Christel Langenhof (Foto: renatec)

Düsseldorf. „Ein gutes Gespräch kann Berge versetzen“ von Siegfried Herrmann

Das ehrenamtliche Engagement für Arbeitslose von Christel Langenhof beeindruckt. Im Rentenalter ist sie längst, dennoch ist sie für das Arbeitslosenzentrum der renatec verantwortlich. Wenn sie von „Ihren“ Arbeitslosen spricht, wie sie diese erlebt und ihnen helfen will, ist ihre Begeisterung offensichtlich.

Angefangen hat alles vor Jahren bei der Lebensberatung für Langzeitarbeitslose der evangelischen Kirche. Die Tätigkeit dort umfasste Aufgaben wie soziale Hilfe oder Schuldnerberatung. „Von Beruf bin ich kaufmännische Angestellte. Ich habe für die Kirche immer viel gemacht, das war mir wichtig“, erzählt sie. Die Lebensberatung kam später zur Diakonie.

Irgendwann kam uns dort  die Idee, ein Frühstück  für Arbeitslose anzubieten. Wir konnten einen Raum in einer Kirche nutzen und boten wöchentlich ein Frühstück an.“ Bald wurde der Wunsch geäußert mehr zu machen. So kam ein Englischkurs, später ein Computerkurs  dazu. und dann kamen immer mehr Anfragen. In dieser Zeit entstand ein wichtiger Grundsatz für die gesamte Arbeit: Arbeitslose tun selbst etwas für Arbeitslose. „Ich fand es seither immer wichtig, dass diese Menschen wieder eine Aufgabe haben und dabei noch anderen helfen.“

Die Menschen, die kamen, wurden daraufhin befragt: „Könnt ihr etwas gut, habt ihr einen Beruf, ein Hobby? Seid ihr bereit darüber zu sprechen? Können wir das in unser Programm aufnehmen?“ Oft war die Antwort: „Ich kann nicht vor Anderen reden.“ Christel Langenhof meint dazu heute: „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die Leute zu unterstützen und sie stark zu machen.“

Selbsteinschätzung und Können liegen oft weit auseinander – in beiden Richtungen. Ein Teilnehmer damals konnte gut mit dem Computer arbeiten, meinte aber, er könne nicht mit Leuten umgehen. Die Leiterin hilft ihm, stellt ihm die Leute vor, führt ein und nimmt so letztendlich die Angst. Der Mann ließ sich darauf ein und wurde so gut, dass er später Kurse bei der Volkshochschule abgehalten hat. Er hat gelernt, was er kann und wie er damit anderen Menschen nützt. „Ich habe viele Situationen erlebt, in denen einfacher Zuspruch viel bewirkt hat. Für die Teilnehmer ist es oft sehr wichtig, dass sie nicht alleine dastehen, resümiert sie. Das Programm des Arbeitslosenzentrums hat sich permanent erweitert. Hinzu kamen Gesprächskreise, Besichtigungen, Kochen, Basteln und anderes.

Es geht mehr als man denkt

Große Bedeutung gewannen die Gesprächskreise. Hier wurde über wichtige Themen  informiert. Es gibt sie heute immer noch. Auch die Stammtische sind von großer Wichtigkeit. Hier ist jedes Thema willkommen, sei es über günstige Einkaufsmöglichkeiten, Politik, Not-situationen. Es wird auch mal ein Witz erzählt, selbst private Themen sind hier möglich. Wer Hilfe braucht, bekommt Hilfe, oft von Anwesenden. Wer sich hier öffnet und erzählt, bewirkt oft, dass die Anderen das ebenfalls tun und so kommt ein Gespräch zustande. Nach einer Führung durch den Kunstpalast beispielsweise kamen viele Fragen auf. Später hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich im Werkstattraum selbst kreativ zu betätigen. Der Tag mündete  für viele in der erstaunlichen Erfahrung, dass sie mehr können als sie selbst dachten.

