Beigeordnete Sabine Lauxen, Martina Bergmann, Gleichstellungsstelle, Maria Papaderou, Obfrau der Kinderärztinnen und -ärzte in Krefeld, Birgit Paas, Fachbereich Gesundheit, Dr. Uta Rößler, Fachbereich Gesundheit, Regine Bonse-Bolt, Team Kindeswohl, Jeannette Drees, Fachbereich Gesundheit (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof)

Krefeld. Neues Unterstützungsinstrument für Ärztinnen und Ärzte

Im Jahr 2020 waren in Krefeld 215 Kinder nach polizeilichen Angaben unmittelbar und mittelbar von häuslicher Gewalt betroffen. Die Dunkelziffer wird noch weitaus höher eingeschätzt. Häusliche Gewalt in ihren unterschiedlichen Formen betrifft alle sozialen Schichten unabhängig vom Bildungsstand, Einkommen, gesellschaftlichem Status, Kultur oder Herkunft. In Krefeld wird dieses Thema immer wieder in den Blick genommen und auf das Hilfesystem aufmerksam gemacht. In diesem Rahmen ist über die Arbeitsgruppe (AG) Häusliche Gewalt und Gesundheit der Krefelder Gesundheitskonferenz – unter Beteiligung von Kinderärzten (Kassenärztliche Vereinigung und Ärztekammer), Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, sowie Kinderpsychiatern und der Experten aus dem Bereich Jugendhilfe der Stadt Krefeld – der Krefelder Leitfaden zur Risikoeinschätzung bei häuslicher Gewalt an Kindern entwickelt worden.

Interdisziplinär und verwaltungsübergreifend haben sich in Krefeld die Akteure zusammengeschlossen, um Informationen und Vorgehensweisen für die Dokumentation bei Verdachtsmomenten oder/und bei der konkreten Feststellung von häuslicher Gewalt an Kindern und Jugendlichen für Ärzte und Kinder-und Jugendlichen-Psychotherapeuten zusammenzustellen. Maria Papaderou, Obfrau der Kinderärzte, befürwortet, bei Verdacht auf eine Gefährdung des Kindeswohls aktiv zu werden und darüber hinaus auch schon bei dem Risiko einer Gefährdung prophylaktisch aktiv zu werden. „Ziel der Arbeitsgruppe Häusliche Gewalt und Gesundheit war es, ein klares und einheitliches Verfahren für die Ärztinnen und Ärzte anzubieten, die oftmals als erste oder auch einzige in den Kontakt mit den Kindern und Familien kommen“, sagt die Sprecherin der AG Martina Bergmann, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld. „So können je nach Einschätzung der Situation die Maßnahmen von der Vermittlung eines Hilfsangebotes für die Eltern bis zu einer unverzüglichen Klinikeinweisung und/oder Einschaltung des Jugendamts gehen. Die Informationen dieses Krefelder Leitfadens sollen dabei unterstützen, mögliche Gefährdungen besser aufzuspüren, frühzeitig Hilfen aufzuzeigen und bei Bedarf angemessene Maßnahmen zu ergreifen.“

Die Arbeitsgruppe häusliche Gewalt und Gesundheit der Krefelder Gesundheitskonferenz agiert eingebettet im Krefelder Netzwerk gegen Häusliche Gewalt, dass das Thema häusliche Gewalt mit all seinen Facetten und Betroffenen im Blick hat. Die Finanzierung des Drucks der Leitfäden wurde über die Kommunalen Präventionsketten der Stadt Krefeld und den städtischen Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung gefördert. Die Verteilung der Leitfäden an die entsprechenden Ärzte hat bereits begonnen. Die Broschüren sind bei der Geschäftsführung der AG Häusliche Gewalt und Gesundheit erhältlich per E-Mail an Birgit.Paas@krefeld.de, Jeanette.Drees@krefeld.de oder Martina.Bergmann@krefeld.de.

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