ulrich Elsen, eine erste Stolperschwelle in den Boden. „Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft. Insgesamt 107 Bewohnerinnen und Bewohner sind Opfer des Holocaust und einer menschenverachtenden Ideologie geworden. Sie wurden 1941 bis 1942 nach Riga, Lodz, Litzmannstadt, Theresienstadt und Auschwitz deportiert. 90 von ihnen überlebten die Transporte und Deportationslager nicht“, erinnerte Oberbürgermeister Felix Heinrichs.

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude diente vor seiner Nutzung als Altenheim jüdischen Mädchen aus dem Rheinland und weit darüber hinaus als Unterkunft, welche die weithin bekannte Rheydter Handels- und Gewerbeschule, heute Maria-Lenssen-Berufskolleg besuchten. Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs verlasen in der Gedenkveranstaltung die Namen aller Opfer. „Dadurch erhalten die vielen Opfer ihre Namen wieder zurück“, bedankte sich Bezirksvorsteher Ulrich Elsen bei den Schülerinnen und Schülern. „Uns war es wichtig, an die Verbrechen zu erinnern. Alle haben damals geschwiegen, sie wussten, was sich hinter der ‚Evakuierung‘ verbarg, oder schlimmer noch, sie haben mitgemacht. Das darf nie wieder vorkommen“, so Ulrich Rosocha, Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gemeinde, die die Patenschaft über die Stolperschwelle übernommen hat. Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung durch den Mönchengladbacher Saxophonisten Jürgen Löscher gestaltet.

Zum Hintergrund: Die erste Deportation von Heimbewohnern erfolgte am 27. Oktober 1941. An jenem Tag wurden zwei Bewohnerinnen nach Litzmannstadt „evakuiert“. Der letzte Transport am 24. Juli 1942 nach Theresienstadt war zugleich der größte. Von den 120 Personen aus Mönchengladbach kamen 62 aus dem Altersheim in Rheydt. Die beiden letzten jüdischen Bewohner im Haus Nummer 82 waren das Ehepaar Karl und Franziska Nussbaum, das hier nur sechs Tage wohnte und dann wegzog nach Köln. Nur einer einzigen Person, der 1875 in Geilenkirchen geborenen Lina Braun geborenen Herze, gelang es laut Melderegister 1941, sich nach „Argentinien“ abzumelden. Von allen deportierten Bewohnern hat unter anderem die Heimleiterin Meta Klein, die Verfolgung und Deportation überlebt; sie wohnte nach dem Krieg in der Schweiz.

Einige Bewohner des Jüdischen Altenheims an der Friedrich-Ebert-Straße im Juni 1939 (Foto: © Stadtarchiv MG)
Beitrag drucken
Anzeige