Ein wichtiges Angebot war und ist die Theater AG. Unter Leitung von Michael Fell haben die Teilnehmer sprechen und gestalten gelernt, Sketche und kleine Theaterstücke geschrieben und aufgeführt, Der größte Erfolg war die Aufführung des „kleinen Prinzen“. Schon bei der Lebensberatung gab es ein musikalisches Theaterprojekt, das mit Jugendlichen und Arbeitslosen erfolgreich aufgeführt wurde.

Eine ganz besondere Erfahrung waren die Arbeitslosenurlaube von jeweils einer Woche. Wie das geht? Natürlich musste alles kostenlos sein. „Ich habe Kleinbusse von Gemeinden organisiert“, erzählt Christel Langenhof. Ein Teilnehmer konnte fahren. So ging es ins Sauerland und in die Eifel. Übernachtet wurde in Jugendherbergen und Ferienhäusern. Gekostet hat die Woche Urlaub pro Person 20 Euro.

Wie kam das Arbeitslosenzentrum zur renatec? Kennengelernt hat Christel Langenhof die renatec durch Jürgen Mostertz. Die Diakonie hatte die Lebensberatung übernommen, wollte später jedoch lediglich die Schuldnerberatung behalten. Deshalb erhielt die renatec die Anfrage, ob sie das Arbeitslosenzentrum betreiben will. Christel Langenhof meint: „Ich habe mich sehr gefreut zur renatec zu kommen, hatte Lust dazu und hatte gute Ideen“. Begonnen hat das Arbeitslosenzentrum 2013 in der Niederlassung auf der Fichtenstraße.

Ein enger Kontakt zu den Beteiligten ist für eine Leitung wichtig. Das hat viele Gründe, ein wesentlicher liegt in der Dauer der Arbeitslosigkeit. Teilweise sind dies über zehn Jahre. „Das macht etwas mit den Menschen, sie wünschen sich einen Ansprechpartner und bei manchen Aufgaben Begleitung. Hier kann ein gutes Gespräch Berge versetzen und ich war mit ihnen beim Jobcenter, im Krankenhaus etc. Wenn mich einer fragt, schicke ich ihn nicht fort“, so ihre Erfahrung.

Helfen aus eigener Erfahrung

Wie kam dieses Engagement für arbeitslose Menschen zustande? „Aus eigener Erfahrung“ antwortet sie. „Ich bin geschieden, habe drei Kinder großgezogen, war arbeitslos. Sozialhilfeempfängerin. Das waren sehr schwierige Zeiten. Und ich wollte nie wieder Sozialhilfe bekommen. Das motiviert mich zu dieser Arbeit.“ Natürlich gibt es Herausforderungen: Es ist nicht immer einfach, für das Programm neue Aktivitäten zu finden und für die Veranstaltungen ehrenamtliche Unterstützung zu bekommen.

Was Christel Langenhof an andere Projekte der renatec weitergeben möchte ist: „Das Programm für Arbeitslosenzentrum gibt es halbjährlich und ist für Arbeitslose kostenfrei. Wenn die anderen Projekte zu  Ende sind, gibt es zur weiteren Empfehlung das kostenfrei Bildungs- und Freizeitangebot für Arbeitslose. Wer Lust und Zeit hat, ist hier herzlich willkommen. Empfehlenswert ist die Broschüre „Düsseldorf für ´nen kleinen Euro“. Es gibt darin viel Information für wenig Geld. Kritik äußert Christel Langenhof ganz zum Schluss. „Unser heutiger Standort liegt für viele Arbeitslose zu weit draußen. Auf der Fichtenstraße hatten wir viel mehr Teilnehmer im Englischkurs als hier.“

Warum ist sie immer noch aktiv? Ihre Antwort: „Es ist gut für die Arbeitslosen. Es ist gut für die renatec und auch gut für mich.“

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