Rolf Abrahamsohn (+) mit Schwester Johanna Eichmann (+) (Foto: Stadt Dorsten)
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Marl/Dorsten/Kreis Recklinghausen. Mit tiefer Bestürzung hat Marls Bürgermeister Werner Arndt die Nachricht vom Tode Rolf Abrahamsohns erfahren. Der Marler verstarb am 23. Dezember im Alter von 96 Jahren.

„Der wundervolle Rolf Abrahamsohn überzeugte mit seiner Lebenskraft und unglaublichen Geschichte“, sagt Bürgermeister Werner Arndt. „Rolf Abrahamsohn engagierte sich viele Jahre, die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzubereiten und die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten. Seine Stimme wird uns fehlen“.

Rolf Abrahamsohn war der letzte Holocaust-Überlebende der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen. Er wurde 1925 in Marl geboren. Zusammen mit seiner Familie wurde er 1938 aus seiner Heimatstadt vertrieben. Die Familie zog nach Recklinghausen. 1942 folgte die Deportation von Abrahamsohn und seiner Mutter nach Riga. Er überstand das dortige Ghetto wie auch die Konzentrationslager Kaiserwald, Stutthof, Buchenwald und Theresienstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Marl zurück.

Später setzte sich Rolf Abrahamsohn für die neu gegründete Jüdische Kulturgemeinde Bochum/Herne/Recklinghausen ein und war von 1978 bis 1992 deren Vorsitzender. Seit 2016 ist Rolf Abrahamsohn Ehrenvorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen. Er war im Vorstand der Jüdischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aktiv und hat den Aufbau des Jüdischen Museums in Dorsten intensiv unterstützt und begleitet.

Besonders lag es Rolf Abrahamsohn am Herzen, junge Menschen von dem zu berichten, was er während der Nazizeit erlebt hatte. Als Zeitzeuge berichtete er in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Erst im vergangenen Jahr wurde Rolf Abrahamsohn mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen geehrt.

Flaggen werden in Dorsten am 29.12.2021 auf Halbmast gesetzt

Stadt Dorsten trauert um Rolf Abrahamsohn – Bürgermeister Stockhoff: „Er hat aus seinem Leben ein Vermächtnis gemacht“

Gemeinsam mit Angehörigen, Freunden und der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen trauern Bürgerschaft, Rat und Verwaltung der Stadt Dorsten um Rolf Abrahamsohn, der am Donnerstag, dem Tag vor Heiligabend, im Alter von 96 Jahren gestorben ist.

Abrahamsohn, Kind einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Marl, überlebte in der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten mehrere Vernichtungslager. Nach dem Krieg kehrte er zurück nach Marl, setzte sich in der Region unermüdlich ein gegen das Vergessen und zugleich für Versöhnung. Dafür wurden ihm unter anderem der Titel „Vestischer Ehrenbürger“ des Kreises Recklinghausen und der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.

Sein Weg führte ihn oft nach Dorsten: Intensiv begleitete er die Gründung und das Werden des Jüdischen Museums. Mit dessen langjähriger Leiterin und Dorstener Ehrenbürgerin Schwester Johanna Eichmann – vor zwei Jahren wie Abrahamsohn am Tag vor Heiligabend verstorben – verband ihn eine tiefe Freundschaft. Oft hat er auch hier in der Stadt als Zeitzeuge über sein Leben erzählt.

Bürgermeister Tobias Stockhoff ist betroffen von dem Verlust: „Rolf Abrahamsohn wird uns fehlen. Er hat aus seinem Leben ein Vermächtnis und einen Auftrag an die Nachgeborenen gemacht. Als Zeitzeuge hat er die Erinnerung an die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur wachgehalten. Es war ihm besonders wichtig, jungen Menschen davon zu erzählen, welche Gräuel er selbst erlebt hat – auch wenn es ihm persönlich schwerfiel, darüber zu sprechen. Der notwendige Blick in die Vergangenheit war bei ihm aber vor allem auch ein Blick in die Zukunft. Eine Zukunft ohne Krieg, Antisemitismus, Ausgrenzung. Für diese Botschaften hat er gelebt. Wir werden ihn in ehrender Erinnerung behalten als herausragende Persönlichkeit und wir werden sein Lebenswerk fortsetzen.“

Totengeläut der Stadtpfarrkirche St. Agatha als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung

Rolf Abrahamsohn wird am Mittwoch, 29. Dezember, auf dem Jüdischen Friedhof in Recklinghausen beigesetzt. An diesem Tag werden die Fahnen am Dorstener Rathaus und der Hauptfeuer- und Rettungswachse auf Halbmast gesetzt und die Stadtpfarrkirche St. Agatha wird um 11.30 Uhr die Toten- und Auferstehungsglocke als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung läuten.

Dechant Dr. Stephan Rüdiger: „Rolf Abrahamsohn hat sich nicht allein im politischen Sinne für Erinnerung und Versöhnung eingesetzt, sondern auch als zutiefst gläubiger Mensch. Er hat die Jüdische Kultusgemeinde Recklinghausen mit aufgebaut, hat sie viele Jahre als Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender geprägt. Auch im Vorstand der Jüdischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit war er engagiert und hat Austausch, Dialog und Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen gefördert.“

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