Links: Brigitte Seifert in jüngeren Jahren und in Schwesterntracht. Rechts: Die 92-jährige Brigitte Seifert (Bildmitte) besuchte auf Einladung der Pflegedienstleitung des Krankenhauses Bethanien die Wöchnerinnenstation der Frauenklinik. Die heute im Seniorenstift lebende Seniorin arbeitete vor 70 Jahren als Kinderkrankenschwester auf der damaligen Entbindungsstation (Fotos: Bethanien)

Moers. Vor 70 Jahren arbeitete Brigitte Seifert als Kinderkrankenschwester im Bethanien. Für einen Besuch kehrte die 92-jährige Bewohnerin des Seniorenstiftes zurück zur alten Wirkungsstätte.

„Das gab es früher alles noch nicht“, staunte Brigitte Seifert als sie kürzlich eines der Familienzimmer auf der Wöchnerinnenstation der Frauenklinik im Krankenhaus Bethanien betrat. Die 92-Jährige arbeitete vor über 70 Jahren im Moerser Krankenhaus als Kinderkrankenschwester auf der damaligen Entbindungsstation – seit drei Jahren lebt sie im Seniorenstift. Die Pflegedienstleitung des Krankenhauses lud die Seniorin auf eine Stippvisite zu ihrem alten Arbeitsplatz ein. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen des Seniorenstiftes organisierte sie den Kurzbesuch in der Frauenklinik. Brigitte Seifert besichtigte ein Familienzimmer, sah sich das Schwesterndienstzimmer sowie das Stillzimmer an und warf auch einen Blick ins Untersuchungszimmer der Station. „Ich bin so dankbar, dass mir das ermöglicht wurde“, freute sich die Seniorin während ihres Besuchs an ihrer alten Wirkungsstätte.

Brigitte Seifert kann sich noch gut an ihre Anfänge in Moers erinnern: Nach dem Krieg kam sie als Flüchtige von Ostpreußen an den Niederrhein – zu Fuß, wie sie berichtet. Kurz nach ihrer Ankunft absolvierte sie ihre Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und machte ihr Examen. Im Alter von 21 Jahren bekam sie dann eine Stelle im Krankenhaus auf der Entbindungsstation, wo sie damals zu den wenigen jungen Krankenschwestern zählte. Sie lebte während dieser Zeit im Schwesternwohnheim. Auf der Entbindungsstation gab es damals eine Hebamme, die für die ganze Station zuständig war und vier weitere Mitarbeiterinnen – eine von ihnen war Brigitte Seifert. Zu diesem Zeitpunkt war das Krankenhaus noch klein. Alles sei sehr familiär gewesen, erinnert sich die Seniorin. „Jeder kannte jeden.“

Brigitte Seifert arbeitete in der Regel von 6 bis 20 Uhr und hatte dafür zwei Stunden Pause am Tag. Allerdings kam es nicht selten vor, dass sie bis spät in die Nacht noch im Krankenhaus blieb und auf der Entbindungsstation mithalf. Sie versorgte die neugeborenen Kinder, unterstützte Mütter beim Stillen ihrer Babys und half auch dabei, uneheliche Kinder beim Standesamt anzumelden. Durchschnittlich kam pro Tag ein Kind auf die Welt, die Mütter blieben rund zehn Tage im Krankenhaus. Ihre damalige Arbeitskleidung: Eine Tracht aus blauen Kleidern, eine Schürze und die für die damalige Zeit typische Schwesternhaube.

Damals gab es die Kinderklinik noch nicht, erinnert sich Seifert. Die Neugeborenen lagen in einem speziellen Säuglingszimmer. Wenn mal ein Kind zu früh kam oder es krank war, kam es in eine Klinik nach Krefeld, während die Mütter in Moers blieben. „Das war keine einfache Situation für die frisch gewordenen Eltern. Die Väter mussten immer hin- und herpendeln, um die Muttermilch nach Krefeld ins Krankenhaus zu bringen, damit Ihre Kinder versorgt waren“, berichtet die Seniorin. Ihren Ehemann lernte Brigitte Seifert im Bethanien kennen, nach zwei Jahren zog sie mit ihm nach Moers. Auch ihre drei Kinder hat sie im Bethanien zur Welt – mit 28 Jahren kamen ihre Zwillinge und kurze Zeit später ihre Tochter.

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